Dienstag, 20. Dezember 2011 - 07:28 Uhr
Marc-André ter Stegen: Vier Torschüsse musste Borussias Keeper parieren, was er zuverlässig erledigte, einmal im kurzen Nachfassen. Darüber hinaus fing er einige Flanken und hohe Bälle gut ab, einen lenkte er sicherheitshalber über den Kasten. Als mitspielender Keeper wieder äußerst wachsam, mit gutem Timing bei Steckpässen der Mainzer, wenn er sich sofort nach vorne bewegte. Zwei ganz schwache Abstöße unterliefen ihm, einmal öffnete er das Spiel mit einem optimalen Abschlag auf die linke Seite. Insgesamt waren die Abstöße diesmal kürzer – nicht auf den offensiven Außen, sondern eher auf Daems oder Jantschke. Am Ende musste er noch einen schmerzhaften Schlag in die Rippen einstecken. Note 2,5.
Tony Jantschke: Borussias Rechtsverteidiger kam etwas schwer in die Partie, leistete sich ganz zu Beginn einen Wackler und blieb in einigen Duellen nur zweiter Sieger. Danach weitestgehend sicher im Abwehrverhalten und bemerkenswert ruhig am Ball im Aufbau. Bis zur Halbzeit hatte er Arango vor sich, der mit zunehmender Spieldauer nicht mehr so gut zurückarbeitete. Unmittelbar nach Wiederanpfiff mit einem Fehlpass in der Vorwärtsbewegung, der zu einer guten Mainzer Chance führte. Und später übersah er nach Hermanns zögern an der Mittellinie einen in seinem Rücken stehenden Mainzer, der zum Flügellauf durchstarten konnte. Von Jantschke selbst gab es keine Flankenläufe, dafür zeigte er sich zweimal am Fünfmeterraum. Zunächst wurde er geschubst und war anschließend zu überrascht, um Arangos flache Hereingabe zu verwerten. Später rauschte er mit Neustädter und Dante denkbar knapp an einem scharf getretenen Ball nach einer Ecke vorbei. Note 3,5.
Martin Stranzl: Eine sehr routinierte und abgeklärte Vorstellung des Innenverteidigers. Wie gewohnt ein sicherer Rückhalt, der immer dann kompromisslos eingreift, wenn am oder im Strafraum Gefahr droht. Ein Stellungsfehler, bzw. ein verlorenes Duell blieb ohne Folgen, ansonsten hatte der Österreicher alles im Griff. In der Luft sowieso, auch wenn es das eine oder andere Mal schmerzhaft war. Am Boden ebenfalls sehr sicher, besonders eine Grätsche mit langem Bein war eminent wichtig. Im Aufbauspiel beschränkte er sich auf den risikolosen Kurzpass. Note 3,0.
Dante: Hochkonzentriert und gänzlich ohne Showeinlagen zeigte Borussias Abwehrchef eine starke Leistung. Ebenso wie Stranzl ließ er überhaupt nichts anbrennen. Herausragend sein Zweikampfverhalten, mit dem er die Bälle sauber und kontrolliert eroberte. Die zweite Halbzeit begann allerdings mit einem Dämpfer: für sein erstes und einziges Foul in dieser Partie – und das 40 Meter vor dem eigenen Tor - sah er gleich die Gelbe Karte und wird damit zum Rückrundenauftakt gegen Bayern München fehlen. Im weiteren Spielverlauf ließ sich Dante davon nicht beeindrucken, überzeugte mit sicherem Passspiel und klärte mehrfach rigoros in letzter Instanz. Note 2,5.
Filip Daems: Ganz zu Beginn gleich in einer brenzligen Situation gefordert. Fast wie gegen Götze im letzten Heimspiel musste Daems in höchster Not gegen Allagui hin. Diesmal konnte er nicht klären, sondern nur stören, was jedoch ausreichte. Zwar gewann Daems das eine oder andere Laufduell gegen Allagui, dennoch stand er hinten nicht immer ganz souverän zum Ball. In einigen Situationen war er nicht wirklich auf der Höhe und hatte Probleme mit dem aufrückenden Pospech. Borussias Kapitän war oft am Ball und wurde viel im Aufbau gesucht. Er nutzte jede Gelegenheit um sich nach vorne einzuschalten, wo die Aktionen jedoch verpufften. Note 4,0.
Roman Neustädter: In kaum einer Phase des Spiels schafften es die Borussen, die Mittelfeldhoheit zu erlangen. Das aggressive Forechecking der Mainzer blieb immer gefährlich, Neustädter hatte bei eigenem Ballbesitz wenig Zeit zur Orientierung. Seine Kurzpässe fanden meist den eigenen Mann und insgesamt unterliefen ihm wenig Fehler. Läuferisch war er wie gewohnt voll dabei. Stark seine Offensivaktion auf Hermann in der besten Kombination des Spiels, danach ein paar Mal etwas zu weit vorne, wenn er sich anbot und so nur in den Rücken angespielt werden konnte. In der Schlussminute der ersten Halbzeit durchaus elfmeterreif gefoult, nach der Pause rutschte er wie Dante und Jantschke knapp an seiner Torpremiere in dieser Saison vorbei. Note 3,5.
