Dienstag, 22. November 2011 - 07:29 Uhr
Marc-André ter Stegen: Borussias Keeper zeigte eindrucksvoll, dass es mehr als richtig war, seinen Vertrag anzupassen und zu verlängern. Er lieferte gegen Werder ein fehlerloses zu-Null-Spiel ab. Bezeichnend drei aufeinanderfolgende Aktionen: Zunächst holte er einen Ekici-Freistoß mit Übergriff stilvoll und superschnell aus dem Winkel. Die anschließende Ecke faustete er im Getümmel souverän weg und unmittelbar darauf schirmte er einen Bremer Angreifer geschickt von einem langen Ball ab, so dass dieser ins Toraus laufen konnte. Im weiteren Spielverlauf nicht mehr wirklich geprüft, aber stets wachsam und konzentriert. Nur zwei, drei Abschläge missrieten. Symbolisch für seine allgemeine Leistung die Szene, als zwei Balljungen ihm Bälle zuwarfen und er beide ‚hielt‘. Note 2,0.
Tony Jantschke: Bot eine sehr konzentrierte und sichere Partie. Profitierte davon, dass Bremen weder durch Hunt noch später durch Schmitz mit hohem Tempo über seine Seite kam. Die Antritte der Bremer hatte Jantschke früh auf dem Schirm und löste mit gutem Stellungsspiel und zeitigen Sprints fast alles. Und wenn es mal brenzlig wurde, war er zur Stelle: So rettete er nicht nur vor der Pause mal sondern auch in der zweiten Halbzeit gegen Ignjovski in höchster Not. Am Ball ungemein sicher und fast ohne Fehlpass. Die klaren und zügigen Kurzpässe von hinten heraus sind wichtig und standen u.a. an der Basis des zweiten Tores. Jantschke selbst probierte es mit einem Distanzschuss, den Wiese parieren konnte. Hanke stand dann beim Rebound im Abseits. Note 2,5.
Martin Stranzl: Machte ein gewohnt ordentliches Spiel, bis ihn schon nach 28 Minuten eine Knieverletzung zur Aufgabe zwang. Beim zweiten Heimspiel in Folge musste der Österreicher noch vor der Pause verletzt vom Feld. Ohne Note.
Dante: Der absolut souveräne Abwehrchef. Ließ Pizarro keine Minute aus den Augen, nahm den Bremer Stürmerstar komplett aus dem Spiel. Dante war wachsam, war stets rechtzeitig beim Gegenspieler, blockte vieles und antizipierte gut. Ganz stark sein Passspiel, fast ohne jede Streuung. Nur ganz zu Beginn der zweiten Halbzeit sehr lässig, als er sich links hinten selbst in Bedrängnis brachte. Er entschuldigte sich mit Handzeichen bei den Kollegen und war fortan wieder aufmerksam bei der Sache. Note 2,0.
Filip Daems: Zu Beginn des Spiels wirkte er in ein, zwei Szenen abwesend, fand dann jedoch relativ schnell in die Spur und zu einer ordentlichen Leistung. Ließ hinten nichts anbrennen und suchte vor allem in der ersten Halbzeit einige Male den Weg nach vorne. Hätte nach Zuspiel von Herrmann treffen können, doch sein Schuss aus guter Position ging über das Tor. So muss der Belgier weiter auf seinen ersten Treffer in der höchsten Klasse aus dem Spiel heraus warten, auch weil er nach einer halben Stunde mit einem Schuss aus spitzem Winkel an Wiese scheiterte. Nach der Pause hielt er sich zurück und beschränkte sich trotz des deutlichen Vorsprungs einzig auf die Defensive. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Nach leichten Orientierungsschwierigkeiten zu Beginn mit einer guten Vorstellung als ‚Staubsauger‘. Der Norweger war viel unterwegs, lief einiges ab und beschränkte sich am Ball auf die sichere Variante. Ab und an fehlte etwas der Zug bei der Umschaltung und seinen Pässen fehlte noch die letzte Schärfe. Dennoch hatte es den Eindruck, als ob Nordtveit sich weiter stabilisiert. Er suchte sogar einige Male den Anschluss nach vorne, zögerte allerdings mit dem Abschluss, je näher er dem Strafraum kam. Note 3,0.
