Montag, 23. Januar 2012 - 07:54 Uhr
Marc-André ter Stegen: Ein starker Rückhalt für den Defensivverbund, der sehr gut mitspielte und lange Bälle nicht selten an der Strafraumgrenze abfing. Auch sonst mutig, resolut und erfolgreich in der Strafraumbeherrschung. Ein kleiner Wackler im ersten Durchgang, dazu in der Schlussphase im Glück, dass Stranzl den Ball im letzten Moment wegschlug. Beim Gegentor ohne Chance. Mit einer Glanzparade gegen Gomez hielt der 19-Jährige sein Team auf Kurs, die weiteren Prüfungen aus der Distanz meisterte er ebenfalls. Seine Abschläge kamen meist lang und wurden nur selten verarbeitet. In der Schlussphase etwas zu hektisch in der Spielfortsetzung. Er wollte das Spiel mit seinen Abschlägen schnell machen, anstatt sich angesichts der Führung Zeit zu nehmen und für Verschnaufpausen zu sorgen. Note 2,0.
Tony Jantschke: Nach eher holprigen Auftritten in der Vorbereitung war Jantschke zum Ligaauftakt auf den Punkt konzentriert und lieferte in gewohnter Art und Weise und solides Spiel ab. Dabei kam ihm sicherlich nicht ungelegen, dass den Bayern mit Ribéry der flinke Einzelkönner auf der linken Seite fehlte. Gegen Kroos oder den rochierenden Müller löste Jantschke die direkten Duelle sicher, wenn Lahm nachrückte war Herrmann zur Stelle. Auch im eigenen Strafraum ging Jantschke bissig zur Sache, ohne dabei wild oder unüberlegt vorzugehen. Als die Bayern gegen Ende umstellten und den Druck erhöhten, bekam er einige Male Unterstützung von Stranzl. Insgesamt eine ruhige und abgeklärte Defensivleistung des 21-Jährigen, der sich nur vor dem Anschlusstreffer im Luftkampf von Müller den Schneid abkaufen ließ. Am Ball sehr sicher und nur selten mit Befreiungsschlägen. In der Offensive hatte er keine Aktion. Note 2,5.
Martin Stranzl: In allen Belangen die Stütze des Defensivverbunds. Sowohl im Infight in der Zentrale, als auch mit gutem Auge wenn es darum ging, den Außenverteidiger zu unterstützen. Mit seinem gewohnt kompromisslosen, jedoch nie unfairen Zweikampfverhalten eine echte Bank. Mehrmals riskierte der 31-Jährige Kopf und Kragen und trotz eines kurzen Knockouts nach einem Zusammenprall in der Luft behielt er auch in der hektischen Schlussphase die Übersicht, als er mit seiner Rettungstag fünf Minuten vor Schluss den zweiten Bayern-Treffer verhinderte. Bei Ballbesitz mit einer 100%igen Passquote, allerdings lief das Aufbauspiel diesmal nur in Ausnahmefällen über die Innenverteidigung. Note 2,0.
Roel Brouwers: Wohl kein Spieler hat die Bezeichnung “Mr. Zuverlässig“ so verdient wie der Limburger. Nahtlos fügte er sich ein, übernahm die ungewohnte linke Position in der Innenverteidigung für den gesperrten Dante und ließ Toptorjäger Mario Gomez kaum einen Stich. Immer wieder bekam Brouwers irgendwie noch ein Bein dazwischen und blockte so mehrere Schussversuche der Münchener, was mehrfach die langgezogenen „Rooooel-Rufe“ der Fans zur Folge hatte. Und die erklangen sogar, als nicht Brouwers, sondern Stranzl fünf Minuten vor Schluss rettete. Wie sein Nebenmann war Brouwers nur wenig ins Aufbauspiel eingebunden, auch ihm unterlief kein einziger Fehlpass. Vor dem Gegentreffer klärte Brouwers zunächst am 5er gegen Badstuber, konnte dann im Sitzen den Ball nicht mehr entscheidend wegstochern. Note 2,0.
