Dienstag, 06. Dezember 2011 - 07:29 Uhr
Marc-André ter Stegen: Bei Ballbesitz des Gegners am Mittelkreis nicht selten 14 bis 15 vor dem Tor platziert und gegen die langen Bälle von Hummels & Co. als ‚Libero‘ gefordert. Dabei sehr aufmerksam, mutig und entschlossen. Meist, wenn auch nicht immer, mit dem richtigen Timing. Einmal griff er etwas übereifrig auf rechts an und hatte Glück, dass der über ihn gespielte Ball von Daems vor dem Tor geklärt werden konnte. Beim Gegentor schaffte er es nicht mehr rechtzeitig in eine optimale Position zum Ball, nachdem er zunächst versuchte rauszugehen. Bei den vielen gefährlichen Ecken auch im zweiten Durchgang einmal gegen Santana nicht an Ort und Stelle. Ansonsten als mitspielender Torwart mit gewohnt starker Ballbehandlung. Allerdings hatte er wegen der hervorragenden Ordnung des BvB kaum Gelegenheit, das Spiel schnell zu eröffnen, was ihn zuweilen sichtlich nervte. Hielt schließlich mit einem glänzenden Reflex gegen Götze den Punkt im Park. Note 3,0.
Tony Jantschke: Da im Aufbau viel über rechts lief, der BvB zudem eine Menge über die linke Seite veranstaltete, stand Tony Jantschke oft im Brennpunkt. In der Spieleröffnung versuchte er das kurze Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten, was ihm – bis auf ein unbedrängtes Zuspiel in die Füße von Kagawa - auch passabel gelang. Fußballerisch konnte er insoweit überzeugen. Sein Kerngeschäft in der Abwehr regelte er über weite Strecken ruhig und solide, auch wenn Großkreutz ihn zweimal überlaufen konnte. Einige gute Grätschen verhinderten die freie Bahn für den Gegenspieler. Ganz wertvoll seine Rettungstat gegen Lewandowski, als der sich anschickte, an ter Stegen vorbei die Führung zu erzielen. Jantschkes Offensivdrang war mäßig, wobei die Qualität des Gegners berücksichtigt werden muss. Als er sich im zweiten Durchgang einmal schön durchsetzte, verunglückte die Flanke in aussichtsreicher Position. Note 3,5.
Martin Stranzl: Es war für beide Innenverteidiger eine unheimlich schwere Aufgabe gegen einen Gegner, der mit hoher Variabilität mit bis zu fünf wendigen, schnellen Spielern um die „Abseitslinie“ herum wuselte. Stranzl behielt oft den Überblick, war konzentriert und hellwach, so dass der Gegner nur selten durchkam. Half vor allen nach dem Wechsel und in der Schlussphase oft auf Jantschkes rechter Seite aus und gab Mitte der zweiten Halbzeit auch deutliche Signale an seine Mitspieler, um das Spiel noch umzubiegen. Beim Gegentor hatten Stranzl und Neustädter Lewandowski im ‚Sandwich‘, ohne ihn am Kopfstoß hindern zu können. Dazu konnte Stranzl das Zuspiel von Kagawa auf Götze vor dessen Großchance nach dem Ausgleich nicht verhindern. Vorne warf sich der Österreicher vehement in Eckbälle und Freistöße, wobei er und Dante sich mehrmals beim Kopfballduell im Weg standen. Note 2,5.
Dante: Genau wie Stranzl über weite Strecken gut in der Partie, dazu noch etwas sicherer in der Spieleröffnung. Allerdings lief lange nicht so viel wie gewohnt über den Brasilianer, weil Dortmund früh Druck aufbaute und das Aufbauspiel von hinten heraus geschickt erschwerte. Kehl und Gündogan stellten Nordtveit und Neustädter frühzeitig zu, so dass Dante oft nur der Aufbau über die Seiten blieb. Hinten klärte Dante einige Male beherzt per Grätsche, u.a. in höchster Not gegen Lewandowski. Kurz vor Schluss ging er am eigenen 16er mit einem Tackling volles Risiko. Zum Glück traf er den Ball. Vorne bei Standards sehr gefährlich. Gleich drei Kopfballmöglichkeiten verpasste er knapp, dazu kam das schon erwähnte gegenseitige Behindern mit Stranzl. Note 2,0.
