Montag, 24. Oktober 2011 - 21:34 Uhr
Marc-André ter Stegen: Nur bei der ersten Ecke wirkte der 19-Jährige ein wenig desorientiert, ansonsten agierte er sicher wie immer. Alle Bälle waren seine Beute, er lief rechtzeitig raus und war immer im Spiel. Ein (Abseits-)Kopfball von Ibisevic landete in seinen Händen und wenig später rettete er reflexartig, als erneut Ibisevic es aus spitzem Winkel versuchte. Beim Tor des Tages machtlos. Er versuchte noch, mit einem vehementen Sprung den Abstauber zu verhindern und verletzte sich dabei am Knie. Der Youngster biss auf die Zähne und hielt durch, zeigte beim Freistoß von Sigurdsson eine starke Reaktion, als er den Ball zur Ecke lenkte. Note 2,5.
Tony Jantschke: Hatte seine Probleme, weil Babel immer die Hochgeschwindigkeitsstrecke suchte. Jantschke wollte diese Unterlegenheit wettmachen, indem er in den Laufduellen seinen ‚Vorsprung‘ nahm. Dadurch bot er jedoch viel Raum an. Wenn er selbst im Spielaufbau am Ball war, löste er es bis auf zwei, drei Ausnahmen meist ordentlich. Entweder mit Flachpässen in die Mitte oder mit technischen Lösungen bzw. Körpertäuschungen, um den angreifenden Hoffenheimer auszuspielen. In Halbzeit zwei konnte Jantschke die Flanke zum Tor nicht verhindern. Dazu sah er Gelb, als Babel aus dem Stand wegsprintete und er ihn nur festhalten konnte. Den Schnelligkeitsnachteil konnte Jantschke nicht wett machen. Dennoch gut, dass er nicht hektisch um sich tritt, wenn er spürt, dass der Gegenspieler trickreich und schnell ist. Note 4,5.
Martin Stranzl: Brauchte die Ärmel nicht hochzukrempeln, da er als einziger Abwehrspieler im Kurzarmtrikot auflief. Insgesamt agierte Stranzl gewohnt sicher und konsequent, ein paar Mal hatte er allerdings das Nachsehen. So hatte er Glück, dass er nicht schon die Gelbe Karte sah, als er mit gestrecktem Bein sowohl Ibisevic als auch seinen Kollegen Nordtveit gleichzeitig umtrat. Die Karte holte er sich dann nach der Pause für ein vergleichbares Foul an Williams doch ab. Ein zu weit vorgelegter Ball war da vorausgegangen. Suchte in der letzten halben Stunde öfters mal den Weg ganz weit nach vorne, ohne sich aber wirklich in Szene setzen zu können. Note 3,5.
Dante: Wie Nebenmann Stranzl zunächst sehr aufmerksam, bissig und meist Sieger in den Zweikämpfen. Im Spielaufbau solide, wobei die langen Bälle nur selten Abnehmer fanden. Ärgerlich sein Foul kurz vor der Strafraumgrenze an Johnson. Gelb sah er in der Schlussphase für ein angebliches Vergehen an Musona. Allerdings unberechtigt, denn der Hoffenheimer produzierte eine blitzsaubere Schwalbe. Beim Gegentor sprang Dante unter der Flanke hindurch und kam dann nicht mehr rechtzeitig hin. Note 4,0.
Oscar Wendt: Der Schwede wusste vor allem mit seiner Ballbehandlung zu gefallen. Fast alles nahm er wie selbstverständlich an und spielte sichere Bälle. Zwar passte er nach einem Einwurf auch mal lang ins Niemandsland, doch insgesamt war es ordentlich. Gut seine Vorarbeit zur einzigen Chance des Spiels auf Herrmann. Defensiv war er weitaus weniger gefordert als sein Gegenüber Jantschke, da Hoffenheim über Borussias linke Seite wenig inszenierte. Beim entscheidenden Gegentreffer war Wendt allerdings involviert, als er nicht reagierte und einrückte, obwohl er in Schlagdistanz war. Insgesamt wirkte es etwas zu gemächlich und unbeteiligt, was Wendt machte. Wünschenswert wäre ein wenig mehr ‚Drive‘. Note 4,0.
Håvard Nordtveit: Da gibt es nicht viel um den heißen Brei herum zu reden: der junge Norweger befindet sich in einer Formkrise. Auch gegen Hoffenheim lief er viel, fand jedoch keine Bindung. Oft agierte er zu hektisch und hinterließ zeitweise einen orientierungslosen Eindruck. Viele Abspielfehler im Aufbau, selbst wenn der Gegner ihn nicht unmittelbar unter Druck setzte. Von der Pass- und Ballsicherheit seiner ersten Monate in Gladbach ist er momentan weit entfernt. Die Auswechslung war schließlich folgerichtig. Note 5,0.
