Montag, 21. November 2011 - 07:27 Uhr
Dass die Gastauftritte der Bremer im Borussia Park stets das Eintrittsgeld wert sind, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Doch eine derartige Galavorstellung gegen den bis dato Tabellendritten dürften selbst die größten Optimisten nicht prognostiziert haben.
Obwohl es in den ersten zwanzig Minuten noch nach einem umkämpften Duell auf Augenhöhe aussah, bei dem die Gäste sogar den etwas reiferen Eindruck hinterließen, brachen mit dem etwas überraschenden Führungstreffer der Gladbacher alle Dämme. »Wir haben fast aus dem Nichts das 1:0 gemacht. Bremen war am Anfang die bessere Mannschaft. Wir haben im Spielaufbau viele Fehler und unnötige Fouls gemacht. Aber wenn's läuft dann schießt man das 1:0 und so sind wir zu alter Stärke zurückgekommen und haben das Spiel dominiert«, analysierte Matchwinner Marco Reus, der mit drei Toren am Samstag und zwei aufeinanderfolgenden Doppelpacks zuvor, allmählich zum Angriff auf Mario Gomez bläst.
Bezeichnend für das große Selbstbewusstsein der Borussen, dass der eher kleine und schmächtige Flügelflitzer Patrick Herrmann in Mittelstürmermanier zur Führung einköpfte. »Das war nicht mehr all zu schwer. Es waren nur drei, vier Meter«, relativierte der Torschütze seine Kopfballfähigkeiten. Neben dem Treffer gelang auch Patrick Herrmann an diesem Novembernachmittag fast alles. Er bewies endgültig, dass er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gemacht hat. Noch vor einigen Monaten hätte man dem etwas schüchtern wirkenden Saarländer solche Flankenläufe wohl nicht zugetraut. »Man kann sich immer verbessern. Je mehr Spielpraxis man bekommt umso besser wird es mit der Zeit, das ist ganz normal. Hoffentlich bekomme ich noch mehr Gelegenheiten, ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen«, erklärte der U-21 Nationalspieler seine Leistungsexplosion.
Doch einzig und allein die Torschützen wie Herrmann, Reus und Arango, der sich mit seinem Außenrissthammer zum 5:0 Endstand wohl um das Tor des Monats bewerben dürfte, hervorzuheben, würde der herausragenden Leistung des gesamten Teams nicht gerecht. »Die Mannschaft ermöglicht Patrick und Marco solche Spiele wie heute«, stellte auch Sportdirektor Max Eberl die Leistung des Kollektivs in den Vordergrund.
Neben der Offensive wusste die Defensive ebenfalls zu überzeugen und ließ gegen namenhafte Spieler wie Pizarro, Arnautovic, Hunt und Ekici so gut wie gar keine Torchancen zu. »Es ist kein Problem, dass momentan nur über die Offensive gesprochen wird. Wir sind, glaube ich, die zweit beste Abwehr der Liga, das ist Lob genug«, gab sich der nach zuletzt schwächeren Spielen wiedererstarkte Tony Jantschke bescheiden.
Auch ein Roel Brouwers, der „kalt“ für den bereits in der ersten Halbzeit verletzten Martin Stranzl in die Partie kam, war sofort präsent und meisterte seine Aufgabe gewohnt zuverlässig und souverän. »Jedes Mal wenn man nicht spielt, ist man enttäuscht. Wenn man seine Chance bekommt, dann muss man da sein«, empfahl sich der ambitionierte Innenverteidiger erneut für die Startelf. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die sportliche Führung momentan mit Hochdruck an einer Vertragsverlängerung des Niederländers arbeitet. »Ich hoffe in dieser Woche einen bis 2014 laufenden Vertrag unterschrieben zu können«, verriet Brouwers den aktuellen Stand der Dinge.
Wie gut der Zusammenhalt sowie die Stimmung innerhalb der Mannschaft sind, zeigen nicht nur die aktuellen Vertragsverlängerungen von ter Stegen und Brouwers, sondern vor allem der neu einstudierte Torjubel. Nachdem sich beim dritten und vierten Treffer noch kleine Tanzgruppen bildeten, lud Arango nach dem 5:0 zum Tanz mit der gesamten Mannschaft, inklusive Torwart. »Der Tanz war eine Idee von Dante und mir. Ich habe zu ihm gesagt, es gibt ja dieses Lied von Neymar, bei dem er im Video diesen Tanz macht. Wenn wir ein Tor schießen, dann machen wir den Tanz. Bei meinem ersten ist er nicht gekommen, da war ich ein bisschen enttäuscht«, erklärte Reus das neue Ritual.
Trotz aller Euphorie waren sich Mannschaft und Trainer nach der Partie darin einig, dass das 5:0 nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme sei [siehe auch: Einfach nur genießen], die man zwar genießen, aber nicht überbewerten sollte. »Es ist natürlich schön für die Fans, wenn man zuhause 5:0 gewinnt, trotzdem bleiben wir auf dem Boden«, zeigte sich Choreograph Dante bodenständig.
Deshalb richteten Spieler und Fans schon voller Vorfreude den Fokus auf das anstehende Derby in Köln am Freitagabend. »In Köln erwartet uns ein ganz anderes Spiel, da geht es über den Kampf. Das Derby ist immer heiß, es ist kein normales Spiel. Auch für uns nicht. Wir werden alles geben und hochkonzentriert sein«, stimmte Dante seine Mannen auf die Reise in die Domstadt ein und Tony Jantschke ergänzte: »Wir wollen in Köln was mitnehmen, das sind wir unseren Fans schuldig«.
Dem ist nichts hinzuzufügen …