Roman Neustädter: Auch der zweite 6er hatte in der Anfangsphase ein paar Probleme. Unkonzentrierte Aktionen und überflüssige Foulspiele wechselten sich ab. Hätte nach schöner Vorarbeit von Hanke in der 13. Minute eigentlich zwingend das 1:0 machen müssen, verzog jedoch knapp. Schwamm dann aber auf der Euphoriewelle mit und steigerte sich deutlich. Neustädter trat bei mehreren Angriffen als geschickter Ballverteiler in Erscheinung. Läuferisch war es ohnehin okay, allerdings besteht im Spiel nach vorne weiter einige Luft nach oben. Noch wirken viele Aktionen abgehakt und ‚bröckelig‘. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Neben Reus der Spieler des Tages, wenn nicht sogar der heimliche Matchwinner. Machte ein tolles Spiel, agierte mutig, gewollt, spritzig und vor allem gereift. Schon ganz früh setzte er sich über rechts kraftvoll gegen zwei Bremer durch. Herrmann wirkt abgezockter als früher, rennt nicht mehr mit dem Kopf nach unten in den Abwehrspieler. Apropos Kopf – bei seinem Führungstreffer mit eben diesem war er hellwach und schaltete schnell. Danach gelang fast alles, er legte hervorragend auf für Daems und selbst ein verunglückter Direktschuss wurde fast zum Assist bei Hankes Großchance. Den Assist verbuchte er dann nach starkem Antritt, als er per Außenrist für Reus auflegte in einer Situation, in der wohl neun von zehn selbst den Abschluss gesucht hätten. Es folgten noch mehrere starke Aktionen, durch ständiges Rochieren war er für die Bremer nie zu packen. Note 1,0.
Juan Arango: Von Beginn an sehr präsent, stellte er sich in den Dienst der Mannschaft. Er grätschte, arbeitete nach hinten und spielte teilweise fast schon den dritten 6er. Tauschte mit Herrmann mehrfach die Seite, rückte ein, zog sich dann wieder ganz auf die Außenbahn zurück. Stark seine Vorarbeit zum 1:0, überragend sein Schuss zum 5:0. Ein Traumtor. Auch nachdem das Spiel schon entschieden war, ging er noch weite Wege in die Spitze. Von Länderspielübermüdung keine Spur, wobei nicht wirklich schlüssig war, warum Arango bis zum Ende durchspielte und nach den Strapazen nicht etwas geschont wurde. Note 2,0.
Mike Hanke: Es kommt nicht von ungefähr, dass Mike Hanke nach den beiden 6ern die längste Laufdistanz aller Borussen zurücklegte. Schon lange ist Hanke alles andere als ein Stürmer im herkömmlichen Sinne ist, der vorne auf die Bälle wartet. Auch gegen Bremen war er vielmehr die flexible Anspielstation in Höhe der Mittellinie. Immer wieder setzte er seine Mitspieler in Szene, selbst schwierigste Zuspiele wusste er zu verarbeiten. So bei seinem Super-Zuspiel zu Neustädters-Großchance nach akrobatischer Ballannahme. Auch am Führungstreffer war er ursächlich beteiligt. Zunächst mit einem gewonnenen Kopfballduell, dann behauptete er mit geschickter Grätsche den Ball und legte zurück auf Arango. Hanke spielte außerordentlich mannschaftsdienlich und wenn die Mannschaft 5:0 gewinnt ist es letztlich unerheblich, dass er selbst wieder nicht traf. Allerdings hätte er es nach dem missglückten Herrmann-Schuss eigentlich machen müssen, als er mit links über das Tor zielte. Beim Abstaubertor nach Jantschke-Schuss stand er leider im Abseits. Note 2,5.
Marco Reus: Er ist im Moment in einer absoluten Topverfassung, was sich vor allem in einer konstant guten, ja atemberaubenden Abschlussquote ausdrückt. Drei Torschüsse, drei Tore, in den letzten drei Spielen sieben Volltreffer. Schoss er vor Wochen bei gleichem Aufwand noch eine Menge Fahrkarten, ist er aktuell unwiderstehlich sicher vor dem Tor. Doch natürlich darf man Marco Reus nicht nur auf die Tore reduzieren. Er ist darüber hinaus der Fixpunkt des Gladbacher Offensivspiels, der mit allen Freiheiten ausgestattet einfach überall zu finden – für den Gegner aber nicht einzufangen ist. Wenn ein Team wie Werder so hoch verteidigt, aber gleichzeitig eher hüftsteife und langsame Defensivspieler hat, ist das für Reus mit seinen Antritten ein gefundenes Fressen. Und er machte daraus ein richtiges Festmahl. Note 1,0.
Roel Brouwers: Schon beeindruckend, wie er sich auf den Punkt konzentrieren kann und ins Spiel einfügt. Wiederholt hat der Niederländer schon bewiesen, dass er nach solch einem ‚Kaltstart‘ direkt da ist. Einmal musste er sich selbst korrigieren, als ihm der Ball versprang, ansonsten löste er die Aufgaben ruhig und souverän, 95% seiner Pässe fanden den eigenen Mitspieler. Note 3,0.
Raúl Bobadilla: Kam in den letzten neun Minuten, als das Spiel schon lange gelaufen war. Konnte sich nicht mehr nachhaltig in Szene setzen. Ohne Note.
Oscar Wendt: Durfte die verbleibenden drei Minuten mitmischen, damit Marco Reus vom Publikum gefeiert werden konnte. Wendt ging auf die linke Seite, hatte sogar noch fünf Ballkontakte und brachte alle Pässe an den Mann. Ohne Note.