Sonntag, 20. November 2011 - 13:02 Uhr
Seit sieben Jahren spielt Borussia Mönchengladbach mittlerweile im ‚Borussia-Park‘, eine solche Gala wie an diesem Nachmittag hat die neue Heimat der Fohlen bislang noch nicht erlebt. Was das ‚weiße Ballett‘ um Marco Reus beim 5:0 gegen Werder Bremen da teilweise an Hochgeschwindigkeitsfußball auf den Rasen zauberte, war schlichtweg Fußball der Güteklasse A und ließ freudetrunkende Zuschauer zurück.
Während sich ganz Mönchengladbach berauscht in den Armen lag und ein wunderbares Fußballfest feierte, saß Lucien Favre im Presseraum des Stadions und sprach mit leiser Stimme. Von »einem schweren Spiel«, von »großen Schwierigkeiten«, von »Problemen zu Verteidigen« und von »Glück«.
»Am Ende ist das 5:0 zuviel«, sagte er und fügte im Anschluss an die offizielle Pressekonferenz in der üblichen Runde mit den Journalisten an, dass »das 5:0 nicht viel mit der Leistung zu tun« habe.
»Als Trainer muss ich das Spiel analysieren und da gibt es vieles zu korrigieren«, verteidigte Favre seinen Tritt auf die Euphoriebremse. »Einiges war nicht so gut. Wir hatten zu Anfang viele unnötige Foulspiele, hatten Probleme zu verteidigen und viele Halbchancen zugelassen. Zum Glück haben wir das 1:0 gemacht, damit wuchs das Selbstvertrauen. Aber wir waren lange nicht so souverän, wie man aufgrund des Ergebnisses denken könnte«.
Immerhin gab Favre zu, dass es phasenweise »fantastische Kombinationen« seiner Mannschaft zu sehen gab und dass er natürlich »extrem zufrieden« sei, Werder Bremen besiegt zu haben. Doch zu mehr als dem Lob, dass »wir im richtigen Moment in die Tiefe gegangen sind«, wollte sich der Schweizer nicht hinreißen lassen.
Den Ball flach halten ob all der Lobeshymnen, die über Borussia Mönchengladbach hereinbrechen, scheint die oberste Prämisse des 54-Jährigen zu sein. Selbst die Anerkennung, dass seine Handschrift zu erkennen sei, tat Favre als Selbstverständlichkeit ab. »Sonst wäre ich kein guter Trainer«.
Und weil er das ist, richtete sich sein Blick gleich schon auf das Derby am Freitag. Er warnte vor der Kölner Heimstärke, zählte die gefährlichen Offensivkräfte des FC auf und wies eine Favoritenrolle im prestigeträchtigen Duell in der Domstadt von sich.
»Wir dürfen es nicht übertreiben«, warnte Favre nochmals vor einer überkochenden Erwartungshaltung. Dass seine Spieler sich davon anstecken lassen werden, schloss Favre allerdings aus. »Sie bleiben auf dem Boden«, sagte er mit Bestimmtheit.
Wenn Lucien Favres Mannschaft aus dieser geerdeten Grundausrichtung so weiter macht, könnte der Borussia-Park schon in naher Zukunft weitere Fußballfeste erleben, wie an diesem Novembersamstag gegen Werder Bremen.