Filip Daems: Der ‘Robbenjäger’ aus Mönchengladbach. Wie schon öfter war Borussias Kapitän im Duell gegen Weltstar Arjen Robben der klare Punktsieger. Er ließ den Niederländer so gut wie nicht zur Entfaltung kommen. Bei der einzigen gefährlichen Aktionen von Robben – der Flanke aus dem Halbfeld auf Gomez – kam Neustädter den einen Schritt zu spät, um Robbens Lauf nach innen zu blocken. Daems agierte über die gesamte Spielzeit hochkonzentriert und mit der nötigen Ruhe – so wie bei seiner Brustablage zurück zu ter Stegen. Mit seinem Tackling gegen Robben setzte er die Grundlage für das 2:0. Der Belgier schaffte sogar in der ersten Halbzeit zwei Vorstöße, die allerdings nichts einbrachten. Note 2,0.
Håvard Nordtveit: Erwischte einen ausgesprochen guten Start in die Partie und war sehr präsent. Er eroberte energisch die Bälle und seine Pässe hatten wieder Druck und Präzision seiner ersten Monate in Gladbach. Fast hatte es den Eindruck, als ob Nordtveit komplett wieder auf Kurs sei, doch da unterliefen ihm im Spiel nach vorne wieder zwei, drei ‚unforced errors‘, die richtig ins Auge hätten gehen können. Wenn der 21-Jährige das wieder in den Griff bekommt, gibt es an seiner Leistung nichts auszusetzen. Mit viel Fleiß und hohem läuferischen Aufwand legte er in Zusammenarbeit mit Neustädter die Schaltzentrale des Bayern-Spiels lahm. Er half in der Innenverteidigung oder auf den Seiten aus und rückte bei der Behandlungspause für Stranzl direkt neben Brouwers ein. Und in der Schlussphase tauchte er bei einem Konter sogar in vorderster Front auf, kam jedoch 1 ½ Schritte zu spät. Note 2,5.
Roman Neustädter: Ungeachtet der Wellen um seinen nicht unbedingt schlüssig nachzuvollziehenden Wechsel im Sommer nach Schalke wartete er mit einer grundsoliden und läuferisch erstklassigen Vorstellung auf. Das Hauptaugenmerk lag klar auf der Defensive, bei den Vorstößen war er weniger auffällig. Gemeinsam mit Nordtveit beackerte er das defensive Mittelfeld, rückte zudem immer wieder nach außen, um Daems gegen Robben zu unterstützen. So war der Weg für den Niederländer nach innen meist dicht, nur vor der Flanke zum Gomez-Kopfball kam Neustädter etwas zu spät. Im Spiel nach vorne mit den gewohnt soliden Kurzpässen. Wenn er sich komplett mit einschaltete, fehlte es an der letzten Überzeugung. So vergab er kurz nach dem Seitenwechsel eine vielversprechende Kontermöglichkeit mit einem unpräzisen Abspiel in Richtung Arango. Dafür lieferte er mit einem gekonnten Doppelpass mit Arango am eigenen 16er die Grundlage zum Angriff vor dem 3:0. Hätte Gelb sehen müssen für ein notwendiges taktisches Foul. Note 2,5.
Patrick Herrmann: Es verdient Hochachtung, als 20-Jähriger in solch einem Spiel gegen eine Klassemann wie Manuel Neuer derart abgeklärt abzuschließen. Herrmann schaffte dies gleich zweimal und zeigte dabei vor allem beim 3:0 seine ganze Schnelligkeit, als er von weit hinten kommend seinen Gegenspieler abschüttelte. Auch beim 1:0 beteiligt, weil er Neuer anlief und ihn so zum missglückten Pass nötigte. Herrmann bekommt regelrecht Flügel wenn ihm vieles gelingt, dann wird er immer frecher und selbstbewusster. Ansonsten auffallend konsequent in der Defensivarbeit, sehr aufmerksam und mit weiten Wegen nach hinten. Sogar mit einem – leicht übermotivierten – Fallrückzieher am eigenen Strafraum kurz vor der Pause. Insgesamt eine starke Vorstellung, doch man sollte es nicht überdrehen und Herrmann zu hoch jubeln. Note 2,0.