Håvard Nordtveit: Führte sich direkt mit einem Fehlpass ein, der die brandgefährliche Aktion in der ersten Minute zur Folge hatte. Danach kämpfte sich der Norweger fast schon verbissen ins Spiel und erlaubte sich dabei Fouls an Stellen, wo es nichts zu gewinnen gibt. Die Gelbe Karte bekam er dafür fast mit Ansage. Über das gesamte Spiel hinweg konnte Nordtveit eine gewisse Unsicherheit nicht ablegen. Er war nicht selten fahrig im Kombinationsspiel, vertändelte den Ball oder spielte den kopflosen Pass. Manchmal schien er etwas erzwingen zu wollen und ging mit dem Ball am Fuß mit Dampf nach vorne. Doch er verpasste stets den Moment zum Abspiel und steckte irgendwann fest. Note 4,5.
Juan Arango: In der Startphase über links mit einigem Ballbesitz, allerdings nicht immer mit der nötigen Genauigkeit in seinen Aktionen. Wechselte dann nachhaltig mit Herrmann die Seite und tauchte auf rechts etwas unter. Vielleicht auch, weil Jantschke nicht so nachrückte wie Daems und ihm so die Anspielstation fehlte. Wie schon in Augsburg ging ihm die Selbstverständlichkeit der letzten Wochen etwas ab. Auch im Spiel nach hinten nicht ganz so entschlossen wie schon gesehen. Dennoch hätte Arango das Spiel vorzeitig entscheiden können, als er das 2:0 auf dem rechten Fuß hatte, aber den linken wählte und Wetklo anschoss. Seine Standards waren sehr wechselhaft – manchmal mit Torgefahr, ein anderes Mal total verunglückt. Auffällig sein gutes Timing in den Luftduellen, auch wenn er ein paar Mal (zu Unrecht) zurückgepfiffen wurde. Note 3,5.
Patrick Herrmann: Hatte von Beginn an etwas mehr Platz als z.B. gegen Dortmund. Herrmann schien die Hereinnahme von Reus besonders gut zu tun, weil er so einen Anspielpartner für die Tempoläufe hat. Wunderbar lief Herrmann in die Gasse und versenkte abgezockt zum Tor des Tages. Danach allerdings mit einigem Leerlauf, vor allem nach dem Wechsel auf die linke Seite. Dort hatte er nur selten vielversprechende Aktionen nach vorne. Eine Ausnahme nach Pass von Neustädter, als er die Chance zum 2:0 vertändelte. Vor der Pause versuchte er es noch mit einem Sprint, wobei er in dem Moment nicht ballsicher genug war. Nach dem Wechsel wieder mehr auf der rechten Seite und dort mit einer schwachen Flanke, nachdem er von Jantschke schön freigespielt wurde. Im weiteren Verlauf schaffte er es nicht mehr, sich offensiv in Szene zu setzen, dafür defensiv aufmerksam. Note 3,5.
Mike Hanke: Ein extremer Wechsel von Licht und Schatten. Hanke leistete sich einige böse Abspielfehler im Aufbau in der eigenen Hälfte. Das war brandgefährlich, weil er seine aufrückende Hintermannschaft damit in Schwierigkeiten brachte. Auch im Direktspiel nach vorne mit einer riesigen Streuung. Selbst kam er nicht zum Abschluss, aber Hanke war auch an guten Aktionen beteiligt. So stand er an der Basis des goldenen Tores und sein doppelter ‚Super-Block‘ vor der Arango-Chance war klasse. Da er auch in der zweiten Halbzeit sehr wechselhaft agierte, war seine Auswechslung nach 71 Minuten folgerichtig. Dass es vereinzelt Pfiffe gegen Hanke gab, allerdings nicht. Note 4,0.
Marco Reus: Das mit großem Brimborium begleitete Comeback von Marco Reus verlief erstaunlich normal ab. Reus hatte nicht wahnsinnig viele Aktionen, bewegte sich aber immer gut als Unruheherd für den Gegner. Dass er Extraklasse hat, zeigte sein ‚Barcelona-verdächtiges‘ Zuspiel auf Herrmann. Noch zwei, drei Mal nahm er gut Fahrt auf, stand bei dem besten Konter ebenfalls am Anfang. Einmal von rechts kommend spielte er nicht präzise genug in die Spitze. Sehr beruhigend die Feststellung, dass sich Reus von dem Theater um seine Person nicht verrückt machen ließ und nichts künstlich erzwingen wollte. So tauchte er nach dem Wechsel öfters ab, war aber in zwei, drei Situationen wieder zur Stelle, so wie beim Pass auf Arangos Großchance. Zum Glück verletzte er sich in der letzten Aktion nicht schwerwiegender am Knie. Note 3,5.
Igor de Camargo: Ersetzte Mike Hanke in den letzten zwanzig Minuten, fand jedoch keine Bindung mehr zum Spiel. Seine Versuche des Direktspiels in vorderster Front verpufften. In der Arbeit gegen den Ball nicht energisch genug, was Mainz mehrfach einen ungestörten Aufbau über den 6er ermöglichte. Ohne Note.
Raúl Bobadilla: Kam in den letzten sechs Minuten für Marco Reus. Konnte dazu beitragen, in der Schlussphase die Mainzer weitestgehend vom eigenen Tor fern zu halten, indem er sich mit dem Ball auf die Reise in Richtung Eckfahne machte. So holte er Zeit heraus, selbst wenn die Aktionen letztlich einen Ballverlust zur Folge hatten. Einmal eroberte er sich den Ball zurück, den er zuvor vertändelt hatte. Ohne Note.
Thorben Marx: Kam in der Schlussminute, als an der Uhr gedreht wurde. Immerhin noch drei Ballkontakte wurden für ihn gezählt. Ohne Note.