Dienstag, 08. November 2011 - 07:34 Uhr
Marc-André ter Stegen: In Berlin wieder als mitspielender Torwart gefragt, was er durchweg gut löste. Mehrfach zeigte er mit frühem Herauslaufen, dass der Strafraum sein Revier ist. In zwei, drei Situationen zögerte er kurz, traf dann die richtige Wahl. Beim Gegentor mit Pech, als er den Winkel verkürzte, Ramos Schuss jedoch durch seine Beine flutschte. Die beiden anderen Torschüsse, die Berlin abgab, parierte ter Stegen genauso sicher, wie er die Flanken oder Ecken pflückte. Wichtig und intelligent, wie er in der hektischen Schlussphase den Ball hielt und Ruhe ins Spiel brachte. In der Nachspielzeit hielt er gegen Ramos den Sieg fest. Note 2,5.
Tony Jantschke: Erwischte einen holprigen Start in die Partie. Der erste Ball versprang ins Seitenaus, kurz darauf konnte er Rukavytsya nicht am Flankenlauf hindern. Durch die früh störenden Berliner im Aufbau oft unter Druck, suchte er auch mangels Anspielstationen meistens den Weg zurück. Musste in einige Laufduelle und Zweikämpfe, die er nicht für sich entscheiden konnte. Dafür am Ball mit der nötigen Ruhe und ohne Panikaktionen. Jantschke spielte einige gute Bälle, u.a. einen überraschenden Flachpass auf Reus oder eine gute Weiterleitung auf Herrmann. Für ein nötiges taktisches Foul wurde er nicht mit Gelb bestraft. In der zweiten Halbzeit sehr stabil, konnte allerdings den Lattenschuss von Raffael nicht verhindern. Note 4,0.
Martin Stranzl: Eine gewohnt solide und unaufgeregte Leistung des Innenverteidigers. Konzentriert, kompromisslos und dennoch sauber. Ein Maik Franz auf der anderen Seite sollte sich ein Beispiel nehmen, wie man gut verteidigt ohne dabei Amok zu laufen. Im Aufbauspiel im ersten Durchgang mit zwei, drei ungenauen Pässen, später fast fehlerfrei. Stranzl blieb souverän, vor allem in der Drangphase der Hertha. Note 3,0.
Dante: Wirkte im ersten Durchgang einigermaßen unkonzentriert. Nicht nur in der Szene, als er ein ter Stegen-Zuspiel verschlief und den Ball ins Seitenaus springen ließ. Auch darüber hinaus mit einigen Aktionen, die etwas sehr lässig daher kamen. Beim Gegentor fehlte der letzte Tick, um Ramos noch entscheidend stören zu können. Sah Gelb nach einem risikobehafteten Einsteigen. Zwar traf er den Ball und im Vergleich mit dem nicht mit Gelb (bzw. Rot) geahndeten Franz-Tritt gegen Reus war es weniger schlimm, dennoch konnte man die Verwarnung aussprechen. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich Dante und fand seine Linie. Note 4,0.
Filip Daems: Wurde ebenfalls zu Beginn früh unter Druck gesetzt, suchte sein Heil dabei aber durchaus im Weg nach vorne. So hatte er in der Anfangsphase selbst eine Schusschance. Ansonsten sehr sicher im Passspiel, ohne Risiko und Fehler. Vor dem 0:1 involviert, als er den schlechten Pass von Arango nicht mehr erreichte und Hertha über die nun offene linke Seite das Tor einleitete. Darüber hinaus löste er vieles mit Routine, lief einiges ab und kam kaum mehr in brenzlige Situationen. Stark sein Crossball auf Arango vor dem 2:1. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Hatte wie die Kollegen am Anfang Mühe, sich auf die früh störenden Berliner einzustellen. Bei eigenem Ballbesitz lief genauso wie bei der Balleroberung zunächst wenig. In der zweiten Halbzeit änderte sich das, als der Norweger deutlich mehr Zug in den Aktionen hatte und weitaus bissiger agierte. Er eroberte mehr Bälle und holte einige Freistöße in der eigenen Hälfte heraus. Sein Passspiel ist zwar immer noch nicht so gradlinig wie schon gesehen, dennoch zeigte die Kurve in Berlin nach der Pause wieder nach oben. Note 4,0.
