Sonntag, 30. Oktober 2011 - 16:41 Uhr
Obwohl Trainer Lucien Favre vor der Partie gegen die Niedersachsen mit einigen Wechseln liebäugelte, kam neben der fast schon üblichen Rotation auf der „Sechs“, lediglich Tony Jantschke nach der in Heidenheim verordneten Verschnaufpause zurück in die Mannschaft. Doch bereits in der ersten Hälfte zwang Favre die Verletzung von Martin Stranzl zu weiteren personellen Änderungen. »Ich bekam ein Knie genau in den Muskel rein, auch ein Nerv ist getroffen. Ich hatte gehofft, dass es mit laufen besser wird aber dann ging gar nichts mehr«, erklärte der Österreicher, der durch Roel Brouwers ersetzt werden musste.
In einem umkämpften Spiel, das die Borussia in der ersten Hälfte weitgehend bestimmte, waren Chancen zunächst Mangelware. »Wir haben die erste Halbzeit dominiert«, analysierte Stürmer Mike Hanke selbstbewusst. Dennoch brauchte es erneut eine Einzelaktion des an diesem Nachmittag alles überragenden Marco Reus. Von Mike Hanke gut in Szene gesetzt zog der Nationalspieler in Arjen Robben-Manier von der rechten Seite in die Mitte und ließ mit seinem Schuss ins kurze Eck 96 Verteidiger Pogatetz und Keeper Zieler alt aussehen. »Beim 1:0 hatte ich zuerst die Idee in die Mitte zu spielen, aber da war keiner und dann habe ich mich für die kurze Ecke entschieden«, schilderte der aufgrund seiner zuletzt schlechten Chancenverwertung in die Kritik geratene Reus.
Leider hielt die Freude über die Führung nur ganze fünf Minuten, da bei einem Freistoß aus dem Halbfeld Dante entgegen der Absprache nicht ‚hoch‘ stehen blieb und dann gegen Pogatetz zu spät kam und Pokalheld Marc-André ter Stegen den entscheidenden Moment mit dem Herauslaufen zögerte. »Beim Gegentor war es so, dass der Ball reinkommt und vorher zwei Spieler den Ball streifen, deswegen habe ich mich dafür entschieden im Tor zu bleiben. Das Pogatetz vorher am Ball ist als Dante ist natürlich schade«, schilderte ter Stegen die Situation aus seiner Sicht.
Mit dem 1:1 gingen beide Mannschaften in die Pause. Im zweiten Durchgang war es wieder Marco Reus, der seine Leistung mit fast einer Kopie seines Treffers krönte und seine Mannschaft erneut in Führung brachte. Nach gutem Zuspiel von Arango zog der 22-jährige von der linken Seite in die Mitte und traf dieses Mal mit seinem starken rechten Fuß in die kurze Ecke. »Persönlich tut es immer gut wenn man trifft und damit der Mannschaft helfen kann. Natürlich habe ich mir meine vergebenen Chancen angeschaut und habe heute versucht es besser zu machen«, zeigte sich Reus nach seinem Doppelpack erleichtert. »Auf Marco ist in den letzten Wochen sehr viel zugekommen, deshalb freue ich mich umso mehr, dass es heute wieder bei ihm geklappt hat«, fühlte Kapitän Daems mit seinem Teamkameraden.
Nachdem man gegen Leverkusen spät den unnötigen Ausgleich kassierte, wollte man dies gegen Hannover unbedingt vermeiden. Dabei überließen die Borussen Hannover das Spiel und hatten letztlich Glück, dass die Niedersachsen mehrere gefährliche Situationen nicht abschließen konnten. »Gerade in der zweiten Halbzeit war es wichtig kein Gegentor zu bekommen und die drei Punkte hier zu behalten. Gegen Leverkusen haben wir überragend gespielt, aber nur einen Punkt geholt. Heute waren wir vielleicht nicht so gut, aber haben die drei Punkte geholt«, erklärte Daems die defensive Ausrichtung nach der Führung.
Die Taktik ging dieses Mal auf, auch wenn einige Kontermöglichkeiten wieder fahrlässig vergeben wurden. »Wenn du führst müssen die kommen und es entstehen Lücken, so hatten wir Chancen zum 3:1. Die haben wir leider nicht genutzt, sonst wäre es ein wenig ruhiger am Ende gewesen«, kritisierte Roel Brouwers. Doch ein überragender Marco Reus und eine letztlich ausreichende Defensivleistung sicherten den bereits fünften Heimsieg in dieser Saison. »Wenn einer zweimal trifft, dann macht er den Unterschied aus. Marco ist einer der dafür die Qualitäten hat, das hat er heute gezeigt«, lobte Brouwers den Matchwinner.
Ähnlich zufrieden äußerte sich Sportdirektor Max Eberl: »20 Punkte aus 11 Spielen, das ist schon eine Aussage an sich. Wir haben bisher sehr konstant gespielt und eine sehr gute Struktur auf dem Platz gehabt«. Das gilt es nun auch auswärts zu untermauern und in Berlin zu punkten.