Samstag, 10. Dezember 2011 - 17:26 Uhr
Borussias Trainer Lucien Favre musste in Augsburg neben Marco Reus auch auf Håvard Nordtveit verzichten, der aufgrund einer Prellung am Sprunggelenk nicht mitwirken konnte. Für den Norweger rückte Thorben Marx in die erste Elf, im Sturm ersetzte Raúl Bobadilla wie schon in der vergangenen Woche Marco Reus.
Bei ungemütlichen Temperaturen nahe des Gefrierpunkts in der ausverkauften Augsburger Arena starteten die Borussen richtig ‚heiß‘ in die Partie. Keine zwanzig Sekunden waren gespielt, als Raúl Bobadilla an der Strafraumgrenze eine erste Schusschance hatte. Der Argentinier zielte allerdings über den Kasten. Und in der 3. Minute versuchte er es nach einem Hermann Zuspiel innerhalb des 16ers. Sein Schuss wurde leicht abgefälscht und flog knapp am Augsburger Tor vorbei.
Die Borussen waren in der Anfangsphase das klar bessere Team. Sie wirkten souverän und sicher, das Selbstvertrauen aus den vergangenen Erfolgswochen war bis auf die Tribüne spürbar.
Doch die Fohlen verpassten es, aus der Überlegenheit Kapital zu schlagen. Nach und nach fand die Luhukay-Truppe ins Spiel und raubte den Borussen durch intensive und aggressive Zweikampfführung die Leichtigkeit in den Aktionen.
Die Borussen versuchten es nach vorne weiter mit spielerischen Handlungen, denen allerdings mehr und mehr die Präzision fehlte. So gab es nur noch eine wirkliche Möglichkeit vor dem Pausenpfiff, als Bobadilla nach einem Konter quer legte, Marx den Ball durchließ und Hanke aus 15 Metern relativ frei zum Schuss kam, jedoch deutlich über das Tor zielte (21.).
In der Folgezeit war Augsburg besser, weil die Borussen bei Ballbesitz sehr nachlässig agierten und immer wieder Fehlpässe einstreuten, die einen vernünftigen Spielfluss früh im Keim erstickten. Augsburg selbst ging allerdings auch jegliche Durchschlagskraft in der Offensive ab. Nach einer halben Stunde köpfte Oehrl nach einer Ecke gefährlich, der Ball landete auf dem Tornetz.
Und dann leistete sich Marc-André ter Stegen einen Aussetzer. Nach Rückpass von Jantschke wollte der Keeper den Ball mit dem Fuß mitnehmen, geriet jedoch ins Stolpern und schoss sich selbst an. Das Leder sprang vor die Füße von Werner, der plötzlich aus sechs Metern alleine vor dem leeren Tor stand. Doch ter Stegen reagierte blitzschnell, warf sich vor die Füße des Augsburgers, blockte den Schuss und machte so seinen Fehler wieder gut.
In der letzten Viertelstunde bis zum Pausenpfiff konnten die Gladbacher die latente Unsicherheit, die sich durch die gesamte Mannschaft zog, nicht ablegen und der Pausenpfiff kam nicht ungelegen.
Wer auf einen ‚Hallo-Wach-Effekt‘ nach der Pause gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die Borussen ließen sich nun ganz deutlich den Schneid abkaufen und waren das klar unterlegene Team. Augsburg kämpfte aufopferungsvoll und oft am Rande der Legalität. Die Gladbacher ließen sich davon insoweit beeindrucken, als dass sie keine Mittel fanden, dem Aufsteiger Paroli zu bieten.
Im Gegenteil – sie spielten dem Tabellenletzten mit ihrem fehlerbehafteten Spiel in die Karten. So wie Dante in der 51. Minute, der sich an der Strafraumgrenze bei Mölders aufstützte. Ausgerechnet Jan-Ingwer Callsen-Bracker trat den Freistoß aus zentraler Position, der von dem sich aus der Mauer lösenden Bobadilla unhaltbar für ter Stegen abgefälscht wurde.
Ein dummes Gegentor, aber sicher nicht unverdient. Augsburg bekam durch den Führungstreffer deutlichen Rückenwind und machte nicht den Fehler, sich nun zurückzuziehen. Im Gegenteil: Die Luhukay-Truppe agierte weiter aggressiv und suchte immer wieder den Weg nach vorne.
Von den Borussen kam in dieser Phase überhaupt nichts. Nach vorne gab es keinerlei Aktionen und hinten reihten sich unglaubliche Aussetzer aneinander.
Augsburg agierte weiter beherzt, aber auch dreckig (zahlreiche Ellenbogenchecks). Die Fohlen fanden weiterhin keine Mittel, daran änderten auch die Einwechslungen von de Camargo, Leckie und später Otsu nichts.
Nur noch einen nennenswerten Torschuss aus dem Spiel brachten die Borussen zustande, als Leckie von halbrechts im Strafraum am Augsburger Keeper scheiterte (73.).
Auf der anderen Seite mussten Stranzl und Dante mehrfach in höchster Not klären und Augsburg war dem zweiten Treffer näher als die Gladbacher dem Ausgleich. Bezeichnend eine Szene in der 85. Minute, als Neustädter nach Freistoß von Arango im Strafraum frei stand, jedoch nur ein klägliches Schüsschen abgab.
Als auch in der 90. Minute Torwart Amsif einen Schuss von Hanke nach Freistoßablage von Arango sicher parierte, war die Gladbacher Niederlage perfekt. Der leidenschaftlich kämpfende Aufsteiger aus Augsburg verdiente sich den Erfolg vollauf, die Borussen fanden bis auf die Anfangsphase nie zu der Stärke der Vorwochen.
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Marx (76. Otsu), Neustädter – Herrmann (70. Leckie), Arango – Bobadilla (65. de Camargo), Hanke
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Wendt, Brouwers, Zimmermann
Gegner: Amsif - de Jong, Callsen-Bracker, Sankoh, Verhaegh - Hosogai, Davids – Baier (85. Brinkmann), Werner (78. Hain) – Oehrl (90. Sinkala), Mölders
Tore: 1:0 Callsen-Bracker (51.)
Gelbe Karten: Mölders, Callsen-Bracker, Hosogai – Marx, de Camargo
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 33.660 (ausverkauft)