Dienstag, 07. Februar 2012 - 07:32 Uhr
Marc-André ter Stegen: Bei Tiefsttemperaturen von den Wolfsburgern, trotz deren optischer Überlegenheit nach der Pause, nicht wirklich warm geschossen. Nur beim Schuss von Josué musste er sein ganzes Können unter Beweis stellen, was ihm mit einer tollen Parade auch gelang. Auch darüber hinaus fehlerlos, lediglich mit einem etwas unterlaufenen Eckball, was aber für keine Gefahr sorgte. Als mitspielender Torwart aufmerksam wie gewohnt. Note 2,0.
Tony Jantschke: In der ersten Halbzeit wartete er mit einer souveränen Defensivleistung auf. Auch nach dem Wechsel behielt der 21-Jährige in Bedrängnis den Überblick und verfiel nie in Panik. Allerdings griff Wolfsburg in der zweiten Halbzeit verstärkt über seine Seite und Jantschke musste einige Flanken von Schäfer zulassen oder konnte oftmals nur zur Ecke klären. Das brachte ihm Mitte des zweiten Durchgangs einen lautstarken Rüffel von Dante ein. Auffällig, dass er im Kopfballspiel einiges abräumte – mehrmals auch nach von ihm ‚verursachten‘ Ecken. Im Spiel nach vorne im Verlauf der ersten Halbzeit mit ein paar letztlich harmlosen Vorstößen, dazu mit einem guten Pass auf Hanke in die Tiefe. Später nur noch defensiv gefordert. Note 3,0.
Roel Brouwers: Kurzfristig für den erkrankten Stranzl ins Team gerückt, gab der Niederländer den gewohnt zuverlässigen Backup in der Innenverteidigung. Als einziger auf dem Platz mit Kurzarm-Trikot und ohne Handschuhe ausgestattet, blieb er den Temperaturen entsprechend cool. Im ersten Durchgang war der 30-Jährige kaum gefordert, als Wolfsburg nach der Pause die Schlagzahl erhöhte, drohte es ein paar Mal gefährlich zu werden, doch letztlich gab sich Brouwers keine Blöße. Einzig beim Kopfball von Lopes nach einer Ecke war er nicht eng genug am Mann. Brouwers hatte viele Ballkontakte, leistete sich beim Passspiel zwei, drei Ungenauigkeiten, ansonsten jedoch sehr solide. Er zeigte auch mal wieder seinen Torinstinkt, doch sein Kopfballtreffer wurde wegen einer Abseitsstellung von Dante zurecht nicht anerkannt. Note 3,0.
Dante: Präsentierte sich als echter Abwehrchef: Räumte hinten ab, gab lautstarke Kommandos und versuchte sich immer wieder ins Aufbauspiel einzubringen. Nicht umsonst war er schließlich der Mann mit den meisten Ballkontakten. Er versuchte es – mangels Platz und Inspiration der Kollegen im Mittelfeld – zu Beginn oft mit langen Bällen hinter den Rücken der extrem hoch stehenden Wolfsburger Abwehr. Daraus resultierten zwar zahlreiche Abseitssituationen, doch waren die meist äußert knapp und das Mittel der langen Bälle durchaus legitim. Als Wolfsburg nach der Pause Druck aufbaute, bekam Dante spürbar Mühe mit Polter. Doch letztlich hatte Dante den Wolfsburger im Griff und ließ sich auch nicht zu einem provozierten Foul in der Box hinreißen, wenn Polter sich, wie mehrfach praktiziert, mit dem Rücken zum Gegner in den Strafraum fallen ließ. Note 2,5.
Filip Daems: Nachdem er in der Vorwoche noch passen musste, zeigte sich Borussias Kapitän in Wolfsburg auf den Punkt topfit. Immer auf der Höhe in den direkten Duellen, ließ über seine Seite nichts zu. Löste viele Situationen mit Ruhe und Routine. Dazu schaltete er sich immer wieder mit nach vorne ein, vor allem im ersten Durchgang. Am Ende blitzten ein, zwei Unsicherheiten auf, ansonsten war der 33-Jährige jedoch Herr der Lage. Und wie er vor der Linie mit dem Außenrist klärte, war schon stark. Note 2,5.
Håvard Nordtveit: Der Norweger erwischte in Wolfsburg einen ganz schwachen Tag. Sein Zweikampfverhalten war durchwachsen, doch viel schwerer wog sein grenzwertiges Verhalten am Ball. Selbst ohne jegliche Bedrängnis spielte er mehrfach ‚Harakiri-Pässe‘ in die Füße eines Gegenspielers, während die Kollegen in der Vorwärtsbewegung waren. Das führte wiederholt zu gefährlichen Situationen, die nur mit viel Mühe und zum Teil auch Glück bereinigt werden konnten. Ob Doppelpässe im freien Raum oder Ballannahmen – vieles, was der 21-Jährige machte ging schief. Eine wirklich gute Szene hatte er beim Zuspiel auf Hanke zu dessen angeblichen Abseitstor. Note 5,0.
