Freitag, 23. Dezember 2011 - 08:30 Uhr
Marc-André ter Stegen: War insgesamt wenig gefordert, trotzdem vor allem in der ersten Halbzeit oft angespielt. In der Spieleröffnung nicht immer mit der besten Lösung. Pässe gerieten ins Seitenaus, ein Abwurf auf den zugestellten Reus war sehr riskant. Als mitspielender Keeper aufmerksam, jedoch etwas zurückhaltender als gewohnt. Zweimal musste Stranzl ihn auffordern, den Ball zu übernehmen. Nach dem Wechsel mit ein paar abgefangenen Flanken und bereinigten Flachschüssen. Beim Anschlusstreffer kam der Schuss scharf und flach und es gelang ihm nicht, den Ball zu sichern. Das Tor geht insoweit auf seine Kappe. Einen Raul-Kopfball parierte er im Nachfassen. Note 3,5.
Tony Jantschke: Borussias Rechtsverteidiger war oft am Ball und zeigte sich dabei gewohnt sicher im Kurzpassspiel. Schob sich für seine Verhältnisse einige Male weit mit nach vorne. Nach toller Eröffnung auf Herrmann folgte allerdings eine ganz schwache Flanke, als er eigentlich alle Zeit der Welt hatte. Seine Ruhe am Ball war wichtig, er verlor nie den Kopf. In der Defensive ließ er Fuchs zweimal zu einfach flanken, ansonsten sicher. Gedankenschnell reagierte er bei einem der wenigen Steckpässe der Schalker vor der Pause. Nach dem Wechsel kam Draxler auf seine Seite, der ihn schon im Meisterschaftsspiel heftig forderte. Jantschke löste die Aufgabe ordentlich, auch wenn er den schnellen Schalker nicht immer halten konnte. Note 3,0.
Martin Stranzl: Solide und gewohnt kompromisslose Vorstellung des Innenverteidigers. Fing mit gutem Stellungsspiel in der ersten Halbzeit einen Jurado-Pass ab und ließ auch darüber hinaus nichts anbrennen. Beschränkte sich meist auf seine Kernkompetenz, wagte sich aber auch zwei-, dreimal über die Mittellinie. Im Spielaufbau bis auf zwei eher planlose Flachpässe ins gegnerische Getümmel solide, narrte die Schalker sogar einmal mit einem (vorhersehbaren) Hackenpass auf Reus. In der Drangphase der Gäste warf er sich wie gewohnt in die Zweikämpfe und scheute auch schmerzhafte Luftduelle nicht. Note 2,5.
Dante: Bestätigte vor allem in der ersten Halbzeit die starke Verfassung der Vorwochen, als er mit gutem Stellungsspiel sehr konsequent agierte. Nur einmal rückte er etwas übermotiviert fast bis an die Mittellinie vor um den Ball zu erobern, was nicht gelang. Den freien Raum in seinem Rücken konnten die Schalker zum Glück nicht nutzen. Im Aufbauspiel ständig gesucht und mit überlegtem Passspiel. Als Schalke nach der Pause drängte, war Dante in manchen Situationen leicht flatterig, einmal ‚klärte‘ er die direkt in die Füße von Höwedes. Letztlich wackelte die Abwehr zwar, fiel aber nicht. Note 3,0.
Filip Daems: Ganz starke Vorstellung vor allem vor der Pause, als er hinten in mehreren Laufduellen Sieger blieb und zudem einige blitzsaubere Grätschen ansetzte. Er roch immer wieder den Braten und schnappte stets im richtigen Moment zu. Hinten war er fortwährend Herr der Lage, auch als Schalke drängte. Schaltete sich vor allem in der ersten Halbzeit einige Male mit nach vorne ein, was leider verpuffte. Als er einmal gut flankte, war das Zentrum nicht besetzt. Note 2,5.
Håvard Nordtveit: Arbeitsbiene im defensiven Mittelfeld mit großem Radius und vielen Aktionen, bei denen sich Licht und Schatten abwechselten. Er hatte einige starke Balleroberungen, aber auch regelrecht zaghafte Blockversuche. Mehrere Pässe waren sehr gut (Herrmann, de Camargo), andere wiederum missrieten ohne Not. Auffallend, dass er besonders in den Situationen, in welchen er schnell handeln will oder muss, plötzlich kopflos wird und fast immer die falsche Wahl trifft. Deutlich, dass er sich im Spiel nach vorne mehr zeigen will. Bei einem Außenristschuss war das gelungen, bei mehreren Antritten wollte er mit dem Kopf durch die Wand und verpasste den Moment für Abschluss oder Abspiel. Note 4,0.
