Dienstag, 04. Oktober 2011 - 07:34 Uhr
Marc-André ter Stegen: Im ersten Durchgang vor allem als Anspielstation gebraucht (und zeitweise auch missbraucht), weil seinen Vorderleuten im Spielaufbau wenig einfiel. Mehrfach versuchte Cissé zu stören, der sich jedes Mal mit der gleichen Körpertäuschung von ter Stegen düpieren ließ. Die weiten Bälle des Keepers waren meist brauchbar, nur einmal schlug er mit links einen Pass in die Mitte direkt zu einem Freiburger. Was auffällt: ter Stegen kann den Ball von der Grundlinie fast aus dem Stand, ohne großen Anlauf, bis über die Mittellinie treten. Bei seinem eigentlichem Job gewohnt zuverlässig. Einen Flum-Schuss hielt er sicher, den anderen wohl auch, wenn der nicht unhaltbar abgefälscht worden wäre. Von einer möglichen Sichtbehinderung durch den im passiven Abseits stehenden Makiadi sprach Gladbachs Goalie nachher nicht. Eine flache Hereingabe in den Strafraum fischte er im Nachfassen, dazu pflückte er eine Flanke wie ein ‚einhändiger Bandit‘. Großartig sein Reflex bei einem Kopfball, den er über den Querbalken lenkte. Auch wenn ohnehin auf Abseits entschieden wurde, war die Reaktion herausragend. Note 2,5.
Tony Jantschke: Der Rechtsverteidiger hatte einiges an Arbeit zu verrichten. Nicht immer behielt er in den direkten Duellen die Oberhand und auch im Passspiel gab es ab und an eine Ungenauigkeit. Vor allem der Ballverlust nach der Pause in Höhe der Mittelinie war grenzwertig, weil er einen gefährlichen Freiburger Konter zur Folge hatte. Das Zusammenspiel mit Stranzl war vom einen oder anderen Missverständnis geprägt. Lobenswert, dass Jantschke immer die Ruhe bewahrt und die Übersicht behält. So wie bei seiner Kopfballrückgabe in die Hände von ter Stegen, nachdem er im Strafraum gegen Mujdza unter Beweis stellte, wie hoch er zum Kopfball steigen kann. Anerkennenswert im sportlichen Sinne, dass Jantschke selbst bei üblen Fouls gegen ihn nicht theatralisch rumheult. Der Tritt von Cissé bei Jantschkes Flanke zu Hankes Kopfball war ziemlich übel und hätte auch mit Strafstoß geahndet werden können. Note 3,5.
Martin Stranzl: Konnte bei der ersten Aktion von Cissé nicht entscheidend per Grätsche eingreifen, der Freiburger Torjäger blieb mit Ball auf den Beinen. Das war allerdings schon fast das einzige Duell, was der Österreicher, der die Borussia als Kapitän auf den Platz führte, verlor. Im Verbund mit Dante ließ er kaum etwas zu und agierte in den direkten Duellen gewohnt mannhaft. Probleme bekam er im Aufbauspiel, wenn die Gegner gemeinsam Druck ausübten. Hier wirkte Stranzl dann etwas überfordert und auch das Zusammenspiel mit Jantschke lief nicht immer rund. Als Jantschke ausgewechselt und die Abwehr neu formiert werden musste, konnte der Kapitän die gewünschte Neu-Ordnung nicht herstellen. Note 3,0.
Dante: In Zusammenarbeit mit Stranzl nahm er Cissé komplett aus dem Spiel und legte damit Freiburgs erste Sturmreihe fast vollständig lahm. Dante gewann die Zweikämpfe gegen den Senegalesen bzw. war schlichtweg vor ihm am Ball. Im Spielaufbau mehrfach vergeblich nach Anspielstationen suchend. Einmal wollte er ein ter Stegen-Zuspiel schnell verarbeiten, doch der Ball landete im Aus. Gröbere Schnitzer unterliefen Dante jedoch nicht. Wie in der letzten Einzelkritik ‚gefordert‘, erzielte Dante fast mal wieder ein Kopfballtor nach einem Standard. Da fehlte nicht viel, die Reaktion von Baumann war klasse. Auch Dante war ratlos nach der Einwechslung von Herrmann in der Schlussphase. Es brauchte minutenlange Diskussionen mit den Kollegen auf dem Platz sowie einen Austausch in Gebärdensprache mit dem Trainer, ehe er (immer noch nicht wirklich) wusste, wie hinten umgestellt werden sollte. Note 3,0.
