Sonntag, 11. Dezember 2011 - 13:48 Uhr

Nüchtern und an der Tabelle betrachtet, hat sich für die Borussen nicht allzu viel geändert. Auch wenn Schalke 04 vorbeizog und Werder Bremen den Anschluss wieder hergestellt hat, befindet sich Borussia Mönchengladbach kurz vor der Winterpause nach wie vor in einer hervorragenden Ausgangsposition. Dennoch ließen die Gladbacher am Samstagnachmittag so ziemlich alles vermissen, was sie in dieser Saison bisher auszeichnete.
In den Anfangsminuten sah es noch nach einer klaren Angelegenheit aus. Die Fohlenelf suchte schnell den Weg vor Augsburger Tor. Raúl Bobadilla setzte bereits nach 20 Sekunden ein erstes Ausrufezeichen, was die Ambitionen des bis dato Tabellenvierten gegen den Letzten untermauerte. Als sich der Argentinier in der dritten Minute erneut gut durchsetzen konnte und abzog, hatten sogar einige Borussen-Anhänger schon den Torschrei auf den Lippen. Aber wie so oft fehlte Bobadilla das Glück und sein noch abgefälschter Torschuss landete knapp neben dem Augsburger Kasten. »Wir haben eigentlich in den ersten zehn Minuten gut nach vorne gespielt und hatten dann ein bisschen Pech im Abschluss bei Boba«, analysierte Roman Neustädter das Anfangsgeschehen.
Allerdings war es schnell vorbei mit der Gladbacher Herrlichkeit. Die Augsburger schienen wachgerüttelt und warfen in Form von Kampf und Leidenschaft alle Eigenschaften in die Waagschale, die eine Mannschaft im Abstiegskampf zu bieten hat – mit Erfolg. »Wir wussten was uns hier erwartet und es ist natürlich ein Kampfspiel gewesen«, zeigte sich Neustädter nach dem Spiel weniger überrascht, als während seiner 90 Minuten auf dem Platz. Denn seine Mannschaft fand überhaupt nicht in die Zweikämpfe und tat sich sichtlich schwer mit der körperbetonten Spielweise des Aufsteigers. »Die Augsburger waren viel aggressiver und viel bissiger in den Zweikämpfen«, erklärte der ebenfalls enttäuschende Filip Daems.
Nach den berauschenden Auftritten gegen die Spitzenmannschaften aus Bremen und Dortmund, schien der Mannschaft von Lucien Favre die nötige Konzentration gegen das bisher heimschwächste Team der Liga zu fehlen. »Das Spiel zeigt, dass es schon zu wenig sein kann, wenn du nur ein Prozent weniger da bist«, offenbarte Martin Stranzl, der sich als einziger Borusse in Normalform befand, die fehlende Einstellung seiner Mannschaft. »In der Bundesliga darf man keinen Gegner unterschätzen. Augsburg war einfach die bessere Mannschaft heute, sie wollten unbedingt«, gestand auch sein Mannschaftskapitän.
Zur Leistung der Borussia passte auch die Entstehung des Treffers des Tages. Durch eins von zahlreichen unnötigen Fouls in gefährlicher Position, ebnete der sonst so starke Dante den offensiv harmlosen Augsburgern den Weg zum Sieg. Mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker war es ausgerechnet auch noch ein Ex-Borusse, der den FCA in Führung brachte. Allerdings benötigte er dafür die Unterstützung seines ehemaligen Kollegen, Raúl Bobadilla, der den Freistoß unhaltbar abfälschte. »Die Niederlage ärgert die ganze Mannschaft. Wenn man durch einen abgefälschten Freistoß verliert, ist es natürlich besonders bitter«, haderte Martin Stranzl mit der Entstehung des Siegtreffers.
Aber auch der Schock des Gegentreffers sowie die Hereinnahmen von de Camargo, Leckie und Otsu konnten nichts mehr an der Niederlage ändern. »Wir haben durch Auswechselungen probiert noch Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Leckie hatte sehr schnell eine gute Torchance, aber das war die einzige Gelegenheit nach der Pause«, bemängelte Favre die fehlenden Offensivimpulse seiner Mannschaft. Eine Erklärung für das Kollektivversagen, hatte aber auch der Schweizer nicht: »Es waren heute einige kuriose Unsicherheiten in meiner Mannschaft. Ich bin von der Leistung ein wenig enttäuscht«.
Am Ende eines enttäuschenden aber lehrreichen Nachmittags steht die endgültige Erkenntnis, dass Borussia noch weit von einer Spitzenmannschaft entfernt ist und dass neben fußballerischem Schöngeist, auch Kampf, Wille und Leidenschaft in der Bundesliga von Nöten sind. So gilt weiterhin Lucien Favres Einschätzung: »Wir müssen alles geben in jedem Spiel und ich kann nochmal ausdrücklich bestätigen, dass wir um jeden Punkt kämpfen müssen und unsere Mannschaft definitiv nicht überschätzen dürfen«.