Sonntag, 18. Dezember 2011 - 23:44 Uhr
»Heute war nichts Überragendes, aber wir haben trotzdem gewonnen«, brachte Borussias Abwehrchef Dante die 90 Minuten gegen Mainz 05 auf den Punkt. Trotz eines optimalen Starts und dem frühen Tor von Patrick Herrmann bereits nach fünf Minuten wurde es die erwartet zähe Angelegenheit gegen gleichwertige Mainzer.
»Vielleicht ist der Führungstreffer zu früh gefallen«, sinnierte Lucien Favre. »Mainz war sehr unangenehm zu spielen, wir haben es zu kompliziert und langsam gemacht und uns viel zu viele unnötige Ballverluste erlaubt«.
»Die 30 Minuten vor der Halbzeit waren wir schlecht«, so der Coach weiter. »Danach war es ein Stück besser, aber es war am Limit und wir hatten Glück, dass wir kein Tor bekommen haben. Spielerisch war es nicht optimal«.
So sahen es auch seine Spieler. »Wir waren die glücklichere Mannschaft, die am Ende gewonnen hat«, sagte der Ex-Mainzer Roman Neustädter. »Die Platzverhältnisse waren nicht optimal, der Boden war tief. Aber wir haben gefightet bis zum Ende und die Fans haben gesehen, dass wir uns voll reingehauen haben«.
»Anders als in Freiburg oder Augsburg haben wir diesmal gezeigt, dass wir ein Drecksspiel auch gewinnen können«, so Neustädter weiter.
»Mannschaft und Verein können stolz auf sich sein«, bemerkte Neustädter beim Blick auf die Tabelle. »Wir haben jetzt zehn Punkte Vorsprung auf einen nicht-europäischen Platz«, rechnete Mike Hanke vor. »Das ist hervorragend«.
Sein Kollege Dante, der die 5. Gelbe Karte sah (»Ich musste das Foul machen«) und zum Rückrundenauftakt gegen die Bayern fehlen wird, ordnete auch dieses Zahlenspiel gleich richtig ein. »10 Punkte Vorsprung sind viel, aber sie sind keine Garantie. Wer weiß, es kann schnell gehen. Es ist eine verrückte Liga«.
Und deshalb sträuben sie sich in Mönchengladbach, ein neues Saisonziel auszuloben. »Wir müssen realistisch bleiben und weiter von Spiel zu Spiel schauen«, sagte Lucien Favre und angesichts der rollenden Augen bei der Journalistenschar fügte er an: »Sie hören von mir immer das Gleiche, klar. Aber das ist die Wahrheit. Ich lüge nicht«.
Ganz auf Linie zum Trainer äußerte sich Dante weiter. »Wir haben immer noch keine 40 Punkte. Wir müssen so denken, als wären wir weiter im Abstiegskampf und nicht, dass wir schon 33 Punkte haben und es geht von alleine. Wir sollten die Fans feiern lassen, sie sollen viel Bier trinken. Aber wir müssen die Hinrunde sofort vergessen. Es wird kein Spaß in der Rückrunde«.
»Da wird es schwerer für uns«, führte Dante aus. »Die Gegner wissen jetzt, dass wir eine gute Mannschaft sind und werden mehr Respekt vor uns haben«.
Trainer und Mannschaft sind geerdet und selbst ein Mike Hanke, öfter mal für einen flotten Spruch gut, lehnte sich nicht zu weit aus dem Fenster. »Ich glaube, dass wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben, das können wir jetzt wohl sagen«, meinte er, schränkte aber gleich ein, dass Borussia noch keine Spitzenmannschaft sei. »Wenn wir die wären, hätten wir in Augsburg gewonnen«.
Und so fasste auch Kapitän Filip Daems den Arbeitssieg gegen Mainz und das tolle Zwischenergebnis zur Ligahalbzeit sachlich zusammen. »Es war ein schwieriges Spiel gegen Mainz und man kann nicht immer erwarten, dass wir jede Partie dominieren. Aber wir sind anders aufgetreten als letzte Woche und stehen jetzt verdient auf Platz 4. Es ist schön, 33 Punkte zu haben. Genauso schön ist es, dass wir so wenige Gegentore kassiert haben«.
Die stabile Defensive soll auch die Grundlage für das letzte Bonbon sein, das im Jahr 2011 noch wartet. »Wenn wir jetzt noch im Pokal gegen Schalke gewinnen, können wir einen grünen Haken hinter das Jahr machen und stolz und beruhigt in die Winterpause gehen«, sagte Mike Hanke im Hinblick auf den Pokalknaller gegen seinen Ex-Klub am kommenden Mittwoch.
»Schalke ist die wohl derzeit beste Mannschaft in Deutschland«, lobte Lucien Favre den Gegner, der aus Gladbacher Sicht im Vorteil ist. »Schalke ist Favorit«, stellte Mike Hanke klar. »Es wird ein spannendes Spiel, in dem wir alles abrufen müssen«.
Und zwar noch mehr als gegen Mainz, wie Dante betonte. »Gegen Schalke sollten wir nicht so spielen wie heute, sonst verlieren wir. Wir müssen konzentrierter sein, weniger Ballverluste haben und aggressiver gegen den Ball werden«.
Und Borussias medizinische Abteilung muss noch einiges an Arbeit investieren, um die angeschlagenen Spieler bis Mittwoch wieder hinzubekommen. Mike Hanke hat ein geschwollenes Knie, nachdem er mit Bo Svensson zusammen rasselte, Tony Jantschke bekam einen Tritt in die Kniekehle. Bei beiden sollte es reichen, größere Sorgen bereiten Marco Reus und Marc-André ter Stegen.
Reus verdrehte sich nach einem Antritt in Schlussphase das Knie, doch Lucien Favre und Borussias Mannschaftsarzt Dr. Hertl konnten nach der Partie zumindest teilweise Entwarnung geben. »Das Knie ist nicht instabil«, sagte Borussias Doc und konnte damit die schlimmsten Befürchtungen etwas dämpfen. »Ich bin im Rasen hängengeblieben, das Knie hat ein bisschen geschlackert«, erklärte Reus. »Das tat im ersten Moment sehr weh, aber ich glaube, es ist okay. Wir werden am Montag noch Untersuchungen machen, aber ich glaube, es ist nichts Ernstes«.
Die nächsten zwei Tage werden zeigen, ob Marco Reus gegen Schalke dabei sein kann. Das gilt auch im Falle von Marc-André ter Stegen, der einen Schlag in die schon lädierten Rippen erhielt und nach dem Abpfiff mit Schmerzensschreien in der Kabine verschwand.
Auf alle Fälle werden die Borussen am Mittwoch kräftig auf die Zähne beißen müssen, um mit einem Weiterkommen im Pokal ein tolles Jahr abzurunden …