Dienstag, 25. Oktober 2011 - 21:35 Uhr

Borussias Trainer Lucien Favre änderte sein Team in Heidenheim gegenüber der Liga-Niederlage in Hoffenheim vor drei Tagen auf drei Positionen. Oscar Wendt musste dem wiedergenesenen Filip Daems weichen, dazu ersetzte Thorben Marx den formschwachen Håvard Nordtveit. Überraschend dagegen die Versetzung von Rechtsverteidiger Tony Jantschke auf die Bank, der von Roel Brouwers abgelöst wurde. Der Niederländer positionierte sich neben Dante in der Innenverteidigung, während Martin Stranzl auf rechts verteidigte.
Die Borussen waren von Beginn an das spielerisch reifere Team, während die Gastgeber vor allem über Laufbereitschaft kamen. Da die Fohlen oftmals den richtigen Moment verpassten, das Tempo anzuziehen, war es in der Anfangsphase eine zähe und ausgeglichene Angelegenheit.
Die erste Möglichkeit für den VfL hatte Marco Reus, nachdem Dante Arango mit einem langen Ball auf die Reise schickte. Der Venezolaner passte direkt in den Rückraum, Reus verzog vom Strafraumeck allerdings deutlich (12.). Drei Minuten später segelte eine Reus-Ecke an Freund und Feind vorbei, Arango am langen Pfosten brauchte etwas zu lange um das Leder zu kontrollieren und zielte schließlich in Rücklage über den Querbalken.
Marco Reus, der nach einem Tritt in die Achillessehne behandelt werden musste, wurde in der 21. Minute im Strafraum kurz vor der Grundlinie umgerannt, Schiedsrichter Wingenbach verweigerte den fälligen Elfmeterpfiff. Vier Minuten später wehrte Heidenheims Keeper einen Distanzschuss von Neustädter nach vorne ab, Reus bekam den Rebound und versuchte sich aus 16 Metern – der Aufsetzer des Nationalspielers landete am Pfosten.
Die Borussen hatten ein deutliches Chancenplus, dennoch überzeugte der Bundesligist nicht wirklich. Denn bis zum Halbzeitpfiff sprang nur noch eine Möglichkeit durch Reus heraus, der nach Doppelpass mit Herrmann unter Bedrängnis über das Tor schoss (38.). Ansonsten leisten sich die Gladbacher viele leichte Fehler im Aufbauspiel und den Kombinationen fehlte es an Tempo und Esprit.
So hatten die teilweise rustikal zu Werke gehenden Heidenheimer keine größere Mühe, das torlose Remis in die Halbzeit zu bringen. Verursacht durch mehrere Nachlässigkeiten der Fohlen kamen sie nach gut einer halben Stunde selbst zweimal zum Abschluss, wobei ter Stegen jeweils auf dem Posten war.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs zogen die Gladbacher das Tempo an, während sich Heidenheim tief in der eigenen Hälfte verschanzte. Es gab weitere Chancen für den VfL: Reus (55.) schoss nicht platziert genug, Marx kam aus kurzer Distanz nicht am Torwart vorbei (59.).
Die beste Gelegenheit verpasste etwas später Dante, dessen Kopfball in Folge eines Eckballs am langen Pfosten von der Linie gekratzt wurde (69.).
Heidenheim rückte mittlerweile wieder etwas raus, wobei die Borussen die sich bietenden Räume nicht nutzen konnten. Dennoch gab es die Möglichkeiten, den erlösenden Treffer zu markieren: Reus kam nach einem tollen Hackentrick von Arango nicht zum Abschluss, als er parallel zum Fünfmeterraum lief (77.) und Stranzl scheiterte mit einem Kopfball im Anschluss an eine Ecke knapp (78.).
Die Gastgeber, bislang offensiv nur sporadisch in Erscheinung getreten, erhielten plötzlich die große Gelegenheit zum Tor des Tages. Der eingewechselte Nordtveit verlor an der Mittellinie leichtfertig den Ball, in seinem Rücken war alles offen. Sirigu lief alleine aufs Tor zu, ter Stegen kam aus seinem Kasten, warf sich in den Schuss und parierte (79.).
Irgendwie schienen die Borussen von dieser Aktion geschockt, denn sie bekamen bis zum Ende der regulären Spielzeit nur noch einmal gefährlich auf – ein Schuss von Hanke aus halblinker Position touchierte den Pfosten (81.).
So ging es in die Verlängerung, in der Mathew Leckie Mike Hanke ersetzte. Doch weder der Australier, noch seine Kollegen konnten sich entscheidend durchsetzen. Bis auf einen Schuss von Reus, der den Ball nach Kopfballablage von Leckie aus spitzem Winkel in die Wolken zimmerte, brachte der Bundesligist in der Extra-Time nichts zustande. Erstaunlich, dass der Drittligist trotz des kraftaufreibenden Spiels konditionell dagegen halten konnte.
So hieß es also nach 120 Minuten 0:0 und das Elfmeterschießen musste entscheiden. Die Borussen, schon letztes Jahr gegen Leverkusen in der zweiten Runde durch sichere Elfmeterschützen weitergekommen, gaben sich auch diesmal keine Blöße. Daems, Dante, Nordtveit und Stranzl verwandelten sicher, während Ex-Borusse Spann auf Seiten der Heidenheimer mit dem dritten Elfmeter an ter Stegen scheiterte, der zudem den fünften Schuss von Tausendpfund ebenfalls parierte.
Borussia Mönchengladbach steht also nach einer wenig berauschenden Leistung mit einigem Glück in der dritten Runde des DFB-Pokals. Bedanken dürfen sich die Gladbacher bei Marc-André ter Stegen, der sein Team mit einer tollen Tat im Spiel hielt und zwei Penaltys parierte.
Kurzstatistik zum Spiel:
1. FC Heidenheim: Lehmann – Sirigu (120. Krebs), Göhlert, Tausendpfund, Feistle - Chr. Sauter, Weil – Essig (65. Bagceci), Schittenhelm - Spann, Frommer (64. Heidenfelder)
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Stranzl, Brouwers, Dante, Daems – Neustädter, Marx (62. Nordtveit) – Herrmann (106. Otsu), Arango – Hanke (91. Leckie), Reus
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), King, Wendt, Jantschke
Tore: Fehlanzeige
Elfmeterschießen: Sauter 1:0, Daems 1:1, Krebs 2:1, Dante 2:2, Spann scheitert an ter Stegen, Nordtveit 2:3, Schittenhelm 3:3, Stranzl 3:4, Tausendpfund scheitert an ter Stegen
Gelbe Karten: Schittenhelm, Sirigu, Spann - Dante
Schiedsrichter: Markus Wingenbach (Diez)
Zuschauer: 10. 000 (ausverkauft)