Mittwoch, 26. Oktober 2011 - 23:27 Uhr
Marc-André ter Stegen: Nicht nur wegen der zwei gehaltenen Elfmeter im abschließenden Penaltyschießen war der 19-Jährige der Mann des Abends. Auch schon während der vorangegangen 120 Minuten agierte er fehlerfrei. Ob hohe Hereingaben oder Schüsse aus der Distanz, alles was auf oder in Richtung seines Tores kam, war absolut sichere Beute. Herausragend seine Rettungstat zehn Minuten vor Ende regulären Spielzeit, als er sich vor dem alleine durchgebrochenen Sirigu ganz breit machte und sein Team in der Partie hielt. Im Elfmeterschießen konnte er den Versuch von Andreas Spann relativ problemlos parieren, der Schuss von Tausendpfund war da schon viel schwerer abzuwehren. Cool, cooler, ter Stegen – wohl dem, der so einen Keeper hat. Note 1,0.
Martin Stranzl: Wurde so etwas wie das ‚Rotationsopfer‘ im Pokal. Weil Lucien Favre auf den etatmäßigen Rechtsverteidiger Tony Jantschke verzichtete, durfte sich der Österreicher auf der ungewohnten Position probieren. Die Rolle kannte Stranzl zwar noch von früher, wirklich wohl fühlte er sich auf der Seite allerdings nicht. Er agierte weitestgehend solide, hatte jedoch in zwei Situationen Probleme im Stellungsspiel und ließ den Gegenspieler im Rücken entwischen. Auch in den Zweikämpfen wirkte er nicht so stabil wie als Innenverteidiger. Im Spiel nach vorne konnte er nicht wirklich weiterhelfen. Er schaltete sich zwar einige Male mit ein, doch seine Flankenversuche missrieten. In der Schlussphase hatte er Pech, dass sein Kopfball im Anschluss an eine Ecke noch über den Querbalken gelenkt wurde. Im Elfmeterschießen machte er keine Gefangenen und knallte den Ball hoch unter die Latte. Note 4,0.
Roel Brouwers: Durch die Versetzung von Stranzl auf die rechte Seite wurde der Niederländer in die Startelf gespült und übernahm seine gewohnte Position in der Innenverteidigung. Diese Aufgabe löste Brouwers ohne große Schwierigkeiten, zumal Heidenheim insgesamt nur recht sporadisch nach vorne spielte. In ein, zwei Situationen wirkte Brouwers leicht desorientiert oder auch nur erschreckt, weil er an diesem für die Abwehr beschaulichen Abend in seiner Ruhe gestört wurde. Note 3,5.
Dante: Wie sein Nebenmann Brouwers wurde auch der Brasilianer in der Innenverteidigung wenig gefordert. Dennoch musste er öfter eingreifen als sein Kollege, weil er mehrfach frühzeitig rausrückte und attackierte. Dabei sehr aufmerksam, wenn auch nicht immer im Einklang mit dem Schiedsrichter. Bei der Großchance von Heidenheim war er aufgerückt und hetzte schließlich vergeblich hinter dem Schützen her. Im Spielaufbau öfter mal mit langen Bällen, wobei nur wenige einen Abnehmer fanden. Er selbst hätte in der zweiten Halbzeit mit einem Kopfball am langen Pfosten treffen können, doch der Ball wurde vor der Torlinie geblockt. Im Elfmeterschießen verwandelte er sicher. Note 3,0.
Filip Daems: Nach überstandener Grippe war Borussias Kapitän wieder an Bord und verdrängte Oscar Wendt auf die Bank. Der Linksverteidiger bot eine solide, jedoch weitestgehend unauffällige Leistung. Ohne größere Probleme in der Defensive, vermochte er im Spiel nach vorne wenig zu bewegen. Er beschränkte sich, bis auf einen zur Grundlinie abgeschlossenen Flankenlauf, auf das Nötigste und hielt Arango bzw. Herrmann den Rücken frei. Das Elfmeterschießen eröffnete er, indem er wie gewohnt sicher verwandelte. Note 3,5.
Thorben Marx: Das Wechselspiel mit Håvard Nordtveit geht weiter. Diesmal war der Ex-Herthaner wieder an der Reihe. Vor allem in der ersten Halbzeit mit mehreren Nachlässigkeiten im Mittelfeld, als er gedanklich einfach nicht schnell genug agierte und Bälle verschluderte. Solche leichtfertigen Ballverluste haben in der Bundesliga bittere Folgen. Er fing sich etwas und arbeitete in der Rückwärtsbewegung meist brauchbar. Impulse im Spiel nach vorne konnte er bis auf zwei, drei Pässe in die Spitze nicht setzen. In der Druckphase zu Beginn der zweiten Halbzeit einige Male am und im gegnerischen Strafraum, ohne jedoch gefährlich zum Abschluss zu kommen. Der obligatorische Wechsel mit Nordtveit folgte. Note 5,0.
Roman Neustädter: Während sich neben ihm die Kollegen Marx und Nordtveit abwechseln, darf (oder muss) Neustädter durchspielen. Das geht an die Substanz, wie der laufstärkste Borusse in Heidenheim erfahren musste. Schon vor der Verlängerung wirkte er platt und schien muskuläre Probleme zu haben. Er biss sich jedoch durch. Seine läuferische Leistung war auch diesmal vorbildlich, spielerisch vermochte er allerdings auch gegen den Drittligisten nicht wirklich zu glänzen. Nur der sichere Pass über wenige Meter passte, kreative Ideen und vor allem eine Tempoerhöhung waren nicht zu sehen. Immerhin traute sich Neustädter mal zum Torabschluss – doch leider fehlte seinen Distanzschüssen der letzte Pepp. Und wohl auch das Selbstvertrauen. Note 4,0.