Juan Arango: Auch diesmal war der Venezolaner für die spielerischen Highlights zuständig. Bei zwei Toren war er der Taktgeber, dazu leitete er fast alle weiteren Angriffe ein. Leider traf er bei zwei, drei Kontermöglichkeiten nicht die richtige Entscheidung. Dennoch bestach er mit seiner Spielintelligenz und seine schon aufreizend ruhige Zweikampfführung war herausragend. Und Arango stellte sich in den Dienst der Mannschaft, arbeitete sehr intensiv mit nach hinten. Dabei auch robust, wenn es sein musste. So gegen Robben vor dem 2:0 oder bei seiner gelben Karte. Note 2,0.
Mike Hanke: Quasi als vorderster Abwehrspieler mit einer starken läuferischen und kämpferischen Leistung. Mehrfach konnte er die gegnerischen Aufbauspieler abblocken und half ständig mit, die Räume zu verdichten. Bei den Umschaltaktionen immer wieder gesucht, selbst wenn im Direktspiel nicht alles gelang. Dennoch mit Geschick und Auge agierend, so wie bei seinem bestechenden Pass auf Herrmann vor dem 2:0. Gut auch sein Distanzschuss vor der Pause, der knapp vorbei ging. Hanke war auf allen Seiten zu finden und scheint die neue Rolle immer mehr anzunehmen. Mit zunehmender Spieldauer geriet er körperlich an seine Grenzen und als er nach einem starken Sprint völlig ausgepumpt vom Publikum ‚Standing Ovations‘ erhielt, erfolgte die fällige Auswechslung. Note 2,0.
Marco Reus: Der Spieler, der aufgrund der Vorgeschichte besonders im Fokus stand. Eine gewisse Unsicherheit konnte Reus nicht verhehlen, was sich in einigen kleineren Stockfehlern ausdrückte. Andererseits war er hellwach beim 1:0. Der Schuss in das leere Tor war nicht so einfach, wie es aussah. Nur weil der Ball so präzise im Eck landete, hatte Neuer keine Chance mehr. Dieser Treffer gab Reus Sicherheit, auch wenn er zunächst nicht die ganz großen Szenen hatte. Dennoch blieb er der Unruheherd, den jede Abwehr fürchtet. Auch nach hinten machte er ordentlich mit. In der zweiten Halbzeit hätte er im Konterspiel ein wenig mehr Einfluss nehmen und für etwas Ordnung sorgen können, indem er mal ein paar Meter mit dem Ball macht, anstatt direkt weiterzupassen. So wie bei der genialen Vorbereitung zum 3:0, als er die Abwehrspieler auf sich zog und so lange wartete, bis Herrmann anspielbar war. Note 2,5.
Igor de Camargo: Ersetzte in der Schlussphase Mike Hanke, ohne sich noch nachhaltig in Szene setzen zu können. Einmal unterlief ihm ein ungenaues Abspiel, in einer anderen Situation räumte er per Kopf nach einem Freistoß der Bayern im eigenen Strafraum auf. Ohne Note.
Thorben Marx: Kam eine Minute vor Schluss um etwas Zeit zu gewinnen und Patrick Herrmann seinen Sonderapplaus zu gewähren. Zwei Ballkontakte verzeichnete Marx noch. Ohne Note.
Mathew Leckie: Wurde in der Nachspielzeit eingewechselt und hatte noch einen Ballkontakt, mit dem er fast das 4:1 markiert hätte. Ohne Note.