Montag, 28. November 2011 - 08:02 Uhr
Marc-André ter Stegen: Auch in seinem zweiten Derby der gewohnt sichere Rückhalt beim VfL. Die drei Torschüsse der Kölner entschärfte der 19-Jährige, wobei der von Podolski gewiss der gefährlichste war. Dazu in der Strafraumbeherrschung sicher. Der Keeper war in Köln klar ein elfter Feldspieler, wurde immer wieder in den Spielaufbau einbezogen. So kam er auf beachtliche 72 Ballkontakte. Auch wenn bei den langen Schlägen nicht alles ankam, so imponierte er vor allem mit seiner Ruhe. Unter dem Druck der anlaufenden Stürmer verfiel er nie in Hektik, ließ die Angreifer ohne Risiko ins Leere laufen und verarbeitete die Bälle beidfüßig. Das ist modernes Torwartspiel auf Topniveau. Note 2,0.
Tony Jantschke: Wurde zu Beginn kurz vor der Mittellinie in einige Duelle mit Peszko verwickelt, gab sich jedoch keine Blöße. Sein Zweikampfverhalten war bemerkenswert abgeklärt. Ein Foul wurde gegen ihn gepfiffen, was nicht zwingend eins war. Ansonsten löste er das vermeintliche Mismatch gegen den schnelleren Peszko durch gutes Stellungsspiel. Am Ball sehr sicher und unaufgeregt, wählte er fast ausschließlich die Variante quer oder zurück zum Torwart. Im weiteren Verlauf offensiv mit guten Ansätzen, wobei in Sachen Flanken weiter viel Luft nach oben ist. Note 2,5.
Roel Brouwers: In der Startphase der Partie mit ein paar winzigen Wacklern, als er nach dem richtigen Timing suchte und auf halbrechts Zweikämpfe nicht für sich entscheiden konnte. Danach mit ausgewogenem Stellungsspiel und zuverlässigen Aktionen. Ließ sich von Podolski nicht provozieren und irritieren, sondern störte den Kölner einfach und effektiv. Im Spielaufbau hielt er sich fast komplett zurück, beschränkte sich auf Querpässe und überließ Dante den Aufbau. Note 3,0.
Dante: Eine sehr souveräne Vorstellung des Abwehrchefs. Er gab sich in den Zweikämpfen keine Blöße, bestritt sie immer mit dem richtigen Timing und löste auch enge Situationen. Ganz unbrasilianisch schlug er den Ball auch einfach mal nach vorne und vermied es, sich mit gefährlichen Dribblings selbst in Bedrängnis zu bringen. Dante verzeichnete mit 108 einen außergewöhnlichen hohen Wert an Ballkontakten und kam dabei mit fast 95% auf eine herausragende Passquote. Nur in der ersten Viertelstunde spielte er zwei, drei ungenaue Pässe, ansonsten agierte er unglaublich sicher. Wird immer mehr zum Führungsspieler und ‚schiss‘ seine Mitspieler im zweiten Durchgang auch mal an, als der Schlendrian Überhand zu nehmen drohte. Note 2,0.
Filip Daems: Hatte zu Beginn ein paar kleinere Schwierigkeiten, als Köln über seine Bahn kam und er den einen oder anderen Zweikampf verlor und einmal einen Freistoß von der Seite verursachte. Zu diesem Zeitpunkt war auch die Unterstützung von Arango nicht optimal. Das änderte sich jedoch schnell und beide harmonierten immer besser. Daems erledigte seine Aufgabe konzentriert und wachsam, vor allem im Passspiel mit großer Sicherheit. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Ein intensives Spiel für die beiden 6er mit einem hohen Ballbesitz. Wie Nebenmann Neustädter hatte Nordtveit 90 Ballkontakte. Er beteiligte sich stark an der Ballzirkulation, ging wenig Risiko, so dass sich die Fehlpässe absolut in Grenzen hielten. In ein, zwei Situationen hatte er etwas Schwierigkeiten im Stellungsspiel, blieb insgesamt jedoch ohne wirklichen Fehler. Auffällig, dass er sich (endlich) etwas energischer nach vorne einschaltet. Beim Konter zum entscheidenden dritten Treffer trieb er den Ball und legte schön auf Herrmann ab. Dazu schloss er in mehreren Situationen gut an, als ihm allerdings ein wenig das Zutrauen fehlte. Nordtveit sollte hier ruhig nachdrücklicher den Abschluss suchen. Note 3,0.
