Dienstag, 07. Februar 2012 - 15:50 Uhr
Vor dem Pokalviertelfinale zwischen Hertha BSC Berlin und Borussia Mönchengladbach, bei dem der VfL weiter auf den erkrankten Martin Stranzl verzichten muss, könnten die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. Während die Hertha nach der Schlammschlacht mit Markus Babbel im Winter, unter dem neuen Trainer Michael Skibbe mit drei Niederlagen in die Rückrunde gestartet ist, konnten die Gladbacher mit sieben Punkten aus drei Spielen an die bestechende Form der Hinrunde nahtlos anknüpfen. Doch Erfolgscoach Lucien Favre will von all dem nichts wissen: »Es ist eine extrem gefährliche Situation. Der Pokal ist etwas völlig anderes als die Meisterschaft«.
Als Mahnmal dient dem Schweizer das Zweitrunden Spiel in Heidenheim. »Es war extrem schwer in Heidenheim, wo wir sogar ins Elfmeterschießen mussten. Das zeigt, dass es im Pokal keine Favoriten gibt«. Dementsprechend misst er der aktuellen Negativserie des Gegners keine allzu große Bedeutung bei. »Ich habe die Spiele gegen Nürnberg, Hamburg und Hannover gesehen. Sie haben zwar drei Mal verloren, hatten aber in allen Spielen Chancen um zu gewinnen«.
Insbesondere die Rückkehr seines alten Weggefährten, Raffael, bereitet Favre Kopfzerbrechen. »Raffael ist sehr wichtig für die Mannschaft. Dass er wieder dabei ist, ändert viel«. Bereits beim FC Zürich arbeitete Favre mit dem Brasilianer, der auch immer wieder mit der Borussia in Verbindung gebracht wird, zusammen und nahm ihn gleich mit zur Hertha. »Ich habe ihn damals geholt, weil ich seine Qualität kenne«, machte er keinen Hehl aus seiner Wertschätzung für den einstigen Schützling.
Sportdirektor Max Eberl sieht dagegen die Gefahr, dass der angezählte Gegner im Pokal zu neuem Selbstbewusstsein kommen könnte. »Wir dürfen uns nicht einlullen lassen. Es liegt an uns, gleich zu Beginn das Spiel an uns zu reißen und somit für Unruhe auf den Rängen zu sorgen«, sieht Eberl die negative Stimmungslage rund um die Hertha auch als Chance. Bisher konnten die Berliner von 74.244 möglichen Karten, lediglich 48.000 absetzen. Abzüglich der rund 7.000 erwarteten Gästefans, bleiben also nur 41.000 Zuschauer auf Seiten des Hauptstadtklubs. Euphorie und Vorfreude auf ein Pokalviertelfinale sehen gewiss anders aus.
Ganz anders sah es vor der Winterpause im Borussia-Park aus, als man sich an einem beeindruckenden 3:1 über FC Schalke berauschte. »Das Achtelfinale zuhause gegen Schalke hat gezeigt, was ein solches Spiel an Extra-Motivation bei jedem Spieler freisetzen kann«, träumt der Sportdirektor vom Halbfinaleinzug und ein Spiel vor heimischen Publikum. Neben einem ausverkauften Haus würden dort zusätzlich zu den Prämien satte TV-Einnahmen winken. »Der DFB-Pokal ist ein sehr interessanter und lukrativer Wettbewerb. Und die Halbfinals sind Live-Spiele zur besten Sendezeit im Fernsehen. Es wäre schön, wenn wir dabei wären«, hofft Eberl.
Allerdings liegt ein Halbfinale noch in weiter Ferne und eine Parallele zwischen Pokal und Meisterschaft gibt es für Trainer und Sportdirektor dann doch: »Wir denken von Spiel zu Spiel«.