Filip Daems: Gleich in der ersten Minute hellwach, als er in letzter Sekunde Götze den Ball vom Fuß holte – mit Glück, dass ihm da kein Eigentor unterlief. Danach gegen den ‚heißesten Youngster der Liga‘ mit einer hervorragenden Partie. Defensiv immer präsent bis auf die Szene beim Doppelpass von Götze/Kagawa, als er Götze nicht stellen konnte. Mehrfach konnte er brenzlige Situationen bereinigen. Besonders erstaunlich sein Mut und die Energie für Offensivaktionen, vor allem vor der Pause. In einer Szene spielte er sich mit guter Technik und einem schönen Trick frei – als ob der Spieler Daems an der Playstation ein Update erhalten hätte. Auch weil Arango ihn wieder sehr aufmerksam unterstützte, machte Daems ein wirklich ausgezeichnetes Spiel. Note 2,0.
Håvard Nordtveit: Hatte eine ganz schwere Aufgabe gegen das Offensivbollwerk der Dortmunder. Durch die variable Spielweise des BvB musste er ständig auf der Hut sein, versuchen die Räume zu verdichten und die Linie zur Abwehr hin zu schließen. Dies gelang in der zweiten Halbzeit etwas besser als in der ersten, als man den Eindruck hatte, Dortmund hätte einen Mann mehr auf dem Platz. Im Spielaufbau unterliefen Nordtveit drei böse ‚unforced errrors‘ und einmal ein Ballverlust in der Vorwärtsbewegung in der eigenen Hälfte. Es fehlt ihm weiter an der Sicherheit im Passspiel, das doch eigentlich zu seinen Stärken gehört. Dennoch war unverkennbar, dass er auch offensiv aktiver werden will. Er tauchte ein paar Mal vorne mit auf, kam zu einem guten Schuss von der Seite, der etwas zu hoch angesetzt war. Note 3,5.
Roman Neustädter: Kam mit der engen Situation im Mittelfeld etwas besser zurecht als Nordtveit. Vor allem bei der Balleroberung war Neustädter sehr stark, bekam immer wieder ein Bein zwischen die kombinierenden Dortmunder. Er zeigte vorzügliche Qualitäten beim Verdichten und Vernichten. Am Ball sicher und mit sauberem Kurzpassspiel. Der finale Pass fehlte allerdings, genauso wie eine eigene wirkliche gefährliche Aktion am gegnerischen Strafraum. In der eigenen Box ließ er sich beim Gegentor von Lewandowski etwas zu einfach überspringen bzw. wegdrücken. Note 2,5.
Patrick Herrmann: Der nach dem Ausfall von Reus verbliebene Gladbacher Wirbelwind brachte als einziger Tiefe mit schnellen Dribblings bzw. Einzelaktionen. Mit dem kompromisslosen Schmelzer hatte er einen harten Widersacher, trotzdem setzte er sich mit guter Technik einige Male schön durch und suchte den direkten Weg zum Tor. Im Anschluss an die Bobadilla-Chance in der Anfangsphase reagierte er schnell und hatte mit seinem eigentlich guten Schuss etwas Pech. Im weiteren Verlauf wurden seine Schussversuche allerdings geblockt. In der zweiten Halbzeit tauchte er etwas ab, war jedenfalls weniger präsent. Nach hinten lief er zwar mit, unterstützte Jantschke aber nicht so geschickt und effektiv wie Arango auf der anderen Seite Daems. In den letzten zehn Minuten war Herrmann ‚platt‘. Note 3,0.
