Mittwoch, 26. Oktober 2011 - 14:18 Uhr

Ähnlich wie schon gegen Hoffenheim präsentierten sich die Borussen besonders in der ersten Halbzeit gegen den Drittligisten erschreckend ideenlos und offenbarten technische Unzulänglichkeiten. »Wir hatten zu viele Ballverluste, haben zu langsam gespielt und haben in der Offensive nicht immer eine Lösung gefunden«, analysierte Trainer Lucien Favre einen Großteil des Spielgeschehens treffend.
Favre, der auf der „6“ wieder einmal Nordtveit gegen Marx austauschte, überraschte zu Beginn der Partie mit einer eher unerwarteten Umstellung seiner Abwehr. Um dem zuletzt etwas schwächelnden Tony Jantschke eine Ruhepause geben zu können, kam Roel Brouwers in die Mannschaft. Während Martin Stranzl auf die rechte Seite rückte, übernahm Brouwers die vakante Position in der Innenverteidigung. »Ich war mir des Risikos bewusst und ich bin es auch bewusst eingegangen. Stranzl hat die Position auch schon in Stuttgart und Moskau ausgefüllt und hat seine Sache heute ordentlich gemacht. Ich hätte gerne noch mehr rotiert, aber dafür steht zurzeit einfach nicht das Personal zur Verfügung«, erklärte der Schweizer seine Maßnahmen.
Nachdem die erste Halbzeit wieder einmal Gladbacher Schwächen im Spielaufbau aufdeckte, spiegelte die zweite Hälfte das fast noch größere Manko der Chancenwertung wider, das sich wie ein roter Faden durch die Saison zu ziehen scheint. »Wir hatten genug Möglichkeiten um in der regulären Spielzeit als Sieger vom Platz zu gehen. Wir haben uns sehr viele Torchancen herausgespielt, aber die müssen wir auch vor dem Tor kaltschnäuziger nutzen!«, ärgerte sich Sportdirektor Max Eberl über den unnötigen Kräfteverschleiss durch die Verlängerung.
Hauptadressat dieser Kritik dürfte in erster Linie Marco Reus gewesen sein. Nach einem zu Unrecht verweigerten Elfmeter und einem Pfostenschuss in den ersten 45 Minuten noch im Pech, hätte der Nationalspieler die Partie im zweiten Durchgang alleine entscheiden müssen. Symptomatisch für seine momentane Abschlussschwäche war vor allem die 77. Minute. Von Arango mit einem Hackentrick klasse in Szene gesetzt, hätte Reus den Ball in Höhe des Fünfmeterraums leicht einschieben können. Doch Reus versuchte den Ball ins Tor zu tragen und scheiterte. »Natürlich muss auch Marco noch dazu lernen, aber er kreiert sich seine Chancen selbst. Andere Spieler müssen sich auch vielmehr solcher Chancen erspielen«, nahm sein Trainer ihn in Schutz.
Da Dante, Stranzl und Hanke ebenfalls aus aussichtsreicher Position vergaben und die Verlängerung nichts Zählbares einbrachte, fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen. Vielleicht bezeichnend für das derzeitige Selbstvertrauen der Gladbacher Offensivkräfte, schritten mit Daems, Dante, Stranzl und Nordtveit ausschließlich Defensivspieler zum Punkt. »Das ist nichts Negatives gegen die offensiven Spieler. Wir haben die Schützen vorher abgesprochen und da haben sich die Persönlichkeiten in der Defensive eher angeboten als die in der Offensive«, wollte Favre der Auswahl seiner Schützen aber keine besondere Bedeutung beimessen.
Neben den souveränen Schützen, die allesamt sicher ihre Elfmeter verwandelten, war es Marc André ter Stegen, der am gestrigen Abend auch seine Fähigkeiten als Elfer-Killer unter Beweis stellte und zum Matchwinner für die Borussen wurde. »Es war für mich vom Kopf her sehr anstrengend in den entscheidenden Situationen da zu sein. Beim letzten Elfmeter habe ich ein wenig spekuliert und zum Glück ist das aufgegangen«, schilderte ter Stegen, der bereits in der 81. Minute ein Gegentor nach einem Sololauf der Heidenheimer vereitelte, seine Gefühlslage in den entscheidenden Situationen.
Am Ende eines langen Pokalabends überwog bei allen beteiligten Borussen nur die Erleichterung über das Erreichen der nächsten Runde. »Wir spielen momentan nicht so gut wie noch vor ein paar Wochen, aber im Pokal zählt nur das Weiterkommen – alles andere interessiert mich aktuell nicht«, entgegnete Favre den kritischen Fragen der Journalisten. Sportdirektor Eberl dachte dagegen schon an die nächste Runde: »Der Gegner im Achtelfinale ist mir relativ egal. Ich wünsche mir nur ein Heimspiel, damit wir danach vernünftig zuhause Weihnachten feiern können«.
Trotz des erfolgreichen Einzugs ins Achtelfinale gilt es, die Schwächen der letzten beiden Spiele zu analysieren. Will man Samstag nach zuletzt drei sieglosen Spielen in Serie gegen Bayernbezwinger Hannover 96 als Sieger vom Platz gehen, muss man sich jedenfalls deutlich steigern.