Samstag, 12. November 2011 - 18:15 Uhr
Mit Ausnahme von Martin Stranzl, Roel Brouwers und Filip Daems, nutzte Trainer Lucien Favre das Testspiel bei Rot-Weiss Oberhausen in erster Linie dazu, um den Reservisten ein wenig Spielpraxis zu geben. So durften sich Perspektivspieler aus der U-23 wie Niklas Dams und Julian Korb wieder einmal in der Profimannschaft zeigen. Doch trotz der vielen Änderungen entwickelte sich direkt zu Beginn der Partie im Niederrheinstadion vor einer Geisterkulisse ein zunächst munteres Spiel.
Nachdem RWO bereits in der 1. Minute mit einem sehenswerten Angriff auf sich aufmerksam machen konnte, ließ die Antwort der Borussen nur wenige Sekunden auf sich warten. Nach schwacher Ballannahme des Oberhausener Innenverteidigers Tobias Willers, präsentierte sich Raúl Bobadilla hellwach und lief alleine auf das Tor der Gastgeber zu. Der erste Versuch den Ex- Borussen Michael Melka zu umkurven misslang, doch der Argentinier konnte den Ball behaupten und schob mit Übersicht zur frühen Gästeführung ein.
Dem zeitigen Rückstand zum Trotz ließ sich der von Mario Basler trainierte Regionalligist, nicht entmutigen und wurde vor allem durch Distanzschüsse und Standardsituationen gefährlich. Nach diesem ereignisreichen Auftakt verflachte das Spielgeschehen aber zusehends und fand von nun an überwiegend im Mittelfeld statt. Die Borussen dominierten die Partie in Form von Ballbesitz, ohne dabei zu glänzen. Vor allem im Spiel nach vorne fehlte die letzte Entschlossenheit und Präzision.
In der 28. Minute kam dann wieder etwas Bewegung in die Begegnung. Der Oberhausener Timo Kunert setzte sich auf dem linken Flügel durch und zog mit so viel Tempo in den Gladbacher Strafraum, dass sich der etwas hüftsteif wirkende Martin Stranzl nur noch mit einem Foul zu helfen wusste. Folgerichtig zeigte Schiedsrichter Martin Thomsen auf den Punkt und zückte die Gelbe Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Mike Terranova souverän zum Ausgleich.
Kurz vor Ende der ersten Hälfte wurde auch die Borussia noch einmal gefährlich, doch sowohl Niklas Dams als auch Thorben Marx scheiterten in aussichtsreicher Position und so blieb es beim 1:1 Pausenstand.
Mit Wiederanpfiff stellte Lucien Favre seine Mannschaft um. Hanke und Neustädter kamen für Daems und Stranzl in die Partie. Daraus resultierten zahlreiche taktische Umstellungen auf dem Feld. Wendt und Dams rückten in die Abwehr und Leckie auf die linke Seite.
Die Borussia agierte zu Beginn der zweiten Hälfte deutlich offensiver und ging in der 54. Minute erneut in Führung. Nach einem Freistoß von Wendt an der Strafraumgrenze scheiterte Brouwers zunächst per Kopf am eingewechselten Oberhausener Torwart Torben Krol. Den Abpraller verwertete der Niederländer aber in Stürmermanier.
Beeindruckt von der erneuten Führung der Gladbacher, wirkten die Gastgeber unsicher. So überraschte es wenig, dass Bobadilla in der 60. Minute seinen zweiten Treffer am heutigen Nachmittag markieren konnte. Mit seiner robusten Art schüttelte er seinen Gegenspieler ab und lupfte cool über den herauslaufenden Keeper.
Mit dem 3:1 war die Partie entschieden, die Oberhausener ergaben sich ihrem Schicksal und die Borussen stellten ihre Offensivbemühungen weitgehend ein. Doch als sich beide Seiten schon mit dem 3:1 abgefunden hatten, sorgte ein Konter kurz vor Ende der Partie für den 4:1 Endstand. Erneut war es Bobadilla, der alleine auf das Oberhausener Tor zulief, aber dieses Mal den Treffer Roman Neustädter überlies.
Obwohl das Ergebnis eine deutliche Sprache spricht, nutzte lediglich Raúl Bobadilla in Reihen der Reservisten den Ausflug nach Oberhausen um sich bei seinem Trainer zu empfehlen. Das 4:1 gegen den kriselnden Drittligisten ist somit eher als gute Trainingseinheit einzuordnen.
So sah es auch Lucien Favre im Anschluss an die Partie. »Für mich war die Leistung heute okay«, sagte der Schweizer. »Wichtig war, dass einige Spieler Praxis bekommen haben. Für sieben, acht Spieler war es gut, heute 90 Minuten zu spielen. Sie brauchen das«.
Das galt u.a. für Yuki Otsu, der weiterhin nicht über den Status des Ergänzungsspielers hinaus kommt. »Er hat gut gespielt«, lobte Favre den Japaner, schränkte aber auch ein. »In so einem Freundschaftsspiel ist es schwer, einen Spieler zu beurteilen«. Und so müssen sich Otsu & Co weiter in Geduld üben. »Junge Spieler wie Rupp, Zimmermann, Otsu und Korb brauchen Zeit. Es ist auch eine Frage des Tempos. Sie machen aber ihre Fortschritte, step by step«, meinte Favre.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth – Korb, Stranzl (46. Neustädter), Brouwers, Daems (46. Hanke) – Dams, Marx – Otsu, Wendt – Leckie (61. Bieler), Bobadilla
weiter im Kader: Löhe (ETW)
Tore: 0:1 Bobadilla (2.), 1:1 Terranova (28. / FE), 1:2 Brouwers (54.), 1:3 Bobadilla (60.), 1:4 Neustädter (88.)
Zuschauer: 1.408 in Oberhausen