Sonntag, 04. Dezember 2011 - 15:39 Uhr
»Gladbach spielt einen guten Ball und sie ziehen ihr Ding durch«, sagte Dortmunds Trainer nach dem Topspiel in Mönchengladbach. Das Lob des Meistertrainers hatten sich die Fohlen wahrlich verdient, war die Ausgangslage vor dem Borussenduell doch mehr als kompliziert. Zum einen war da die Erwartungshaltung vor dem Spitzenspiel. Schon manch voreilig hochgelobtes Team landete in vergleichbaren Situationen hart auf dem Boden der Tatsachen.
Und da war natürlich das Fehlen von Marco Reus und die Frage, wie die Gladbacher Borussen dies verkraften würden. Die wichtige Erkenntnis nach den 90 Minuten gegen den BvB fasste Sportdirektor Max Eberl zusammen: »Wir haben den Ausfall von Reus gut kompensiert und als Mannschaft dagegen gehalten. Leistungsträger sollten nicht über Monate ausfallen, das ist am schwierigsten wegzustecken. Kurzfristig sehen wir, dass wir Alternativen haben«.
Tatsächlich machte es Reus-Vertreter Raúl Bobadilla in seinem Rahmen ordentlich und wurde anschließend entsprechend gelobt. »Mit der Vorlage zum Tor hat Raúl seine Nominierung gerechtfertigt«, sagte Max Eberl. »Es hat teilweise sehr gut gepasst«, ergänzte Torschütze Mike Hanke. »Sicher bin ich mit Marco eingespielter als mit Raúl, aber er hat seine Sache gut gemacht. Er lässt sich nie hängen und hat diese Chance aufgrund seiner Leistungen im Training auch verdient«.
»Natürlich fehlt ihm die Spielpraxis«, fügte Roman Neustädter an. »Aber er hat die Bälle gehalten, verteilt und dazu das Tor vorbereitet. Das gibt ihm Selbstvertrauen«.
»Es war gut für Marco zu sehen, dass nicht alles auf seinen Schultern lastet«
Und auch Marco Reus auf der Tribüne dürfte aufgeatmet haben, wie Mike Hanke mutmaßte. »Ich glaube auch für Marco war es gut zu sehen, dass nicht alles auf seinen Schultern lastet«.
Dennoch war offensichtlich, dass den Gladbacher Offensivbemühungen vor allem die Tiefe abging, die Reus mit seinen Antritten einzubringen versteht. »Es ist klar, dass etwas fehlt, wenn ein Spieler mit den Qualitäten von Marco Reus nicht dabei ist«, sagte Trainer Lucien Favre. »Aber wir können das im Moment nicht ändern«.
Umso erleichterter nahmen alle Beteiligten zur Kenntnis, dass sich die Mannschaft gegen einen Topgegner stabil präsentierte, auch wenn Dortmund im ersten Durchgang Vorteile hatte. »In der ersten Halbzeit war Dortmund für mich klar besser«, befand Favre. »Es war für sie zu einfach, flach zwischen unsere Linien zu spielen«.
So war der Dortmunder Führungstreffer vor der Pause nicht unverdient, wenn auch nur durch einen simplen Standard erzielt. Lewandowski setzte sich gegen Neustädter und Stranzl nach der Götze-Ecke per Kopf durch. »Es war etwas eigenartig, weil Lewandowski sich bei Roman aufstützt«, befand Martin Stranzl. Doch Schiedsrichter Zwayer, der ohnehin eine sehr eigenartige Linie pfiff, erkannte keine Regelwidrigkeit. Marc-André ter Stegen, der erst einen Schritt zum Ball machte und dann wieder zurückging, berührte die Kugel noch, lenkte sie aber ins Eck. »Wenn er den Ball nicht berührt, komme ich vielleicht noch dran«, mutmaßte Filip Daems. »Doch jetzt stand ich einen Schritt nach hinten«.
Der Rückstand brachte die Gladbacher jedoch nicht aus der Spur und sie schafften es, in der zweiten Halbzeit zuzulegen. »Wir sind mehr Risiko gegangen«, erklärte Favre. »Gegen Dortmund konnten wir nicht so spielen, wie gegen manch andere Mannschaft. Wir mussten Druck ausüben, sonst hätten wir keine Chance gehabt«.
»Ein perfekter Schuss«
Viele Tormöglichkeiten erspielten sich die Gladbacher zwar nicht, aber sie nutzten eine eiskalt – eben im Stile einer Spitzenmannschaft. Mike Hanke schloss eine sehenswerte Kombination mit einem satten Schuss außerhalb des Sechzehners ab. »Ein perfekter Schuss«, lobte Favre den Torschützen. »Ich habe nicht lange überlegt und einfach draufgehalten«, freute sich Hanke über seinen dritten Treffer im zweiten Spiel in Folge. »Zuletzt habe ich das abgerufen, was mich früher stark gemacht hat. Da habe ich nicht viele Chancen gebraucht, um Treffer zu erzielen. Es tut wieder gut«.
»Der Ausgleich hat uns Selbstvertrauen gegeben«, sagte Lucien Favre. »Danach war dann alles möglich«. »Es ging hin und her und jeder wollte bis zum Ende das Spiel gewinnen«, fügte Mike Hanke an. »Keiner hat auf Verwalten gespielt – es war eine packende Partie«.
Am Ende waren die Gladbacher Borussen mit dem Ergebnis zufrieden. »Es war ein Spiel auf Augenhöhe und das 1:1 geht vollkommen in Ordnung«, fasste Mike Hanke zusammen. »Es muss sich keiner hinterfragen, nur weil wir auf den dritten Rang runter gerutscht sind«, sagte er breit grinsend. »Wir alle genießen einfach den Moment und überdrehen nicht. Wenn wir so weitermachen, ist noch einiges möglich. Aber wir müssen diese Leistung über einen langen Zeitraum zeigen, um zu den Spitzenmannschaften zu gehören«.