Mittwoch, 23. November 2011 - 14:36 Uhr
Ganz Mönchengladbach schwebt nach der Vorstellung des weißen Balletts am Samstag auf Wolke 7. Doch einer scheint seine Beine im Boden einbetoniert zu haben, Lucien Favre. Der Schweizer gilt als Architekt des Erfolgs und ist gleichzeitig wohl auch sein größter Kritiker. »Für mich ist die Euphorie nicht größer als sonst. Auch die Mannschaft weiß, dass es gegen Köln ein ganz anderes Spiel wird. Der Kopf ist sehr, sehr wichtig!«, knüpfte Favre auf der heutigen Pressekonferenz an seine überraschend kritischen Töne nach dem Bremen Spiel an.
»Vielleicht sind wir für viele nach dem 5:0 Favorit, allerdings nicht für mich«, trat der Erfolgscoach gehörig auf die Euphoriebremse und legte vor dem für viele als Spiel des Jahres deklarierten Derby noch einmal nach. »Ich weiß was dieses Spiel für viele bedeutet, aber letztendlich ist es auch nur ein Meisterschaftsspiel und das wollen wir erfolgreich bestreiten. Punkt!«, versuchte er etwas Druck von seiner Mannschaft zu nehmen.
Diesbezüglich verwundert es kaum, dass auch der kommende Gegner in gewohnter Manier in den höchsten Tönen gelobt wurde. So sei Köln laut Favre ein schwerer Gegner mit einer guten Mannschaft. Besonders hat es dem Borussentrainer die Defensivarbeit der Domstädter angetan. »Sie stehen defensiv kompakt, sind sehr gut organisiert und spielen nach der Balleroberung gefährlich vorne«, analysierte er die Kölner Stärken. Dabei muss man sich fast fragen, ob er dabei wirklich den rheinischen Rivalen oder nicht die eigene Mannschaft meinte. Denn trotz des bis dato ebenfalls positiven Saisonverlaufs der Gastgeber, kassierte die Kölner Hintermannschaft mit einem 1:5 bei Schalke 04 und einem 0:5 bei Borussia Dortmund auch schon deutliche Niederlagen.
Allerdings präsentiert sich der FC in dieser Spielzeit vor heimischem Publikum deutlich besser als bei seinen Gastauftritten in der Fremde. Insbesondere die Derby-Bilanz mit 1:9 Toren aus der letzten Saison dürfte die Kölner am Freitag besonders motivieren. »Sie werden alles daran setzen den Negativlauf aus den vorherigen beiden Derbys zu beenden«, weiß auch Sportdirektor Max Eberl um das Kölner Bedürfnis nach Wiedergutmachung.
Erleichtert gab sich Eberl dagegen in Bezug auf die Entwicklungen rund ums Derby, für das die Sicherheitsvorkehrungen wieder etwas heruntergestuft werden konnten. Die Situation habe sich in den letzten Jahren deutlich beruhigt und es sei gutes Zeichen, dass endlich wieder das Spiel mit allen Emotionen auf dem Platz im Vordergrund stünde.
Neben der entspannten Sicherheitslage, dürfte den Sportdirektor auch die Rückkehr Igor de Camargos erfreuen. Der Stürmer für die wichtigen Tore konnte in dieser Woche nach langer Verletzungspause wieder ins Training einsteigen und darf sich sogar Hoffnungen auf einen Platz im Derby-Kader machen. »De Camargo hat ja nicht erst diese Woche angefangen zu trainieren. Er hat zuvor individuelles Training absolviert und mir gesagt, dass er bereit ist«, gab Favre Auskunft über den Zustand des Belgiers, dessen Nominierung sich aber erst endgültig nach dem morgigen Abschlusstraining entscheidet.
Verzichten muss Borussia dagegen auf Martin Stranzl, der aufgrund von Knieproblemen voraussichtlich noch drei Tage pausieren muss und Yuki Otsu, der sich derzeit bei der japanischen Olympiaauswahl aufhält.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Borussen-Fans trotz aller Bescheidenheit ihres Trainers auch im Derby wieder auf eine Tanzeinlage von Reus, Dante, Arango und Co freuen dürfen. Mit Igor de Camargo als gebürtigem Brasilianer, steht jedenfalls schon eine Verstärkung für die Tanzcombo bereit. Auch wenn einer dem neuen Jubelritual so gar nichts abgewinnen kann. »Ich werde wohl wie immer ganz normal mit den Händen hoch jubeln. Holländer können nicht tanzen!«, haderte Roel Brouwers mit seinen Fähigkeiten als Tänzer.
Bei einem Derbysieg dürfte sich aber auch der Hüftschwung des Niederländers lockern lassen …