Roman Neustädter: Hatte zwar etwas bessere Zweikampfwerte als Nebenmann Nordtveit und auch im Passspiel nicht so viele ‚unforced errors‘. Dennoch blieb auch der 23-Jährige weit unter seinen Möglichkeiten. Mehrere Ungenauigkeiten in der Umschaltung und wenn er mal etwas anderes als den kurzen Sicherheitspass spielte, missriet das Timing. In manchen Situationen wirkte er abwesend, die Gegenspieler waren gedankenschneller und eher am Ball. Wenn der Gegner so ‚hoch‘ verteidigt und die Räume eng macht, müssen aus der defensiven Zentrale mehr Impulse kommen. Doch das Offensivspiel ist nach wie vor Neustädters Achillesferse: einmal verpasste er die Gelegenheit, den in die Tiefe sprintenden Herrmann zu bedienen, den er mit einem simplen Pass frei vor den Torwart hätte bringen können. Stattdessen folgte ein kurzer Querpass. Und der eigene Abschluss war schon fast kläglich: Er hatte zentral vor dem Strafraum vollkommen freie Schussbahn und brachte nur einen verunglückten Versuch zustande. Note 4,5.
Patrick Herrmann: Hatte in der Anfangsphase eine gute Möglichkeit, als er aus spitzem Winkel mit der ‚Picke‘ vergab. Der 20-Jährige war bemüht, hatte aber vor allem gegen den überragenden Rodriguez Probleme sich durchzusetzen. In der Defensive machte Herrmann meist aufmerksam mit und vor allem im zweiten Durchgang war er der einzige Mittelfeldspieler, der kontinuierlich Bälle eroberte und wegspitzelte. Übersicht ließ er bei einem Konter vermissen, als er den freistehenden Arango nicht mit einbezog. Dafür gelang ihm, ähnlich wie in Stuttgart, ein genau getimter Pass in den Lauf von Reus. Mit dem Unterschied, dass es diesmal kein Happy-End gab. Note 3,5.
Juan Arango: Nicht das Spiel des Venezolaners. Spielfreude und Kreativität des 31-Jährigen schienen nach ordentlichem Beginn mehr und mehr einzufrieren. Ihm unterliefen einige schlampige Pässe, zudem wurde er sehr aufmerksam bearbeitet – Felix Magath hatte seine Hausaufgaben gemacht. Mit zunehmender Spieldauer und der einen oder anderen verunglückten Aktion wirkte Arango missmutiger und arbeitete auch defensiv nicht so konsequent wie gewohnt. Dennoch wartete man förmlich auf den einen Geniestreich, der diesmal ausblieb. Die letzte Gelegenheit dazu war ein Freistoß kurz vor Spielende, der jedoch gehörig missriet. Note 4,0.
Marco Reus: Die hoch stehenden Wolfsburger wagten mit ihrer Abseitsfalle ein Spiel mit dem Feuer, doch es ging aus ihrer Sicht gut. Sehr zum Leidwesen von Marco Reus, der bei seinen sonst so gefährlichen Antritten mehrfach haarscharf ins Abseits lief. Da Wolfsburg zudem laufstark attackierte, hatte Reus wenig Raum und Möglichkeiten, seine Stärken auszuspielen. Er wurde mit zunehmender Spieldauer ungeduldiger, winkte ab oder schüttelte den Kopf. Vor der Neustädter-Chance im zweiten Durchgang wurde er im Strafraum am Fuß getroffen – hier wäre durchaus ein Elfmeterpfiff möglich gewesen. Als dann die eine große Möglichkeit kam, fehlte der letzte Tick Konzentration für den richtigen Abschluss, den er noch in der Vorwoche in Stuttgart so herausragend hinbekommen hatte. Fraglos war der Fehlschuss sehr ärgerlich, aber Reus ist halt doch von dieser Welt. Selbst wenn seit Monaten überall etwas anderes gesagt und geschrieben wird. Note 4,0.
Mike Hanke: Gefällt sich in seiner hängenden Rolle, muss allerdings aufpassen, dass er es nicht überdehnt. Teilweise ging er nicht energisch genug zum Ball hin und ließ sich das Spielgerät zu einfach wegspitzeln. Und Direktspiel schön und gut – aber den Ball durchlaufen lassen ohne dass der Mitspieler eine Chance hat heran zu kommen, ist nicht hilfreich. Wie immer bot sich Hanke viel an, verstrickte sich jedoch wie die Kollegen oft im engmaschigen Wolfsburger Mittelfeld. Den Weg ganz nach vorne fand er selten, wirklich auffällig war er bei seinem vermeintlichen Abseitstor. Da waren Bewegung, Ballannahme und Abschluss stark – sehr schade, dass diesem Treffer zu Unrecht die Anerkennung verwehrt wurde. Eine Viertelstunde vor Schluss folgte der Wechsel mit de Camargo. Note 4,0.
Igor de Camargo: Kam für Mike Hanke in den letzten 15 Minuten, bewegte sich ordentlich, hatte aber letztlich keine nennenswerte Aktion. Ohne Note.