Juan Arango: Der Herr der ruhenden Bälle brachte jeden Freistoß und jeden Eckball punktgenau und brandgefährlich zum Mann, auch wenn die Abnehmer nichts draus machten. Gewohnt, zuweilen aufreizend ruhig und ballsicher im Spielaufbau. Spielte den feinen langen Ball zur Bobadilla-Chance am Anfang, dazu noch einige weitere präzise Pässe. Nicht von ungefähr war er mit seiner schnellen Weiterleitung auf Bobadilla der Ausgangspunkt für den Ausgleich. Tunnelte später Santana, der für das anschließende Foul eigentlich Gelb-Rot hätte sehen müssen. Defensiv ging er weite Wege, suchte die Zweikämpfe in der Luft und am Boden. Was letztlich fehlte, war die letzte Effektivität im Spiel nach vorne. Wohl auch, weil die Anspielstation Reus fehlte und sich Bobadilla ganz einfach anders bewegt. Note 2,5.
Mike Hanke: Im gesamten Spiel immer wieder mit hoher Ballsicherheit ein wichtiges Bindeglied. Dennoch merkte man ihm deutlich an, dass ihm Reus als Anspielstation für die One-Touch-Ablagen fehlte. Hanke arbeitete gewohnt viel, konnte in seinem Defensivverhalten allerdings nicht immer – so z.B. in der ersten Minute – die gefürchtete Spieleröffnung von Hummels unterbinden, was sicher auch in seinen Aufgabenbereich fiel. Er hatte wenig Szenen in Strafraumnähe. Umso bemerkenswerter, dass er im entscheidenden Moment mit beherztem Antritt und fulminantem Abschluss zum Retter des Punkts wurde. Mit seinem gezwirbelten Schuss am langen Pfosten vorbei wäre er sogar fast noch zum Matchwinner geworden. Note 3,0.
Raúl Bobadilla: Hatte die undankbare Aufgabe, Marco Reus zu vertreten. Selbstverständlich ist Bobadilla nicht mit der Leichtigkeit eines Reus in Topform gesegnet und natürlich fehlt es ihm am Rhythmus, den man nur durch anhaltende Spielpraxis erlangen kann. Von daher ist es durchaus verständlich, dass die eine oder andere Ballstafette in ‚Boba' nicht den optimalen Abnehmer fand. Manchmal wirkten sein Spiel und seine Bewegungen zu statisch, er rochierte nicht permanent, einiges sah hölzern aus. Dafür brachte er seine Qualitäten ein. Körperliche Präsenz, die ihn auch gegen Santana immer wieder in Vorteil brachte. Er holte sich die langen Bälle, die auf ihn gespielt wurden. Richtige Torgefahr entwickelte er bis auf die Szene in der Anfangsphase nicht, als er in Folge der nicht optimalen Ballmitnahme zu weit nach links abdriftete und letztlich nur noch den unzureichenden Heber zustande brachte. Dafür spielte er den Klassepass auf Hanke zum Ausgleich. Das Selbstvertrauen, das er sich in dieser Szene holte, kanalisierte sich allerdings nur in den so oft bemängelten Sperenzchen, auf die er bis dahin verzichtet hatte. Alles in allem jedoch machte Bobadilla seine Sache unter den nicht einfachen Vorzeichen ordentlich. Note 3,5.
Mathew Leckie: Ersetzte Bobadilla in der Schlussphase und kniete sich voll rein. Ging immer auf den ballführenden Gegner und blockte. In der Vorwärtsbewegung hatte er gute Ansätze, wollte aber etwas zu oft mit dem Kopf durch die Wand und prallte entsprechend an den Dortmunder Verteidigern ab. Dennoch belebte er das Spiel nochmal und initiierte auch die letzte Chance von Hanke. Ohne Note.
Roel Brouwers: Wurde eingewechselt und unmittelbar darauf ertönte der Schlusspfiff. Sinnvoller wäre es gewesen, Brouwers ein paar Sekunden früher zu bringen, als es noch eine Ecke gab. Ohne Note.