Oscar Wendt: Kam kurzfristig für den verletzten Filip Daems zu seinem Debüt. Aufgrund der fehlenden Wettkampfpraxis dauerte er verständlicherweise ein paar Minuten, um in die Partie zu finden. Zunächst konnte er bei der ersten Defensivaktion Cissé weder abdrängen noch am Flanken hindern. Doch schnell fand der Schwede ins Spiel und es gab von Nervosität keine Spur. Er spielte ordentlich mit und bot sich gut an, als Arango ihn auf die Reise schickte. Am Ball in einer selbstverständlichen Art und Weise sicher, so dass keine Sorgen um Ballverluste nach technischen Annahmefehlern aufkamen. In den Duellen noch verbesserungswürdig, so ließ er sich in der zweiten Halbzeit von Putsila einmal zu simpel austricksen. Dass es vor und neben ihm etwas an Abstimmung fehlte, ist nachvollziehbar, fiel jedoch nicht nachdrücklich auf. Note 3,0.
Thorben Marx: Noch weniger Zeit als ohnehin schon gab es für die Mittelfeldspieler, da die Freiburger sehr laufstark waren und frühzeitig Druck auf den ballführenden Gladbacher ausübten. Marx löste das ordentlich, indem er viele Bälle gut und auch schneller als sonst zum Mann brachte. Seine Aktionen beschränkten sich größtenteils auf Kurzpässe, aber dass Marx dem Spiel keinen Stempel aufdrückt, dürfte auch vorher schon bekannt gewesen sein. In der Arbeit gegen den Ball emsig, aufgrund der oftmals schnellen Ballzirkulation der Freiburger jedoch mehrfach ohne Zugriff. Vorne mit Borussias erster Chance, einem anständigen Distanzschuss. Beim Gegentor fälschte er den Ball ab, was man ihm sicher nicht vorwerfen kann. Er hätte vielleicht, beim Schuss und auch in der Szene zuvor, etwas schneller rausrücken können. Zwanzig Minuten vor Schluss musste Marx für Nordtveit weichen, nachdem er kurz zuvor die Gelbe Karte gesehen hatte. Note 4,0.
Roman Neustädter: Konnte zunächst mit der hohen Ballzirkulation der emsigen Freiburger nichts anfangen und lief mehrfach wie beim ‚5 gegen 2‘ im Kreis umher, ohne nur in die Nähe des Spielgeräts zu kommen. Und wenn er in den Zweikampf kam, verlor er in der ersten halben Stunde alle direkten Duelle. Das eigene Spiel lief anfangs fast komplett an ihm vorbei. Mehrfach stand er im ‚toten Raum‘ und war nicht anspielbar. Stranzl beorderte ihn ein paar Mal zurück und wies ihn auf freie Räume hin. Nach der Pause, als die Borussen den Ball besser laufen ließen, steigerte sich Neustädter ein wenig. Doch er brauchte zu lange zur Verarbeitung bzw. Weiterleitung der Bälle, was mit technischen Unzulänglichkeiten zu tun hat. Erfolge beim schnellen, kreativen Umschalten sind seltene Ausnahmen. Schwach zudem, wie er bei einer von Reus aufgelegten Möglichkeit so lange zögerte, bis sein Schuss geblockt wurde. Pluspunkte sammelte Neustädter nur bei defensiven Kopfbällen im eigenen Strafraum. Note 4,5.
Marco Reus: Eigentlich spielt er nicht anders als sonst, nur trifft er momentan nicht. Fast alles, was für Gefahr sorgte, inszenierte Reus selbst, obwohl er wieder sehr hart attackiert und oftmals ziemlich mutwillig von den Beinen geholt wurde. Einige Male legte er gut auf, wie für Marx in der ersten und Neustädter in der zweiten Halbzeit. Bei der ersten eigenen Möglichkeit wurde sein Schuss noch abgefälscht, seine erste echte Großchance nach Kopfballablage von de Camargo vergab er völlig untypisch, als er den Ball fast überhaupt nicht traf. In der Nachspielzeit noch mit der Riesenchance zum Ausgleich, als er am guten SC-Torwart scheiterte. Darüber hinaus fiel bei mehreren Einschussmöglichkeiten auf, dass er fast ausnahmslos den Körper nicht über den Ball brachte und so stets über das Tor schoss. Im Gegensatz dazu gerieten fast alle Standards zu flach. Da heißt es: zurück zu den Basics, nicht immer das Besondere machen wollen. Note 3,0.
