Donnerstag, 27. Oktober 2011 - 15:10 Uhr
Mit dem Bayernbezwinger vom letzten Wochenende wartet mit Hannover 96 das Überraschungsteam der letzten Saison auf die Borussen. Auch wenn die Niedersachsen, die im Pokal ebenfalls 120 Minuten auf dem Platz standen, zuhause gegen Mainz ausschieden, sieht man im Lager der Gladbacher darin keinen entscheidenden Faktor für die Partie am Samstag. »Der Pokal hat nichts mit der Meisterschaft zu tun. Hannover hat in dieser Saison bereits Bayern, Dortmund und Bremen geschlagen«, will Favre nichts von einem psychologischen Vorteil seiner Mannschaft wissen, die sich im Elfmeterschießen noch ins Achtelfinale des Pokals retten konnte.
Viel mehr beschäftigt sich der Schweizer mit den Stärken und der Spielweise des kommenden Gegners. »Ich habe gehört, dass sie vielleicht ihre Taktik ändern und mit einer Raute spielen. Wir müssen uns auf mehrere Varianten vorbereiten«. Doch noch größeres Kopfzerbrechen als die taktische Ausrichtung bereitet dem Erfolgscoach das direkte Umschalten der Hannoveraner von Abwehr auf Angriff. »Sie sind stark in der Balleroberung und spielen sofort schnell nach vorne, wo sie mit Abdellaoue, Ya Konan und Schlaudraff immer gefährlich sind«, warnte Favre vor leichtfertigen Ballverlusten.
Neben den Stärken des Kontrahenten offenbaren sich ihm nach den bescheidenen Leistungen in Hoffenheim und Heidenheim aber auch einige Baustellen im eigenen Team. So präsentierte sich zuletzt nicht nur die Chancenverwertung, sondern auch die Kreativität im Offensivspiel als verbesserungswürdig. »Wir müssen intelligenter spielen, d.h. unsere Aktionen besser vorbereiten und im richtigen Moment in die Tiefe spielen!«, moniert Favre das mangelnde Spielverständnis seiner Mannschaft.
Um das Offensivspiel wieder in Schwung zu bringen, liebäugelt er mit Veränderungen in der Startelf. Ein mögliches Opfer dieser Überlegungen könnte Mike Hanke sein, der sich im Zusammenspiel mit Marco Reus sichtlich schwer tut, die Rolle des zentralen Stürmers auszufüllen. »Ich überlege kontinuierlich, wir dürfen auch nicht vergessen, dass es gegen Leverkusen mit beiden gut geklappt hat. Aber jedes Spiel ist anders und Leverkusen ist vorbei«, heizt der Schweizer den Konkurrenzkampf an.
Ein potenzieller Konkurrent von Hanke meldete sich nach überstandenem Muskelfaserriss in Person von Raúl Bobadilla heute wieder zurück. »Bobadilla hat die letzten beiden Tage ein leichtes Reha-Training absolviert und trainiert seit heute wieder mit der Mannschaft. Aber er war 10 Tage verletzt, ich denke es ist noch etwas zu früh für ihn«, dementierte Favre die Startelfperspektive des Argentiniers. Der ebenfalls wieder genesene Matthew Leckie soll nach seinem Kurzeinsatz in der Verlängerung dagegen erst einmal Spielpraxis bei der U-23 sammeln.
Gesetzt scheinen Marco Reus und Patrick Herrmann, die schmerzhafte Blessuren aus dem Pokalspiel davontrugen. »Reus und Herrmann werden spielen können, sie haben nur einen Schlag abbekommen«, gab ihr Trainer Entwarnung. Auch Tony Jantschke, der in Heidenheim eine Verschnaufpause erhielt, wird seinen Platz als Rechtsverteidiger wieder einnehmen dürfen.
Überraschend war dagegen ein eher seltener Einblick in Favres Gedankenspiele in Bezug auf Oscar Wendt. Die Frage eines Journalisten, ob Wendt nicht eine gute Alternative für die linke Mittelfeldseite wäre, traf bei ihm auf große Zustimmung. »Das ist eine sehr gute Frage. Es ist gute eine Überlegung ihn im Mittelfeld spielen zu lassen, er hat einen starken Linksfuß«.
Wer sich nun tatsächlich am Samstag in der Startelf wiederfindet, bleibt aber abzuwarten. In den letzten Wochen war Favre immer für eine Überraschung gut. Allerdings dürfte nach den zuletzt mäßigen Leistungen ein gestiegener Konkurrenzkampf nicht die schlechteste Alternative sein, um wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren.