Montag, 31. Oktober 2011 - 23:56 Uhr
Marc-André ter Stegen: Der ‚Pokalheld‘ von Heidenheim lieferte wieder eine gewohnt saubere Partie ab. Lange Bälle in den Strafraum pflückte er wie selbstverständlich, er antizipierte stets ausgezeichnet. Auch die Schüsse, die auf sein Tor kamen, hielt er sicher. Beim Gegentor sah er nicht glücklich aus, als er beim Herauslaufen den entscheidenden Moment zögerte und darauf spekulierte, dass Dante vor Pogatetz an den Ball kam. Allerdings sind solche Situationen für einen Torwart, besonders wenn die Abwehrspieler nicht einheitlich agieren, immer ein Vabanquespiel. Als mitspielender Keeper bekannt souverän, jedoch in der zweiten Halbzeit mit zwei, drei Abschlägen direkt in die Füße eines Hannoveraners. Note 2,5.
Tony Jantschke: Wie zuletzt schon Hoffenheim, hatte auch Hannover die rechte Gladbacher Abwehrseite als bevorzugte Angriffsfläche ausgemacht. Besonders der starke Christian Pander bereitete Jantschke immense Schwierigkeiten und fast alle Angriffe liefen über den Ex-Schalker. Jantschke bekam ihn nicht in den Griff, hatte Schwierigkeiten im Stellungsspiel und in die Zweikämpfe zu kommen. Sein Passspiel war dagegen bis auf zwei, drei ‚unforced errors‘ solide, wobei er selbst in der Offensive nichts beitragen konnte – mit Ausnahme des Anspiels auf Hanke vor dem 1:0. Note 4,5.
Martin Stranzl: Nach seinem ‚Ausflug‘ im Pokalspiel auf die rechte Abwehrseite nunmehr wieder auf der angestammten Position als Innenverteidiger. Machte bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung in der 44. Minute eine gewohnt solide Partie. Er verlor keinen seiner acht Zweikämpfe, brachte nahezu alle Pässe zum eigenen Mann und es wurden satte 57 Ballkontakte gezählt. Sein Landsmann Pogatetz, Innenverteidiger auf der anderen Seite, hatte in 90 Minuten gerade 49 Ballkontakte. Note 2,5.
Dante: Borussias Abwehrchef machte im Verbund mit Stranzl und später Brouwers ein ordentliches Spiel. Er hatte Abdellaoue komplett im Griff, rückte zudem oft frühzeitig raus, um schon vor der Abwehrkette zu klären bzw. Bälle zu erobern. Einmal sogar bis zur Mittellinie, was jedoch auch Gefahr nach sich ziehen kann. Zwei etwas leichtfertige Ballverluste blieben ohne Folgen, ansonsten war die Spieleröffnung des Brasilianers in Ordnung. In der Drangphase der Hannoveraner verlor auch Dante hin und wieder etwas die Übersicht. Das Gegentor zum zwischenzeitlichen Ausgleich muss er sich ankreiden lassen, da er als einziger Borusse bei der Freistoßhereingabe zurücklief und somit eine mögliche Abseitsstellung aushebelte und zudem ter Stegen zu einer, letztlich falschen, 50:50 Entscheidung nötigte. Note 3,0.
Filip Daems: Defensiv deutlich weniger gefordert als sein Pendant Jantschke auf der rechten Seite. Mit stabilem und gutem Stellungsspiel ließ der Kapitän nichts anbrennen und brauchte nur selten die Grätsche auszupacken. Vor allem in der ersten Halbzeit aktiv im Spiel nach vorne und immer anspielbar auf seiner Seite. Nach der Pause und dem Führungstor nur noch hinten zu finden. Einige enge Situationen überstand er, einmal blockte er gegen Ya Konan in höchster Not. Note 2,5.
Håvard Nordtveit: Die zuletzt etwas bedenkliche Formkurve des Norwegers hat sich mit dem Spiel gegen Hannover etwas stabilisiert. Er ist auf dem Weg zurück, aber noch längst nicht auf altem Niveau. Im Aufbauspiel einmal mit einem bösen Ballverlust und noch ein, zwei leichtfertigen Fehlpässen, darüber hinaus aber ordentlich. Stark sein Seitenwechsel auf Arango vor dem Siegtor. Nordtveit war aufmerksam, nahm immer wieder verlassene Positionen ein. Vor allem als Dante rausrückte oder Stranzl behandelt wurde, war Nordtveit sofort da und füllte die Lücke auf. Note 3,5.
Roman Neustädter: Kam mehr als ordentlich in die Partie, überzeugte mit zeitigen Balleroberungen und zügigem Passspiel. Leider konnte er das Niveau nicht halten, denn es unterliefen ihm nach und nach mehrere zu lässige, ja sogar schlampige Steilpässe, bei denen viel mehr herauszuholen war. Auch schaffte er es nicht, im richtigen Moment das Tempo anzuziehen oder rauszunehmen. Gerade in so engen Spielen wäre es wichtig, wenn er den Rhythmus bestimmen könnte. Zwanzig Minuten vor Schluss musste Neustädter angeschlagen ausgewechselt werden. Note 3,5.
Patrick Herrmann: Durfte sich wieder auf der rechten Bahn austoben, wobei er im Spiel nach vorne einige Male auf sich aufmerksam machen konnte. Er traute sich einiges zu, temporisierte gut und blieb am Ball, bis auf eine Szene nach einer abgewehrten Ecke, ruhig. Nicht immer waren seine Laufwege ideal, was Marco Reus vor der Pause einmal deutlich monierte. In der zweiten Halbzeit brachte Reus Herrmann dann in Position, doch er bekam den Ball im Strafraum nicht mehr unter Kontrolle. Defensiv bis auf eine typische Herrmann-Grätsche weniger gut. Er unterstützte Jantschke gegen Pander und den nachrückenden Schultz nur unzureichend. Note 3,5.
Juan Arango: Auch im Spiel gegen Hannover war er an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Genial sein direktes Zuspiel auf Reus zur Chance vor der Pause und zum Siegtor, dazu mehrere gute Pässe und er selbst hatte die Chance zum 3:1. Dass die letzten Wochen inklusive der Länderspielstrapazen an die Substanz gehen, zeigte sich in mancher Nachlässigkeit im Passspiel bzw. der einen oder anderen längeren ‚Kunstpause‘, die sich Arango nahm. Das hätte, bei ansonsten vernünftiger Defensivarbeit, bei der Chance von Schmiedebach ins Auge gehen können, als Arango zuvor nicht mitlief und die ‚Tür öffnete‘. Nichts mit einem möglichen Kräfteverschleiß haben die Standards zu tun, denen auch gegen Hannover oftmals die Präzision fehlte. Note 3,0.
Mike Hanke: Besser im Spiel als zuletzt in den beiden Auswärtspartien in Hoffenheim und Heidenheim. Doch auch gegen seinen Ex-Club Hannover konnte er nicht an die Leistung gegen Leverkusen anknüpfen. Zwar gelang die starke Weiterleitung auf Reus vor dem 1:0 und dazu spielte er zwei, drei gelungene Direktpässe, doch es versandete auch einiges. Hanke versuchte es mit schon verzweifelt wirkenden Distanzschüssen, kam ansonsten vorne nicht in Position. Wobei er selbst bei Szenen im Strafraum selten in selbigem zu finden war. Er schien sich dann sogar bewusst zurück zu ziehen. Dass er allerdings bei Kontern an der Mittellinie stehen bleibt, kann eigentlich keine taktische Vorgabe des Trainers sein. Außer seinem Schuss aus spitzem Winkel schlichtweg zu wenig torgefährlich. Note 4,5.
Marco Reus: Mit seinen zwei Toren war der Nationalspieler der Matchwinner im Borussia-Park. Wie gehabt verzeichnete er die meisten Torgelegenheiten, war für den Gegner ein ständiger Gefahrenherd und letztlich nicht zu stoppen. Wobei Reus auch diesmal wieder einige gute Gelegenheiten ausließ. Sein erster Treffer war dagegen eigentlich nicht mal eine richtige Chance, denn Pogatetz hatte ihn schon gestellt. Der trockene Schuss ins Eck zeigt, dass es nicht immer ein spektakulärer Knaller sein muss. Das zweite Tor erzwang er im Stile eines Arjen Robben, indem er nach innen zog und platziert abschloss. Darüber hinaus agil und keineswegs eigensinnig. Erstaunlich, dass er das (künstliche) Theater um seine Person offensichtlich ausblendet und einfach das macht, was er kann. Nämlich toll Fußball spielen. Note 1,5.
Roel Brouwers: Kam ‘kalt’ für den verletzten Martin Stranzl eine Minute vor der Pause ins Spiel. Machte sich vor Beginn der zweiten Halbzeit nochmal warm und bot anschließend eine grundsolide Partie. Er hatte nur sehr wenige Ballkontakte und versuchte erst gar nicht, irgendetwas außer der Reihe zu veranstalten. Als es hinten eng wurde, rettete er mit mutigem Einsatz gegen Abdellaoue. Note 3,5.
Thorben Marx: Ersetzte den angeschlagenen Neustädter in den letzten zwanzig Minuten, blieb dabei komplett unauffällig. In den Zweikämpfen unterlegen, seine wenigen (Kurz-)Pässe waren okay. Klärte gegen Schmiedebach, nachdem Arango nicht mitlief. Ohne Note.
Raúl Bobadilla: Stand nach überstandener Verletzung in den letzten acht Minuten auf dem Feld. Kam einige Male auf der linken Seite in Ballbesitz, konnte sich letztlich nur einmal mit einem gelungenen Steckpass auf Arango durchsetzen. Die weiteren Aktionen misslangen. Ohne Note.