Freitag, 27. Januar 2012 - 15:21 Uhr
Nach dem Wechsel Bobadillas zu den Young Boys Bern, drehte sich heute im Borussia-Park alles um die Frage, ob die Borussia noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden würde. Noch im Trainingslager hatte Sportdirektor Max Eberl beteuert, keinen Spieler abgeben zu wollen. »Wir wollten Raúl eigentlich behalten, weil wir mit ihm zufrieden waren. Aber er hat uns aufgrund seiner persönlichen Situation nach dem Bayern Spiel gebeten, ihm die Freigabe zu erteilen«, erklärte Eberl die Entwicklungen der letzten Tage.
Obwohl mit Joshua King bereits ein nomineller Angreifer den Verein im Winter verlassen hat und Igor de Camargo als äußerst verletzungsanfällig gilt, sehen Sportdirektor und Trainer Lucien Favre aktuell keinen Handlungsbedarf. »Mit Reus, Hanke, de Camargo und Leckie verfügt unser Kader über vier nominelle Stürmer. Außerdem hat Amin Younes im Trainingslager eine starke Leistung gezeigt und wird nun den Platz von Joshua King im Kader einnehmen. Aus diesen Gründen haben wir uns im Team entschlossen, dass wir aller Voraussicht nach nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig werden«.
Trainer Lucien Favre war es viel mehr ein persönliches Bedürfnis dem abgewanderten Argentinier noch ein paar nette Worte mit auf den Weg zu geben. »Er war immer sehr positiv und hat immer gut trainiert. Nachdem Reus in den Sturm gerückt ist, war er nur noch Stürmer Nummer Vier. Er braucht aber die Spielpraxis, deshalb ist der Wechsel für beide Seiten das Beste«. Als möglichen Ersatz sieht der Schweizer in erster Linie Matthew Leckie, der im Training immer größere Fortschritte mache. Auch Neuzugang Alexander Ring sei in der Lage, bei personellem Notstand die ‚Neuneinhalb‘ im Angriff auszufüllen.
Ersetzen muss Favre am Sonntag wohl auch den niederländischen Schatten von Mario Gomez. Denn die seit Beginn der Woche anhaltenden Rückenprobleme, setzen ein dickes Fragezeichen hinter den Einsatz von Roel Brouwers. »Er hat heute wieder trainiert. Es ist zwar etwas besser, aber immer noch nicht optimal«, zeigte sich Favre eher skeptisch. Damit bleibt ihm eine schwere Entscheidung erspart, da Abwehrchef Dante nach abgesessener Gelbsperre zurück in die Mannschaft drängt und Brouwers sich durch eine starke Leistung gegen die Bayern nachhaltig für die Startelf empfohlen hatte.
Größere Sorgen dürfte dem Erfolgscoach dagegen die Auswärtsbilanz gegen den Gastgeber aus Stuttgart bereiten. Von den letzten 13 Partien bei den Schwaben konnte die Borussia keine einzige gewinnen. Vor allem das 0:7 aus der letzten Saison ist allen Beteiligten noch gut in Erinnerung, was Sportdirektor Eberl aber nicht vor der Reise an den Neckar abhält. »Ich habe keine Angst nach Stuttgart zu fahren. Die Mannschaft und die Psyche sind mittlerweile eine ganz andere als noch vor eineinhalb Jahren«.
Lucien Favre legte sein Augenmerk jedoch lieber auf die Gegenwart als auf die Vergangenheit und lobte in gewohnter Manier den Gegner. »Beim 1:1 im Hinspiel waren sie viel besser als wir. Sie sind nach vorne extrem gefährlich und haben jetzt Ibisevic dazubekommen«, warnte er vor den Offensivqualitäten und dem bosnischen Gladbach-Schreck und Neuzugang, Vedad Ibisevic.
So wollte der Schweizer, trotz der Lobeshymnen nach dem Bayern-Sieg, weiter nur von Spiel zu Spiel denken. »Viele klopfen uns auf die Schulter, weil wir 3:1 gegen Bayern gewonnen haben, aber das heißt gar nichts. Auch die Mainzer, die viel besser gespielt haben als wir, haben die Bayern 3:2 geschlagen und die stehen momentan auf dem 15. Platz. Wir müssen auf dem Boden bleiben!«