Patrick Herrmann: Wieder auf der rechten Seite unterwegs, konnte er in einigen Situationen seine Schnelligkeit aufblitzen lassen. Doch weder ein Abschluss, noch eine gefährliche Flanke sprangen letztlich dabei heraus. Die gefährlichste Szene war ein Doppelpass kurz vor der Pause mit Reus, der über das Tor zielte. Herrmann wechselte mehrfach die Seite mit Arango, war jedoch meist etwas zu hektisch und überhastet, wenn er am Ball war. Da er zudem ein paar Mal rustikal abgeräumt wurde, war es nicht der Abend des Patrick Herrmann. Zur zweiten Hälfte der Verlängerung musste er Otsu weichen. Note 4,0.
Juan Arango: Begann ein wenig wie das ‚schlampige Genie‘ und spielte einige arg lässige Bälle. Fand jedoch nach einiger Zeit eine vernünftige Einstellung zum Spiel und im weiteren Verlauf strahlte er am meisten den Willen aus, diese unangenehme Partie nicht noch unnötig zu verlängern. Er rückte öfter vom Flügel in Richtung Mitte und wenn die Borussen gefährlich wurden, war Arango beteiligt. Er wollte es erzwingen und war entsprechend angefressen, dass es letztlich nicht klappte. Er selbst vergab zwei gute Chancen, genial war sein Hackentrick im Strafraum für Reus. Arango enttäuschte allerdings mit seinen Standards. Vor allem die Freistoßhereingaben gerieten sämtlich zu kurz und verkümmerten. Note 3,0.
Mike Hanke: Knüpfte nahtlos an die schwache Leistung von Hoffenheim an. Auch diesmal konnte er kaum Bälle halten, verarbeiten oder weiterleiten. Die Dinge, die ihn zuletzt so stark machten, blieben gänzlich auf der Strecke. Augenfällig, dass das Zusammenspiel mit Reus in dieser Konstellation als Doppelspitze wie schon in Hoffenheim nicht funktionierte. Mehrfach waren Laufwege und Zuspiele der beiden nicht abgestimmt. Hanke hatte letztlich nur einen gefährlichen Torabschluss, als sein Schuss zehn Minuten vor Schluss den Pfosten touchierte. Nach 90 schwachen Minuten wurde er durch Leckie ersetzt. Note 5,0.
Marco Reus: Der Jung-Nationalspieler konnte auch im Pokalspiel nicht verleugnen, dass er aktuell einen leichten Durchhänger hat. Seine Antritte waren nicht ganz so spritzig und den Aktionen fehlte ein Tick Unbekümmertheit und Selbstverständnis. Reus hatte schlichtweg Pech (Pfostenschuss) oder machte es zu kompliziert, schien den Ball förmlich ins Tor tragen zu wollen. Schon früh im Spiel erhielt er einen Tritt in die Ferse, biss aber auf die Zähne. Wurde im Strafraum von Tausendpfund umgerannt, bekam den fälligen Strafstoß allerdings nicht. Überhaupt ließ der Schiedsrichter in der Zweikampfbewertung mehrere Fouls an Reus ungeahndet – hoffentlich bürgert sich das bei den Unparteiischen nicht ein. Dennoch war Reus auch diesmal der mit Abstand gefährlichste Offensivakteur der Borussen und hätte das Spiel vorzeitig entscheiden können. Note 3,5.
Håvard Nordtveit: Löste nach einer guten Stunde Thorben Marx ab. Fügte sich zunächst unauffällig ein, ohne dem Spiel freilich neue Impulse geben zu können. Ganz übel der Ballverlust an der Mittellinie, in dessen Folge Heidenheim die Riesenchance hatte. Nordtveit darf sich bei ter Stegen bedanken, dass dies nicht der Knockout war. In der Folgezeit machte es der Norweger solide, wenn auch nicht annähernd mit der Selbstverständlichkeit der letzten Saison. Beim Elfmeterschießen traf er mit etwas Glück. Note 4,5.
Mathew Leckie: Kam zu Beginn der Verlängerung für Mike Hanke. Schon in der 70. Minute sollte er eingewechselt werden, musste sich dann aber wieder anziehen und neben der Bank warmlaufen. Dann wurde er wieder zur Außenlinie geschickt. Vielleicht lag es ja an diesem Verwirrspiel, dass der Australier zwar gewillt und motiviert auftrat, die Umsetzung allerdings sehr bescheiden war. Im Übereifer unterliefen ihm technische Fehler, im Zweikampfverhalten wirkte er unbedarft und Torgefährlichkeit konnte er auch nicht ausstrahlen. Ohne Note.
Yuki Otsu: Auch der Japaner wurde zum Wechsel bestellt, musste sich dann aber weiter warmlaufen. Schließlich ersetzte er Patrick Herrmann in der zweiten Hälfte der Verlängerung. Er startete ein schönes Dribbling an der Seitenlinie, setzte sich gegen zwei Gegenspieler durch und wurde dann überaus brutal abgeräumt. Bis sich Yuki Otsu von diesem Bodycheck, der noch nicht mal mit Gelb geahndet wurde, erholt hatte, war das Spiel vorbei. Ohne Note.