Samstag, 05. November 2011 - 17:28 Uhr
Borussias Trainer Lucien Favre vertraute bei seiner Rückkehr ins Berliner Olympiastadion der gleichen Elf, die am vergangenen Wochenende Hannover 96 mit 2:1 besiegte. Martin Stranzl, gegen Hannover noch vor der Pause verletzt ausgewechselt, stand wieder zur Verfügung und auch die anderen Akteure, die zu Wochenbeginn noch angeschlagen waren, meldeten sich rechtzeitig fit.
Die Borussen starteten sehr verhalten in die Partie, überließen Berlin in der Anfangsphase komplett das Spiel. Die Herthaner kamen in dieser Phase zu zwei Halbchancen, mehr vermochten sie vom deutlich höheren Ballbesitz nicht zu profitieren.
Nach und nach verteilten sich die Spielanteile gerecht auf beide Teams, die sich weitestgehend im Mittelfeld neutralisierten. Die Borussen wirkten allerdings eigenartig uninspiriert und regelrecht träge. Sie schafften es im Spiel nach vorne kaum, das Tempo anzuziehen. Und auch im Defensivverbund wirkten die Gladbacher nicht wirklich wach, was sich in der 18. Minute rächen sollte.
Auf der linken Seite brachte Arango seinen Kollegen Daems mit einem schlampigen Zuspiel in Bedrängnis, das dieser nicht verarbeiten konnte. Rafael profitierte, inszenierte einen Angriff über die linke Gladbacher Seite, auf der der aufgerückte Daems nun fehlte. Der Berliner passte in den Lauf von Ramos, der mit einem Flachschuss durch die Beine von Marc-André ter Stegen zur Berliner Führung einnetzte.
Der Führungstreffer der Gastgeber lag nicht unbedingt in der Luft, war angesichts der engagierteren Spielweise der Hauptstädter jedoch nicht unverdient. Die Herthaner zogen sich allerdings nach diesem Tor eine Linie weiter zurück und überließen nun den Gladbachern das Spiel.
Die wiederum wussten ihrerseits aus dem erhöhten Ballbesitz kein Kapital zu schlagen. Vieles dauerte zu lange, zwingend wurde man nicht mal im Ansatz. Ein ‚Freistößchen‘ von Arango in der 29. Minute in die Arme von Kraft war zumindest mal ein Torschuss der harmlosen Fohlen.
Das Spiel plätscherte so dahin, als plötzlich wie aus dem Nichts der Ausgleich fiel. Herrmann bediente auf halblinks Reus, der im Strafraum Franz entwischte und den Ball an Kraft vorbei ins lange Eck bugsierte (33.).
Und mit diesem Tor war nun Leben in der Bude, was sich vor allem in einigen Zweikämpfen ausdrückte. Zunächst senste Franz am Mittelkreis Reus um, ohne dafür verwarnt zu werden. Kurz darauf sahen Herrmann und später noch Dante für Aktionen Gelb, die nicht einmal im Ansatz so geahndet werden durften.
Doch mehr als die durch Schiedsrichter Welz verursachte Hektik brachte die Partie bis zum Pausenpfiff nicht. Weder die Borussen noch die Herthaner zeigten sich gefährlich in den Strafräumen.
Das sollte sich in der zweiten Halbzeit ändern, denn beide Teams erhöhten mit Wiederanpfiff die Schlagzahl. Berlin attackierte nun früher, die Borussen hielten aggressiver dagegen und nutzten nach Ballgewinnen die Räume, in dem sie endlich mit Tempo durchs Mittelfeld spielten.
Und schon gab es Möglichkeiten. Zunächst durch Herrmann, der es mit einem leicht abgefälschten Schuss aus zwanzig Metern versuchte (48.). Und dann für Arango, der nach einem schönen Crossball von Daems über rechts in den Strafraum lief und aus spitzem Winkel an Kraft scheiterte. Doch Marco Reus passte auf und nagelte den Rebound aus zwölf Metern halbrechts mit einem fulminanten Schuss in den Winkel (55.).
Die Borussen hatten das Spiel gedreht und Berlin am Rückstand deutlich zu knabbern. Der Aufsteiger wirkte verunsichert, kam nicht mehr in die Zweikämpfe und konnte vor allem kein gefährliches Offensivspiel aufziehen.
So hatten die Fohlen alles im Griff und waren klar Herr im Olympiastadion. Sie verpassten es allerdings, mit dem dritten Treffer für eine vorzeitige Entscheidung zu sorgen. So wie Neustädter, der nach einem schönen Rückpass von Herrmann von der Strafraumgrenze knapp am Tor vorbei zielte, als er den Innenrist wählte, anstatt mit Wucht abzuschließen (69.).
Daher blieb es eng, zumal sich Berlin langsam aber sicher wieder berappelte. So hatten die Borussen in der 72. Minute großes Glück, als Rafael das Leder aus 16 Metern halbrechter Position ans Lattenkreuz schoss. Vier Minuten später scheiterte Ramos an ter Stegen.
Auf der anderen Seite wurde ein Schuss von Reus nach einem Konter geblockt (82.) und so ging das Zittern für den VfL weiter. Berlin wechselte offensiv aus, während bei Borussia Matthias Zimmermann zu seinem Bundesligadebüt kam. Der Ex-Karlsruher ersetzte Patrik Herrmann und sollte helfen, die rechte Seite zu schließen.
Berlin kam bis zur Nachspielzeit zu keiner nennenswerten Gelegenheit, während die Borussen durch den eingewechselten Bobadilla hätten erhöhen können. Der Argentinier bugsierte den Ball zwar an Hertha-Keeper Kraft, jedoch auch am Tor vorbei (89.).
In der Nachspielzeit hielt dann Marc-André ter Stegen seinem Team den Sieg fest, als er sich in den Lauf von Ramos warf und diesem den Ball vom Fuß fischte (92.).
Am Ende stand der dritte Auswärtssieg für Borussia Mönchengladbach in dieser Saison fest. Es war beileibe keine Galavorstellung der Fohlen, vor allem in der ersten Halbzeit blieb man vieles schuldig. Doch aufgrund der Treffsicherheit von Marco Reus und einer konzentrierte n Defensivleistung mit einem starken Marc-André ter Stegen verdiente sich die Truppe von Lucien Favre bei dessen Rückkehr nach Berlin den dreifachen Punktgewinn.
Kurzstatistik zum Spiel:
Hertha BSC: Kraft – Lell, Mijatovic, Franz, Kobiashvili - Niemeyer, Ottl (82. Ben-Hatira) – Rukavytsya (66. Ebert), Raffael, Ramos - Lasogga (71. Torun)
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Herrmann (83. Zimmermann), Arango – Reus, (90. +3 Marx), Hanke (85. Bobadilla)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Wendt, Brouwers, Otsu
Tore: 1:0 Ramos (18.), 1:1 Reus (33.), 1:2 Reus (55.)
Gelbe Karten: - Herrmann, Dante
Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)
Zuschauer: 60.556