Roman Neustädter: Eine gute Ablage auf Arango und ein paar Läufe in die Tiefe, um die langen Bälle aufzufangen, waren die wenigen guten Szenen des Mittelfeldspielers in Sinsheim. Ansonsten wirkte er nicht sehr stabil in den Zweikämpfen und vor allem verstand er es nicht, sich im Spielaufbau sinnvoll einzubringen. Seine Pässe waren ziemlich durchsichtig und als in der zweiten Halbzeit ein schlampiges Zuspiel abgefangen wurde, ruderte er hilflos mit den Armen in Richtung seiner Kollegen. Fraglos ist es nicht einfach, gegen einen aggressiven und früh attackierenden Gegner ein Spiel aufzuziehen. Aber ein paar Lösungen mehr müsste Neustädter schon parat haben. Note 4,5.
Patrick Herrmann: Fand in der ersten Halbzeit kaum statt und konnte das flaue Offensivspiel nicht beflügeln. Besonders auffällig, dass er nicht wirklich wachsam war, wenn er den Ball nicht hatte. Da reagierte er oft zu spät auf Entwicklungen. Er muss dann mehr in den Ball kommen und sich im Zweikampf ‚männlicher‘ stellen. Nach der Pause konnte er mit der Chance nach Wendts Hereingabe und einigen Sprints, die er gegen Braafheid für sich entschied, auf sich aufmerksam machen. Nach 76 Minuten wurde er für King ausgewechselt. Note 4,0.
Juan Arango: Der Venezolaner machte einen müden Eindruck und tauchte in mehreren Phasen der Partie weitestgehend ab. Trotzdem mit drei schönen Pässen (jeweils öffnend auf Reus in die Mitte) und einer Schusschance zu Beginn der offensiv produktivste Gladbacher. Im Luftkampf auffällig, dass er nicht nur die Duelle gewinnt, sondern die Bälle auch noch zum Mann weiterleitet. In der zweiten Halbzeit schoss er einen Freistoß in die Mauer an die Hand eines Hoffenheimers. Der nächste Freistoß war dann näher am Tor, doch dann schoss Reus anstatt Arango. Note 4,0.
Marco Reus: Hatte gleich zu Beginn eine Schusschance, verzog allerdings. Danach weitestgehend abgemeldet, da das Spiel nach vorne kaum stattfand. Dennoch wurde er dreimal von Arango gut in Szene gesetzt, doch dreimal kam nichts dabei heraus. Reus verstolperte oder vergaß, den Ball mitzunehmen. Es war schlichtweg nicht sein Tag. Als später King kam, ging Reus auf rechts und rückte nach Otsus Einwechslung wieder nach vorne. Durchsetzen konnte sich der Jung-Nationalspieler nicht mehr. Wenn Reus einen schlechten Tag erwischt, kann man fast schon sagen, dass der VfL nahezu chancenlos ist. Note 5,0.
Mike Hanke: Konnte als tiefste Spitze kaum Bälle halten. Und wenn doch, klappte es mit der Ablage nicht. Er versuchte zwar das schnelle Abspiel, doch wegen mangelnden Nachrückern kam nicht viel dabei heraus. Hanke kam eigentlich gar nicht zur Entfaltung und erreichte nicht mal im Ansatz das Niveau der Vorwoche. Er haderte zuerst mit dem Linienrichter und später mit sich selbst. Note 5,0.
Thorben Marx: Kam für Nordtveit, konnte dem Spiel allerdings auch keine neuen Impulse geben und blieb unauffällig. Ohne Note.
Joshua King: Keine 15 Minuten um sich bei einem Rückstand zu beweisen – es gibt dankbarere Aufgaben. Der junge Norweger wirkte hastig, wollte zu viel auf einmal. Ihm wurde schnell der Schneid vom robusten Vorsah abgekauft, dadurch folgten Ballverluste. Positiv fiel King auf, als er einmal in die Spitze geschickt wurde und das Sprintduell gewann. Ohne Note.
Yuki Otsu: Sieben Minuten hatte der Japaner für sein Bundesligadebüt. Wenig Zeit, um entscheidende Impulse zu geben oder das Spiel zu drehen. Da geht wenig mit aufgehender Sonne. Und trotzdem deutete Otsu an, dass er gewillt war und zeigte flotte Ansätze auf der rechten Seite. Ohne Note.