Sonntag, 23. Oktober 2011 - 13:43 Uhr
Sportdirektor Max Eberl hatte nach dem Schlusspfiff in Sinsheim wenig Lust, um den heißen Brei herum zu reden. »Uns wurde gezeigt, dass jedes Bundesligaspiel aufs Neue eine Herausforderung ist. Und die haben wir heute nicht gut angenommen. Wir haben viele Fehler gemacht, vor allem im Spielaufbau. Da sind wir nicht durchgekommen und wenn wir es gelöst hatten, machten wir es vorne nicht gut. Es ist uns nie gelungen, das Spiel aufzuziehen und fehlerfrei durchs Mittelfeld zu kombinieren«.
»Wir haben zu langsam gespielt, mit zu wenig Tempo«, ergänzte Trainer Lucien Favre. »Wir hatten zu viele Ballverluste und die Läufe in die Tiefe fehlten«. Martin Stranzl führte weiter aus: »Wir haben taktische Fehler gemacht, würde der Trainer sagen. Den falschen Pass im falschen Moment gespielt«.
Auch Oscar Wendt, der für den grippekranken Filip Daems ins Team kam, suchte nicht nach Entschuldigungen. »Wir hatten keine lange andauernden Angriffe, verloren häufig und schnell die Bälle. Wir haben Probleme damit, den Ball im Offensivbereich zu behalten. Dann kannst du als Verteidiger auch wenig Akzente nach vorne setzen. Es sind achtzig Meter hin – und wenn der Ball verloren geht, auch wieder achtzig Meter zurück«.
Hoffenheim störte früh und machte es den Borussen schwer, doch gleichzeitig agierten die Gastgeber bei Ballbesitz sehr fehlerbehaftet. »Hoffenheim war jetzt auch nicht die Mannschaft, die uns an die Wand gespielt hat«, merkte Eberl an. »Nur haben wir den entscheidenden Fehler mehr gemacht. Deswegen haben wir verloren«.
Beim Tor des Tages sah der Gladbacher Defensivverbund schlecht aus, zu allem Überfluss machte Torhüter Marc-André ter Stegen schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Stollen von Torschütze Ibisevic. »Wir gehen beide mit vollem Einsatz hin, das gehört zum Fußball«, sprach ter Stegen den Hoffenheimer Angreifer von jeglicher Absicht frei. Unterhalb der Patellasehne erwischte es ihn, was eine Fleischwunde mit entsprechender Schwellung nach sich zog. Schmerzhaft, aber wohl ohne Folgen, denn der ehrgeizige 19-Jährige trainierte am Sonntag schon wieder mit.
Somit dürfte er beim Pokalspiel am Dienstag in Heidenheim wieder zur Verfügung stehen. Dass so zeitig nach der Niederlage in Hoffenheim das nächste Spiel ansteht, bewerteten die Borussen als positiv. »Gott sei Dank spielen wir am Dienstag schon wieder im Pokal«, sagte Martin Stranzl. »So hast du nicht soviel Zeit, darüber nachzudenken«.
Und deshalb spielte wohl auch Trainer Lucien Favre die schwache Darbietung seiner Mannschaft – zumindest öffentlich – herunter. »Ich bin nicht enttäuscht und nicht unzufrieden über unsere Leistung«, sagte der Schweizer ohne dabei den Anschein zu erwecken, er würde es ironisch meinen.
Tatsächlich ist die Niederlage in Hoffenheim kein Weltuntergang, doch hinterfragen muss man die aktuelle Entwicklung schon etwas. »Wo liegt die Wahrheit?«, sinnierte Martin Stranzl. »Ich denke, wir sind trotzdem auf einem guten Weg. Das sieht man auch daran, dass wir nicht panisch werden, auch wenn das Spiel nicht so läuft. Man muss mitnehmen, dass man vielleicht noch nicht so weit ist«.
»Wir wissen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen«, ergänzte Max Eberl. »Die 17 schon geholten Punkte sind sehr wichtig, weil wir weiß Gott kein Bayernjäger sind. Wir haben einen sehr guten Saisonstart gehabt, nicht mehr und nicht weniger. Aus so einen Spiel wie gegen Hoffenheim müssen wir die Lehre ziehen, dass man auch mal mehr über den Kampf kommt als nur über das Fußballerische. Das ist so ein Punkt, wo man mal anders spielen muss. Wir haben es nicht hinbekommen, diesen Mittelweg zu finden«.