Dienstag, 03. Januar 2012 - 19:31 Uhr
Es war stürmisch im Borussia-Park an diesem Dienstag, als Martin Stranzl um kurz nach 15 Uhr als erster Borussenprofi den Trainingsplatz betrat. Der Österreicher und seine Kollegen wurden von ca. 600 Zuschauern mit herzlichem Applaus empfangen und angesichts der sportlichen Lage nach der Hinrunde blieb das unangenehme Wetter der einzige Negativpunkt an diesem Nachmittag.
Vielleicht abgesehen vom Fehlen von Mike Hanke, der wegen eines Infekts nicht dabei war. »Es ist nicht so schlimm, er wird morgen trainieren«, gab Lucien Favre direkt Entwarnung. Auch Abwehrchef Dante stand noch nicht auf dem Platz. Er fehlte weder krankheitsbedingt, noch hatte der Brasilianer, wie es bei einigen seiner Landsleute üblich ist, seinen Heimataufenthalt eigenmächtig verlängert. Nein, Dante landete erst im Laufe des Dienstags in Absprache mit Borussias sportlicher Leitung in Frankfurt und war auf dem Weg nach Gladbach, während die Kollegen ein paar lockere Runden drehten.
Verpasst haben Dante und Hanke nicht viel, denn bereits um 16 Uhr beendete Lucien Favre die Einheit. So konnten sich die Trainingskiebitze noch kein wirkliches Bild von Tolga Cigerci machen, dem einzigen Neuzugang. Der 19-Jährige wurde für 1 ½ Jahre vom VfL Wolfsburg ausgeliehen, die Borussia sicherte sich zudem eine Kaufoption.
»Ich freue mich, dass ich hier bin«, sagte der U19-Nationalspieler nach dem ersten Training. »Ich bedanke mich bei Herrn Magath, dass er mich gehen lassen hat«, fügte er an. Schon im Sommer wollten die Gladbacher den Mittelfeldspieler verpflichten, damals legte Magath sein Veto ein. Und ließ Cigerci während der kompletten Hinrunde außen vor.
Das ist vorbei, Tolga Cigerci erhält in Mönchengladbach die Rückennummer 6 und will sich ab sofort als echte Alternative empfehlen. »Ich kann überall im Mittelfeld spielen, aber meine Lieblingsposition ist der zweite 6er – also die 8«, erläuterte Cigerci. »Mich kann man überall hinstellen, außer ins Tor«.
Seine Stärken beschreibt er durchaus selbstbewusst: »Ich laufe viel und ich denke, dass ich eine gute Technik und einen guten Abschluss habe«.
Zu einer Kampfansage an das Duo Neustädter & Nordtveit wollte er sich allerdings nicht hinreißen lassen. »Meine Ziele sind mich weiter zu entwickeln, meine Leistung im Training zu bringen und ob ich dann spiele, das entscheidet der Trainer«.
Zunächst einmal gilt es für Tolga Cigerci, in Mönchengladbach anzukommen. »Ich kenne aus der Nationalmannschaft schon einige, unter anderem ter Stegen, Herrmann, Zimmermann und Korb. Ich bin kein böser Mensch, sondern nett. Da wird die Integration schon gut klappen«.
Erste Unterschiede zu Wolfsburg hat er schon ausgemacht. »Das Stadion hier ist größer und hier wird Audi gefahren, in Wolfsburg VW. Mehr habe ich aber noch nicht gesehen«.
Der Youngster, der Xavi als sein Vorbild nennt (»Ein geiler Spieler, ich will noch viele Sachen von ihm lernen«), wird in den nächsten Tagen nicht viel Zeit haben, sich seine neue Umgebung anzuschauen. Am Mittwochvormittag steht der Laktattest für die gesamte Mannschaft an, am Nachmittag gibt es eine normale Trainingseinheit. Und am Donnerstag fliegt der VfL-Tross ins einwöchige Trainingslager nach Belek in die Türkei.
»Wir freuen uns ins Trainingslager zu fliegen«, sagte Lucien Favre. »Bei diesem Wind hier ist es schwer zu arbeiten«, hofft der Schweizer auf bessere Bedingungen in der Türkei.
Wo die Schwerpunkte der Trainingswoche liegen werden, ließ Favre offen. »Wir werden sehen, ob der Laktattest gut ist«, meinte er. Auch zu den möglichen Einsatzchancen von Tolga Cigerci wollte sich Favre nicht näher äußern. »Wie viele bei Gladbach ist er ein 19- bis 20-Jähriger, die etwas haben. Wir werden sehen, ob er sich langsam in der Bundesliga etablieren kann. Er hat in Wolfsburg lange nicht mehr gespielt, wir können also noch nicht viel sagen. Aber wir haben große Hoffnung, auch bei Korb und anderen Jungen«.
Weiter in Warteschleife befindet sich Alexander Ring. »Es ist noch nicht fest«, so Favre zum aktuellen Stand. Das angebliche Interesse an Steven Zuber aus der Schweiz sei dagegen »kein Thema«, stellte er klar. Erledigt hat sich auch das Thema Joshua King. »Er ist gegangen«, meinte Favre nur.