Roman Neustädter: Wie Nebenmann Nordtveit sehr präsent und mit vielen Aktionen. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten die beiden die Hoheit im Mittelfeld. Neustädter schloss mehrfach gut an und suchte die Tiefe. Hatte Pech, dass sein Tor wegen einer Abseitsstellung von Hanke nicht gegeben wurde. Spielte einen schönen Pass auf Herrmann (nach links) vor der Pause, einen noch schöneren erneut auf Herrmann im zweiten Durchgang zu dessen Großchance zum 3:0. Vor dem 2:0 fing er den Einwurf per Kopf ab und ebnete Reus so den Weg. Mit zunehmender Spieldauer ging die Präzision etwas verloren. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Ihm unterliefen zu Beginn sehr viele Fehlpässe, vor allem im Kurzpassspiel. Teilweise korrigierte er diese selbst mit seinen flinken Grätschen. Er ließ sich jedoch nicht vom durchwachsenen Start beirren und traute sich vieles zu, suchte stets den Weg nach vorne. Er bediente Hanke vor dessen Chance zum 2:0, hatte selbst das 3:0 auf dem Fuß, als er den Torwart umkurven wollte und hängen blieb. Eine perfekte Hereingabe für de Camargo, als Jurado im letzten Moment noch dazwischen kam. Herrmann ging läuferisch wieder an seine Grenzen, gegen Ende fehlte dann die Frische. Note 3,0.
Juan Arango: Überragend, mit welcher Ruhe und Selbstverständlichkeit der Venezolaner den Führungstreffer erzielte und diese Abgeklärtheit auch beim anschließenden „Jubel“ zeigte. Neben diesem Geniestreich war es nicht die ganz herausragende Vorstellung. Es wurde deutlich, dass das kräftezehrende Jahr fast ohne Pause seinen Tribut fordert. So unterliefen ihm einige ungewohnte Ballverluste, u.a. vor dem Anschlusstreffer. Dennoch arbeitete er auch defensiv mit und wurde nach hinten heraus, als das Spiel zu kippen drohte, zum Ruhepol am Ball. Schließlich schickte er Reus mit seinem Pass auf die Reise zum 3:1. Note 3,0.
Mike Hanke: Ging gegen seinen Ex-Club sehr engagiert zu Werke, bot sich immer wieder an und war sehr fleißig im Verschieben. Immer wieder störte er die Schalker beim Versuch, im Mittelfeld ein Kombinationsspiel aufzuziehen. Im eigenen Spielaufbau mit einigen intelligenten Aktionen, aber auch ein paar Ungenauigkeiten. Ein Direktspiel nach hinten ging fast ins Auge. Er selbst hatte eine Torchance, als er mit dem schwächeren linken Fuß an Unnerstall scheiterte, der den Winkel gut verkürzte. Mit zunehmender Spieldauer konnte er keine Impulse mehr setzen und auch bei ihm war der Kräfteverschleiß eines harten Jahres offensichtlich. Note 3,5.
Marco Reus: Zunächst ein Kompliment für seine Besonnenheit, nach dem hinterhältigen Tritt von Jones die Kontrolle zu bewahren. Er ‚rächte‘ sich auf die schönste Art und Weise und deshalb war auch der leicht überhebliche ‚Kick‘ ins leere Tor beim 3:1 in Ordnung. Bei diesem Treffer profitierte er vom Fehler des Schalker Keepers, beim vorentscheidenden 2:0 überraschte er alle. Und seine geniale Ballannahme stellte die Basis für das 1:0. Darüber hinaus wurde deutlich, dass Reus mittlerweile der unumstrittene Chef in der Offensive ist. Er war überall und dirigierte entsprechend seine Kollegen in die Positionen. Das klappte vor der Pause ausgezeichnet, weil sich Schalke mit dieser Variabilität sehr schwer tat. Reus kam über rechts, links oder aus der Tiefe. Mal fischte er in der Position des Rechtsverteidigers einem Gegner den Ball vom Fuß, kurz darauf klärte er auf der ‚6‘. Seine eigenen Antritte wählt er mittlerweile bewusster und rennt nicht mehr ständig drauf los. Auch das ist eine Entwicklung eines fraglos außergewöhnlichen Spielers. Dass er gegen Ende zusehends auf dem Zahnfleisch ging, war nachvollziehbar. Es reichte jedoch, Schalke den endgültigen Knockout zu versetzen. Note 2,0.
Igor de Camargo: Ersetzte Hanke in den letzten zwanzig Minuten. Bot sich laufend an, kam allerdings nicht wirklich oft in guter Position an den Ball. Man merkt ihm die fehlende Matchpraxis noch an. In der Arbeit nach hinten diesmal aufmerksamer als noch gegen Mainz. Provozierte dann in der Nachspielzeit die Rote Karte für Jones. Die traf zwar fraglos den Richtigen, dennoch war die Aktion von de Camargo unnötig. Das Spiel war entschieden und er hätte hier auch selbst vom Platz fliegen können, weil er Jones am Hals packte. Ohne Note.
Thorben Marx: Kam in den letzten drei Minuten für den entkräfteten Herrmann und durfte gleich über den entscheidenden Treffer jubeln. Ohne Note.
Roel Brouwers: Als er in der Nachspielzeit unter langgezogenen ‚Rooooeeeel-Rufen‘ den Platz betrat, pfiff der Schiedsrichter direkt ab. Zum Glück für Schalke. Ohne Note.