Roman Neustädter: Für ihn wurden genauso wie für Nordtveit erstaunliche 90 Ballkontakte gezählt. Auch Neustädters Passquote war außerordentlich gut, wobei er sich ebenfalls meist auf den risikolosen Querpass beschränkte. Wie gewohnt lief er viele Bälle ab, vor allem in der zweiten Halbzeit eroberte er durch gutes Stellungsspiel oftmals das Spielgerät. Musste er in die direkten Duelle, hielten sich Erfolg und Misserfolg die Waage. Offensiv trat er direkt zu Beginn mit einem ‚Halbdrehschuss‘ im Strafraum in Erscheinung, als er gut und schnell reagierte, jedoch nicht genug Druck hinter den Ball bekam. In der zweiten Hälfte versuchte er sich von der Strafraumgrenze, was jedoch misslang. Er muss in Sachen Torabschluss und Präzision beim finalen Pass weiter zulegen. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Der Youngster konnte nicht ganz an seine Galavorstellung vor einer Woche gegen Bremen anknüpfen. Zu Beginn viel eingebunden und mit einigen Antritten, in der Rückwärtsbewegung suchte er noch etwas die Orientierung. Ging dann auch mal auf die linke Seite und hatte hier prompt seine Torbeteiligung. Vor dem 1:0 überließ er mit etwas Glück Hanke den Ball, zehn Minuten später holte er den Freistoß heraus, den Arango zum 2:0 ins Eck zirkelte. Und auch beim 3:0 war er beteiligt, als er mit seinem Schuss an Rensing scheiterte, Hanke den Rebound zum Glück verwerten konnte. Später noch mit einem abgeblockten Schuss, als er etwas eigensinnig abzog und den besser positionierten Nordtveit übersah. Note 3,0.
Juan Arango: Nur in den ersten Minuten im Spiel nach hinten etwas unaufmerksam. Doch das bekam der Venezolaner schnell in den Griff und lieferte fortan eine Glanzleistung ab. Er war der Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel. Eine Augenweide, mit welcher Selbstverständlichkeit er selbst die schwierigsten Zuspiele technisch verarbeitet und sich in Bedrängnis immer wieder frei spielt – die Betonung liegt auf ‚spielt‘. Er verfügt über das Auge und die Technik, auch den Risikopass an den Mann zu bringen. Und da er sich auch in Köln wieder vorbildlich in den Dienst der Mannschaft stellte und intensiv nach hinten arbeitete, ist er unverzichtbar. Arango war an allen gefährlichen Angriffen beteiligt, leitete die Angriffe vor dem ersten und dritten Tor ein und zeigte endlich seine Treffsicherheit bei Freistößen mal wieder im Trikot der Borussia. Note 1,5.
Marco Reus: Startete gleich mit einem fixen Antritt und einem schönen Schuss, den Rensing noch über die Latte lenken konnte. In der Folgezeit immer mal wieder mit guten Ansätzen, wobei die Kölner ihn natürlich besonders intensiv bearbeiteten. Das drückte sich u.a. in dem Tritt von Brecko aus, bei dem sich Reus den Zeh brach, jedoch weiterspielte. Und so leitete er mit seinem Lauf über links das 1:0 ein und auch den Konter zum entscheidenden 3:0 trug er nach vorne. In der 75. Minute mit einer Weltklasse-Einzelaktion, als er vier Kölner überlistete, dann jedoch am glänzend reagierenden Rensing scheiterte. Alsdann übertrieb es Reus ein wenig und wollte sein Tor etwas zu sehr erzwingen, u.a. bei den Freistößen. Note 2,5.
Mike Hanke: Zwei Torschüsse, zwei Tore – Mike Hanke überzeugte im Derby mit seinen schon verloren geglaubten Torjägerqualitäten. Ganz stark, wie er vor dem 1:0 blitzschnell reagierte und den Ball von Herrmann übernahm, der aus dem Gleichgewicht geraten war. Der Abschluss war trocken und sauber, genauso wie beim 3:0. Zwei typische Stürmertore des Mannes, der eigentlich kein wirklicher Stürmer mehr ist. In seiner ‚neuen Rolle‘ war Hanke gewohnt fleißig und als Anschlussspieler wichtig für die Kombinationen. Als das Spiel entschieden war ließ es Hanke in den Zweikämpfen etwas schleifen, was jedoch keine Folgen hatte. Note 2,5.
Raúl Bobadilla: Kam in den letzten fünf Minuten für Marco Reus, ohne dass er noch eine nennenswerte Szene hatte. Ohne Note.
Igor de Camargo: Comeback des belgischen Nationalspielers, wenn auch nur für drei Minuten und einen Ballkontakt. Ohne Note.
Thorben Marx: In der 90. Minute eingewechselt, kam er nicht mehr in den Genuss, den Ball noch zu berühren. Ohne Note.