Dienstag, 10. Januar 2012 - 18:04 Uhr
Im zweiten Testspiel im Rahmen des Trainingslagers in der Türkei bot Borussias Trainer Lucien Favre gegen Darmstadt 98 eine B-Elf auf, während sich die wahrscheinlichen Kandidaten für die Elf beim Rückenrundenstart gegen die Bayern bei einer separaten Trainingseinheit ‚vergnügen‘ durften.
Dante, der gegen die Bayern gelbgesperrt fehlen wird, führte die Elf als Kapitän auf den Platz. Zimmermann, Dams und Korb bildeten neben dem Brasilianer vor Heimeroth die Viererkette, während sich Marx und Rupp die Aufgaben im defensiven Mittelfeld teilten. Otsu und Ring kamen über die Seiten, den Sturm bildeten de Camargo und Leckie.
Die Partie begann sehr zäh und schleppend, für die Borussen gab es kaum ein Durchkommen gegen aufmerksame und teilweise heftigh zur Sache gehende Hessen. »Sie waren extrem kompakt«, zollte Favre dem Drittligisten anschließend ein Kompliment. »Aber wir haben auch mit zu wenig Tempo gespielt und die Bewegung nach vorne hat gefehlt«.
So waren die Gladbacher zwar optisch überlegen, richtige Torchancen erspielten sie sich jedoch nicht. Und als mit Otsu mal ein Borusse in den gegnerischen Strafraum kam, wurde es schmerzhaft. Nach der ersten guten Kombination über de Camargo und Ring lief Otsu die Box, drehte sich in den aus seinem Kasten hinauslaufenden Torwart hinein, anstatt konsequent den Abschluss zu suchen. Der Schiedsrichter verweigerte zurecht einen Elfmeterpfiff, beide Spieler mussten nach diesem Zusammenprall lange behandelt werden. Otsu wurde schließlich mit einer Prellung zur Sicherheit gegen Younes ausgewechselt, was dem Japaner nicht wirklich schmeckte. Er warf seine Trainingsjacke ziemlich frustriert auf den Boden.
Derweil wurde mit Mathew Leckie der nächste Borusse behandelt. Der Australier war nach einem Sprintduell in den nur 1½ Meter hinter der Grundlinie postierten Fangzaun gerauscht. Eine blutende Wunde am Knie war die Folge, Leckie spielte jedoch weiter.
Während sich die Gladbacher weiter sehr schwer taten, hatte der Drittligist zwei Chancen, Heimeroth war jedoch beide Male auf dem Posten. Nichts machen konnte Borussias Nummer 2 allerdings in der siebten(!) Minute der Nachspielzeit. Da kam ein Darmstädter Spieler angeblich durch eine Berührung von Dams im Strafraum zu Fall. Der Referee entschied auf Elfmeter, den Steegmann zur Pausenführung für die ‚Lilien‘ nutzte.
Und nach dem Wechsel konnten die Hessen sogar nachlegen. Nach einem Konter wehrte Dante eine Flanke per Hacke genau vor die Füße von Baier ab, der aus 14 Metern zentraler Position keine Mühe hatte, den zweiten Treffer für Darmstadt zu markieren (51.).
Doch der ohnehin auffälligste Gladbacher, Alexander Ring, hatte etwas dagegen, dass es an diesem kühlen Nachmittag in Belek eine Testspielniederlage geben sollte. Eine flache Hereingabe des agilen Younes eroberte Ring im Rückraum des Darmstädter Strafraums, setzte sich dann vehement gegen zwei Gegenspieler durch und schoss wuchtig zum Anschlusstreffer ein (55.).
Unmittelbar nach diesem Treffer kamen mit Cigerci für Rupp und Bobadilla für Leckie die beiden letzten Einwechselspieler. Beide sorgten gleich mit ihren ersten Aktionen für Belebung. Bobadilla holte einen Freistoß heraus, den Cigerci ausführte, dabei allerdings am Torwart scheiterte.
Nun war das bis dahin vermisste Tempo im Gladbacher Spiel. Endlich lief der Ball schnell und präzise. Ring blieb weiter auffällig, auch Younes blühte auf und Cigerci zog mit einer durchaus eleganten Spielweise die Fäden.
Igor de Camargo bekam schließlich die Doppelchance zum Ausgleich. Zunächst spielte Bobadilla einen schönen Pass auf die linke Seite zu Ring, dessen präzise Flanke de Camargo in der Mitte in die Arme des Torwarts bugsierte (62.). Neun Minuten später scheiterte der Belgien-Brasilianer nach Marx-Pass mit einem Lupfer alleine vor dem Tor.
Dass dennoch der Ausgleich fiel, lag auch an einer etwas zweifelhaften Entscheidung des Schiedsrichters. Bobadilla tankte sich am und im Strafraum in bekannter Manier gegen mehrere Gegenspieler durch und geriet letztlich eher ins Straucheln, als dass ein Foulspiel eines Darmstädters vorlag. Dennoch ertönte der Elfmeterpfiff und Dante verwandelte sicher (78.).
Der Brasilianer feuerte daraufhin sein Team nochmals an und tatsächlich gelang noch der Siegtreffer der nun deutlich überlegenen Gladbacher. Nach einem feinen Doppelpass mit Younes setzte sich Cigerci links im Strafraum gegen zwei Mann durch und ließ dem Darmstädter Keeper mit einem überlegten und platzierten Abschluss keine Chance.
So stand am Ende ein versöhnliches Ergebnis in einem Testspiel, das eine Halbzeit lang wenig berauschend war. »Im ersten Durchgang hatte es Darmstadt zu einfach«, resümierte Lucien Favre. »Danach war es besser und mich hat gefreut, dass auch die Spieler, die gekommen sind, etwas gebracht haben«.
Mit der auffälligste Borusse war erneut Alexander Ring. »Er macht es gut, er will den Ball«, lobte Favre den Finnen, der den dritten Treffer im zweiten Testspiel markierte. Dass Ring sich selbst eher als zentralen Mittelfeldspieler als einen Akteur für die Seite sieht, stört Favre nicht. »Ich sehe ihn überall«, sagte der Schweizer.
»Aber er muss unser 4-4-2 noch lernen«, fügte er an. Ähnliches gilt auch für Tolga Cigerci, der in seinem halbstündigen Einsatz einige vielversprechende Ansätze zeigte.
»Wichtig war vor allem, dass meisten Spieler jetzt vor Beginn der Rückrunde nochmal 90 Minuten spielen konnten«, so Favre. Die mögliche Startelf gegen Bayern am kommenden Freitag wird sich am Mittwoch im letzten Testspiel in der Türkei gegen Almelo beweisen dürfen.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth – Zimmermann, Dams, Dante, Korb – Marx, Rupp (56. Cigerci) – Otsu (19. Younes), Ring – de Camargo, Leckie (56. Bobadilla)
Tore: 0:1 Steegmann (45.+7 / FE), 0:2 Baier (51.), 1:2 Ring (55.), 2:2 Dante (78. / FE), 3:2 Cigerci (86.)