Juan Arango: Eine eher durchwachsene Partie des Venezolaners, der in den letzten Wochen zu den absoluten Leistungsträgern gehörte. Schnell und schlau sein flott ausgeführter Freistoß in den Lauf Reus, dazu der eine oder andere gelungene Pass. Gelungen auch sein Freistoß zur Kopfballchance von Dante. Es gab aber auch mehrere vermeidbare Fehlpässe, wie z.B. ein misslungener Außenristpass. Sein Aktionsradius hielt sich diesmal in Grenzen und dass er ab und an den ‚alten Arango‘ gab, als er nach einem misslungenen Angriff resignierend den Kopf senkte und fast teilnahmslos nach hinten schlich, bleibt hoffentlich eine Ausnahme. Ob seine Zurückhaltung darin begründet lag, dass mit Wendt ein neuer Mann hinter ihm spielte, kann nicht ausgeschlossen werden. Note 4,0.
Mike Hanke: Anfangs noch mit der einen oder anderen Balleroberung, doch schnell wurde klar, dass es nicht Hankes Tag war. Er versuchte viel zu kompliziert zu agieren. Mehrfach und übertrieben mit der Hacke, dann mit Ideen, die nicht verstanden wurden. Gar schlampig war er bei Situationen mit Schwierigkeitsfaktor Null. Zu Gute halten muss man ihm, dass er sich sehr weit weg vom gegnerischen Tor bewegen muss, wo es der Gegner gerade in der frühen Phase des Spiels sehr eng macht. Nach einer weitestgehend brotlosen Stunde wurde er durch Bobadilla ersetzt. Note 4,5.
Igor de Camargo: Die Abhängigkeit eines Stürmers vom gelungenem Kombinationsspiel und brauchbaren Anspielen lässt sich an den Werten von de Camargo in Freiburg wunderbar ablesen: Der Brasil-Belgier legte zwar die längste Laufdistanz aller Gladbacher zurück, kam aber auf die wenigsten Ballkontakte (30) der Akteure, die wie er über die volle Spielzeit mitwirkten. Es waren also unendlich viele vergebliche Wege, die de Camargo im Breisgau ging. Wenn er eingebunden wurde, klappte nicht wirklich viel, aber er bereitete per Kopf die Chance für Reus vor und hatte selbst eine mehr als gute Schussmöglichkeit, als er den Ball nicht richtig traf und flach am Tor vorbei zielte. Note 4,0.
Raúl Bobadilla: Sorgte nach seiner Einwechslung für etwas Wind, indem er die eine oder andere Ecke herausholte. Eine gute Schusschance vergab er. Ansonsten war vor allem seine provokante Zweikampfführung auffällig. Mit seinen bekannten Aktionen, indem er sich mit dem Rücken in den Gegner stemmt und ihn nach hinten wegdrückt, holte er zunächst tatsächlich ein paar Freistöße heraus. Irgendwann erkannte der Schiedsrichter, dass Bobadilla nur körpergerichtet zu Werke ging, pfiff nur noch gegen ihn und verwarnte ihn mündlich. Die Gelbe Karte, die er für eine offensichtliche Schwalbe verdient hatte, sah er kurz darauf. Allerdings unberechtigt, da er zunächst vom Gegenspieler umgerissen wurde und erst dann im Fallen seine Hand in dessen Gesicht drückte. Ohne Note.
Håvard Nordtveit: Kam für Marx und übernahm zunächst dessen Rolle im Mittelfeld. Er wirkte insgesamt etwas dynamischer, ohne wirklich aufzufallen. Einmal schaltete er sich gut nach vorne mit ein und probierte es mit einem Schuss aus allerdings zu großer Distanz. Hier hätte er ruhig noch ein paar Meter gehen können. Am Ende musste er in die Dreierkette, an der so lange gebastelt wurde. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Kam für Tony Jantschke und sollte in den letzten acht Minuten über rechts ankurbeln, was allerdings nicht gelang. Genauso dürfte Herrmann als ‚Systemdolmetscher‘ von Favre gescheitert sein. Dass auf Dreierkette umgestellt werden sollte, konnte Herrmann seinen Kollegen jedenfalls nicht vermitteln. Ohne Note.