Roman Neustädter: Ebenso wie Nebenmann Nordtveit über weite Strecken der ersten Halbzeit suchend. In der Rückwärtsbewegung nach Raffael, in Richtung Berliner Hälfte nach Anspielstationen. Da fehlte es durchweg an Kreativität und Tempo. Nach der Pause mit einer absoluten Leistungssteigerung. Er war präsenter und spielte zwei wirkliche 1A-Pässe in den Lauf von Reus – einmal aus dem Spiel heraus und einmal bei einem clever schnell ausgeführten Freistoß. Als Balleroberer sehr aufmerksam, stellte zudem die Passwege rechtzeitig zu und erstickte so mögliche Gefahr bereits im Keim. Wieder einmal mit den meisten Kilometern aller Borussen. Hätte die gute zweite Halbzeit allerdings mit einem Tor abrunden müssen, als er seine Schusschance etwas leichtfertig vergab. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Auch wenn er in manchen Momenten noch etwas flattrig wirkt, scheint er sich immer besser zurechtzufinden. Er ist zwar nicht der Spieler, der in einer passiven Phase wie in den ersten 30 Minuten das Geschehen an sich reißt, er kann aber durchaus etwas beitragen. So wie den feinen Pass auf Reus zum Ausgleich, mit dem Borussia quasi erweckt wurde. Sowohl später die Vorbereitung zu Neustädters Großchance als auch sein Distanzschuss nach Wiederbeginn waren gelungen. Er sollte sich ruhig noch mehr zutrauen, selbst wenn ihm vorne dann mehr Fehler unterlaufen sollten. Defensiv muss er noch an Effektivität zulegen. Er assistierte zwar Jantschke bei so manchem Duell, doch wirklichen Zugriff bekam er selten. Da braucht es noch ein Stück körperliche Robustheit. Note 3,0.
Juan Arango: Wirklich schade, dass die Länderspielpause für den Venezolaner keine ist – im Gegenteil. Denn wie sich schon zuletzt andeutete, machen sich die Strapazen der letzten Monate bemerkbar. Das war auch in Berlin zu sehen, wo es Arango an Frische fehlte. An körperlicher, vor allem jedoch an geistiger. Er hatte mehrere schlampige Pässe im Repertoire, einer davon wurde mit dem Gegentor bestraft. Dennoch versuchte er Impulse nach vorne zu setzen. Das gelang mit einigen guten Anspielen, u.a. ein ganz langer Seitenwechsel auf Herrmann. Ganz stark, wie er vor dem 2:1 einlief und den Ball mitnahm. Allerdings hätte er das Tor eigentlich selbst schon erzielen müssen – zum Glück war Reus dann zur Stelle. Note 4,0.
Mike Hanke: Spielte auch im Olympiastadion eher die Rolle eines zusätzlichen Mittelfeldspielers, als die des Stürmers. Sein Arbeitsbereich war Höhe der Mittellinie, statt im gegnerischen Strafraum. Als das Spielfeld im ersten Durchgang sehr eng war, verzettelte sich Hanke oft im vielbeinigen Zentrum. Später mit etwas mehr Raum mit der einen oder anderen gelungenen Weiterleitung und einem guten Zuspiel auf Reus. Obwohl Hankes Zweikampfbilanz mit 21,4% schlecht war, trug er mit seiner Laufarbeit zur Stabilität bei. Note 4,0.
Marco Reus: Obwohl nominell als Spitze aufgeboten, agierte auch Reus eher wie ein Mittelfeldspieler. Er half ständig in der eigenen Hälfte bei der kollektiven Balleroberung mit und wusste die richtigen Momente auszuwählen, um schnell in die Spitze zu sprinten. Diese Antritte und Dribblings in höchstem Tempo sind nur schwer zu verteidigen. So war Reus für Franz beim 1:1 schlichtweg zu schnell. Gut, dass sich Reus von Franz nicht provozieren ließ und sich auf sportliche Art mit dem zweiten Tor revanchierte. Nur das tut dem Gegner richtig weh – noch dazu mit so einem klasse Volley-Schuss. Noch vor zwei Wochen wurde Reus wegen seiner Chancenverwertung getadelt, nach Berlin darf man ihn ob seiner gnadenlosen Effektivität feiern. Note 2,5.
Matthias Zimmermann: Kam in der Schlussphase zu seinem kurzen Bundesligadebüt. Sollte helfen, die rechte Seite zu schließen. Der Ex-Karlsruher konnte sich dabei nicht nennenswert in Szene setzen. Ohne Note.
Raúl Bobadilla: Ersetzte in den letzten fünf Minuten Hanke und beschäftigte die Berliner Abwehr ordentlich. Geriet sofort mit Franz aneinander und man kann sich ausmalen, dass dieses Duell bei einer längeren Spielzeit nicht glimpflich geendet hätte. So hatte Bobadilla noch eine gute Chance, als er den Ball am Torwart vorbei bugsierte, aber auch am Tor. Ohne Note.
Thorben Marx: Als in der Nachspielzeit an der Uhr gedreht werden sollte, kam Marx für Reus. Immerhin hatte er an alter Wirkungsstätte noch einen Ballkontakt. Ohne Note.