Dienstag, 31. Januar 2012 - 07:42 Uhr
Marc-André ter Stegen: Selbst bei Minusgraden und weitestgehender Beschäftigungslosigkeit unterstrich Borussias Keeper, dass er auf den Punkt genau zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Ob als Anspielstation, bei hohen Hereingaben oder auf der Linie. Stark seine Flugeinlage beim Kopfball von Hajnal, als er gut übergriff. Auch beim Hajnal-Freistoß an den Außenpfosten mit dem Pausenpfiff wäre er zur Stelle gewesen. In der Spielfortsetzung mit einigen präzisen Abwürfen und weniger langen Schlägen als zuletzt gegen die Bayern. Note 2,5.
Tony Jantschke: Bis auf eine Szene in den Anfangsminuten hatte Borussias Rechtsverteidiger seine Seite im Griff. Sowohl Molinaro als auch Hajnal konnten sich nicht nachhaltig durchsetzen. Jantschke überzeugte mit gewohnt intelligentem Zweikampfverhalten und verzichtete dabei – mit Ausnahme einer Attacke gegen Molinaro weit in der Stuttgarter Hälfte – auf ‚wilde Aktionen‘. Im ersten Durchgang mit tollem Pass auf Herrmann, allerdings auch dem einen oder anderen ungenauen Zuspiel. Insoweit steigerte sich Jantschke nach dem Wechsel, als er fehlerlos spielte. Highlight für den Mann mit den meisten Ballkontakten und den besten Zweikampfwerten bei Borussia war sicherlich die Rettungsaktion am Fünfmeterraum, als er im letzten Moment vor dem einschussbereiten Ibisevic rettete. Note 3,0.
Martin Stranzl: Eine grundsolide und unaufgeregte Leistung des ehemaligen Stuttgarters. Eigentlich musste er sich nur den langen Bällen der Hausherren stellen, was durchweg gelang. Stranzl ging abgeklärt und bissig zu Werke und spielte seine ganze Routine aus. Exemplarisch eine Szene in der zweiten Halbzeit, als er gegen Harnik geschickt den Weg zumachte. Im Aufbauspiel sicher und ohne Risiko. Note 2,0.
Dante: Nach seiner Zwangspause gegen die Bayern mit seinem Debüt in der Rückrunde, das er von Beginn an konzentriert anging. Ohne Schnörkel erledigte er seine Aufgaben präzise und ohne Fehler. Ibisevic bekam kaum einen Stich, Dante war immer rechtzeitig auf dem Posten. Im Spielaufbau mit gepflegten und sauberen Anspielen, besonders seine zwei öffnenden Pässe auf Arango nach der Pause waren stark. Note 2,0.
Oscar Wendt: Aufgrund der Erkrankung von Filip Daems kurzfristig in die Startelf gerutscht, hatte der Schwede zu Beginn ein paar Orientierungsprobleme, was allerdings ob der fehlenden Spielpraxis nicht wirklich überraschte. So kam ein paar Mal der Gegner aus seinem Rücken, wie bei der Chance von Harnik. Dazu im Aufbau mit dem einen oder anderen ‚unforced error‘. Nach der Pause bekam er einen Abwurf von ter Stegen nicht unter Kontrolle, was schließlich eine Rettungstat von Dante erforderlich machte. Darüber hinaus löste Wendt die für ihn nicht einfache Situation jedoch sehr ordentlich. Er war sicher am Ball, versteckte sich nicht und ging mit nach vorne, wenn sich die Möglichkeit bot. Insgesamt eine nordisch unterkühlte Vorstellung mit der er bewies, dass auf ihn Verlass ist. Note 3,5.
Håvard Nordtveit: Die Formkurve des Norwegers zeigt eindeutig nach oben. In Stuttgart wusste er mit einem überragenden defensiven Einsatz zu gefallen. In Gemeinschaftsarbeit mit Neustädter verhinderte er jegliches Aufbauspiel der Stuttgarter. Nordtveit war überall zu finden, immer wieder eroberte er die Bälle. Zwar unterliefen ihm auch diesmal im Übereifer ein paar Ungenauigkeiten – so ein Freistoß quer über den Platz ins Seitenaus -, doch insgesamt machte er es gut. Auch im Spiel nach vorne mit Zug, so wie bei einem direkten Steilpass in den Lauf von Reus. Nur wenn er selbst in vorderster Front auftaucht, scheint er weiterhin das Nervenflattern zu bekommen. So verdaddelte er eine ausgezeichnete Kontermöglichkeit leichtfertig, als er sich den Ball zu weit vorlegte. In einer Situation suchte er selbst den Abschluss, zielte dabei jedoch zu hoch und übersah zwei besser postierte Mitspieler. Erhielt dann noch die Gelbe Karte wegen seiner Reaktion auf einen Freistoßpfiff, wobei er sich zurecht aufregte, denn er hatte den Ball gespielt. Note 2,5.
