Freitag, 06. Januar 2012 - 18:29 Uhr
Eher kommt der 20-Jährige als schmächtiger Bursche daher, von der Statur her ein wenig vergleichbar mit Peer Kluge. An Selbstvertrauen mangelt es dem Finnen jedoch keineswegs. Nach den üblichen Lobeshymnen über den neuen Verein (»Gladbach war die ganze Zeit meine erste Wahl. Um andere Vereine habe ich mich nicht gekümmert«) strotzte er nach den Zielen und Erwartungen gefragt förmlich vor Tatendrang.
Integrations- oder Akklimatisierungsprobleme erwartet der deutschsprachige Neuborusse überhaupt nicht. »Ich habe 14 Jahre in Leverkusen gelebt«, verweist er in perfektem Deutsch auf die Zeit, als er bei Bayer in der Jugend ausgebildet wurde. Seine Stärken beschreibt er selbstbewusst und ohne jeglichen Zweifel. »Ich bin aggressiv, schnell und gut nach vorne!«
Von der Position her sieht er sich zentral im Mittelfeld, das Flügelspiel sei nicht sein Ding. Wo er noch deutliche Fortschritte machen muss in der Entwicklung, erläuterte Trainer Lucien Favre: »Er muss noch lernen im taktischen Bereich«.
Dieses Noch-Defizit will der Skandinavier durch «Erfahrungen sammeln, um Spielsituationen anders zu erkennen« schnellstmöglich abstellen. Dabei ist er sich sicher, dass der Coach ihn dabei »an die Hand nimmt und mir alles zeigt«.
An die Hand genommen hat der Schweizer ihn nach einem Tag noch nicht, dafür schon einmal unter die Lupe. Beim Europapokalspiel der Schalker gegen HJK Helsinki beobachtete Favre den möglichen Neustädter-Nachfolger und urteilt: »Er hat Potenzial, es liegt an mir, dies zu verbessern«.
Über dieses Potenzial wurde sich Ring nicht nur bei den europäischen Einsätzen bewusst, sondern auch in der überaus erfolgreichen Saison mit Helsinki und vor allem bei der finnischen Nationalelf. Dort ist mit Mikael Forssell ein alter Bekannter sein Zimmerkollege. Der ehemalige Publikumsliebling am Bökelberg hat ihm von der Borussia vorgeschwärmt und war über Rings Entscheidung, zum VfL zu wechseln, »sehr glücklich«.
Rings Einstellung entspricht nicht der eines schüchternen Jungprofi, der mal reinschnuppern will, seine Mentalität nicht der seiner Landsleute. »Ich komme ja nicht hier hin um mir alles anzugucken und ein bisschen Spaß zu haben. Ich will spielen. Ob das jetzt direkt von Anfang an ist, weiß ich nicht. Ich bin ehrgeizig, motiviert und bin nicht gekommen, um auf der Bank zu sitzen«, gibt er forsch von sich. »Von der Mentalität her bin ich kein typischer Finne. Deutschland ist für mich meine Heimat. Ich bin selbstbewusster, Finnen geben sich mit zu wenig zufrieden«.
Was wenn er in einem Jahr kein Stammspieler ist? Ist er dann unzufrieden? »Dann bin ich mit mir nicht zufrieden, weil es dann an mir liegt und nicht nur am Trainer«. Eine gesunde Portion Selbstkritik ist also auch schon drin ...