Mittwoch, 18. Januar 2012 - 15:11 Uhr
Nachdem die Borussia in der Winterpause mehr oder weniger unfreiwillig vor allem neben dem Platz für Aufsehen sorgte, steht nun wieder das Sportliche im Vordergrund. »Es war für uns alle und auch für mich schwer, aber das Thema ist jetzt vorbei«, wischte Lucien Favre sämtliche Nachfragen zu den Abgängen von Marco Reus und Roman Neustädter endgültig vom Tisch. Sportdirektor Max Eberl stieß in das gleiche Horn. »Es ist nichts Außergewöhnliches passiert«.
Wohlwissend, dass mit dem Herbstmeister aus München der denkbar schwerste Auftaktgegner auf die Mannschaft wartet, gilt somit die volle Aufmerksamkeit dem Spiel am Freitagabend. »Wir spielen fast gegen die gesamte deutsche Nationalmannschaft«, verwies Favre auf die Qualität des Bayern-Kaders. So fiel es ihm sichtbar schwer, mögliche Schwachpunkte beim Gegner auszumachen. »Sie spielen hoch, sind sehr intelligent bei Ballbesitz und haben ein enormes Offensivpotenzial. Es ist extrem schwer gegen Bayern die Lücke zu finden«, hatte der Schweizer ausschließlich Lob für den Branchenprimus übrig. Deshalb sei es überaus wichtig, gut organisiert zu verteidigen, ohne dabei zu tief zu stehen und sich seinem Schicksal zu ergeben.
Dennoch bemühten sich sowohl Sportdirektor als auch Trainer nicht in allzu große Demut zu verfallen und zeigten sich selbstbewusst. »Es wird sicherlich anders als im Hinspiel, denn da hatten wir nichts zu verlieren. Aber jetzt haben wir 33 Punkte und viel Selbstvertrauen«, schilderte der Erfolgscoach die neuen Voraussetzungen. Angesprochen auf die an Marco Reus adressierten Giftpfeile aus der bayerischen Landeshaupt, präsentierte sich Eberl ebenfalls angriffslustig. »Das betrifft uns zwar nicht als Verein, aber wenn einer stichelt, dann hat es ihn meist getroffen. Ich hoffe nur, dass Marco das Ganze im Spiel ausblenden kann und seine Emotionen im Griff hat«, wollte er die Stimmung jedoch nicht zu sehr aufheizen.
Um nicht nur verbal, sondern auch auf dem Platz mit den Bayern mithalten zu können, kann Favre personell aus dem Vollen schöpfen. Nur Abwehrchef Dante muss aufgrund einer Gelbsperre seinen Platz an Roel Brouwers abtreten. Obwohl Mannschaftskapitän Filip Daems das Trainingslager nicht mitmachen konnte, bleibt für seinen zuletzt stark frustrierten Ersatz, Oscar Wendt, wieder einmal nur der Platz auf der Bank. »Filip wird definitiv spielen. Er ist als Kapitän wichtig für die Mannschaft und hat in der Hinrunde sehr gute Leistungen gebracht«, machte sein Trainer die Stammplatzgarantie noch einmal deutlich.
Ähnlich wie für den Schweden, sieht es für Igor de Camargo aus. Der Siegtorschütze aus dem Hinspiel wird sich ebenfalls mit der Joker-Rolle begnügen müssen. »Die Mischung in der Mannschaft passt momentan sehr gut. Das verstehen auch die Spieler, die zurzeit nicht in der Startelf stehen.«, ließ Favre keine Zweifel an seiner Startformation aufkommen.
Einer dürfte sich allerdings über seinen Platz auf der Bank freuen, nämlich Alexander Ring. Denn während Tolga Cigerci mit der U-23 Derbyluft gegen die Zweitvertretung des 1.FC Kölns schnuppern darf, stellt der Schweizer seinem Neuzugang aus Finnland einen Platz im Kader in Aussicht. »Er hat sofort gezeigt was er kann. Allerdings sehe ich ihn momentan noch eher auf der Seite als zentral«, erklärte der Schweizer seine Pläne mit dem Testspiel-Topscorer.
Nach den Unruhen der letzten Wochen hat es nun die Mannschaft selbst in der Hand, den vielen negativen Schlagzeilen auf dem Platz ein Ende zu bereiten. Die bis dato ligaweit beste Heimbilanz (21 Punkte) und ein ausverkauftes Stadion im Rücken, versprechen jedenfalls ein echtes Spitzenspiel gegen den Rekordmeister.