Roman Neustädter: Wie Nebenmann Nordtveit mit unermüdlicher Laufarbeit aufwartend, unterband er das Stuttgarter Kombinationsspiel bereits im Ansatz. Er spitzelte mehrfach geschickt den Ball weg, stellte Laufwege zu und brachte das eigene Aufbauspiel mit unzähligen kurzen Weiterleitungen in Schwung. So stand z.B. sein Kopfball an der Basis zum entscheidenden zweiten Treffer. Im Gegensatz zu Nordtveit hielt sich Neustädter mit eigenen Offensivaktionen zurück. Hier wäre es wünschenswert, wenn er energischer nachrücken und selbst den Abschluss suchen würde. Note 2,5.
Patrick Herrmann: Nach seiner umjubelten Vorstellung gegen die Bayern war der Youngster in Stuttgart zunächst fast unsichtbar. Er fand kaum Bindung zum Spiel und verzeichnete keine nennenswerten Aktionen. In der Defensivarbeit auch nicht immer auf der Höhe. Nach der Pause, als Stuttgart mehr aufmachte, konnte Herrmann seine Schnelligkeit mehrfach unter Beweis stellen. Allerdings spielte er es dabei wiederholt nicht gut zu Ende und ließ mehrere Kontersituationen schon fast fahrlässig liegen. Als er alleine vor Ulreich auftauchte, hätte er das 2:0 machen müssen. Allerdings sei ihm auch zugestanden, nicht jedes 1:1-Duell mit einem Torwart für sich entscheiden zu können. Eine eigentlich durchwachsene Leistung ‚rettete‘ Herrmann mit den beiden Assists zu den Toren zwei und drei. Beim 2:0 kam der feine Pass unter Bedrängnis im allerletzten Moment, vor dem 3:0 war es ein perfektes und punktgenaues Anspiel. Note 3,5.
Juan Arango: Eigentlich war es eine Gala-Vorstellung, die der Venezolaner in Stuttgart bot. Spielerisch, läuferisch, fußballerisch, technisch und taktisch war es absolute Klasse, was Arango zeigte. Getrübt wurde die Leistung allerdings durch die schlechte Chancenverwertung. Gleich mehrfach scheiterte Arango in aussichtsreicher Position. Mal mit Pech, mal aber auch mit untypischer Streuung in den Schüssen. Aber er holte den Freistoß vor dem 1:0 heraus und spielte darüber hinaus eine Vielzahl von ausgezeichneten Pässen. Die Weiterleitung auf Herrmann vor dessen Großchance sollte sich jeder Fußballfreund nochmal auf Video anschauen – das war absolut genial. Note 2,5.
Mike Hanke: Kam etwas schwerfällig in die Partie, blieb zunächst mehrfach hängen oder fand beim Versuch, den Ball direkt weiterzuleiten, keinen Mitspieler. Auch in den Zweikämpfen schien zu Beginn der letzte Tick zu fehlen. Doch nach der Kopfballweiterleitung am kurzen Pfosten zur Arango-Chance und spätestens nach dem wichtigen Treffer zum 1:0 war Hanke im Spiel angekommen. Er ackerte wie gewohnt und legte Reus schön per Doppelpass auf. Aufgrund eines ‚Pferdekusses‘ musste er schon nach 53 Minuten das Feld räumen. Note 3,0.
Marco Reus: Der Konterspieler schlechthin. Dieses direkte abprallen lassen und wegsprinten ist Gold wert – da ist er für den Gegner nicht greifbar. Reus bereitete mit seinem Freistoß das 1:0 vor und war darüber hinaus an fast jedem Konter beteiligt. Auch wenn ihm einige Male die letzte Konsequenz abging, um das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Er versuchte es mehrfach aus der Distanz und wurde geblockt, als er durchaus einen Mitspieler anspielen konnte. Die Art und Weise, wie er dann das Spiel entschied, entschädigte dafür jedoch vollends. Einfach klasse, wie er loszog und erfolgreich abrundete. Und auch den dritten Treffer leitete er mit seinem Antritt und der Weiterleitung auf Herrmann ein. Note 2,5.
Igor de Camargo: Ersetzte früh in der zweiten Halbzeit Mike Hanke, konnte sich allerdings zunächst nicht sonderlich einbringen. Er führte ein paar Zweikämpfe und arbeitete auch mit nach hinten, wobei er doch deutlich anders spielt als Hanke. Bei den zahlreichen Kontern oft in der Nähe, aber nicht einbezogen. Zeigte aber beim 3:0 dass er weiß, wohin ein Stürmer zu laufen hat. Ohne Note.
Thorben Marx: Durfte in den Schlussminuten mitwirken, als das Spiel schon gelaufen war. Ordnete sich solange auf der rechten Seite ein. Ohne Note.
Mathew Leckie: Wieder nur ein Sekundeneinsatz des Australiers. Immerhin ein Ballkontakt mit gelungenem Pass weist die Statistik aus. Ohne Note.