Sonntag, 02. Oktober 2011 - 14:06 Uhr
Nach zuletzt drei Spielen ohne Gegentreffer, offenbarte die Gladbacher Defensive in Freiburg erstmals Schwächen. Der Hauptgrund für die ungewohnten Abstimmungsschwierigkeiten in der Abwehr schien mit einem Blick auf die Aufstellung schnell gefunden. Anstelle des bisher starken Filip Daems, der aufgrund einer entzündeten Wunde am Oberschenkel kurzfristig passen musste, rückte Neuzugang Oscar Wendt in die Startaufstellung. »Am Freitag habe ich mitbekommen, dass Filip Probleme hatte. Heute Morgen hat mir der Trainer dann gesagt, dass ich spiele. Manchmal geht es schnell im Fußball«, erklärte der Schwede, der in dieser Saison bislang vergeblich auf einen Pflichteinsatz warten musste.
Dass der Championsleague erfahrene Wendt noch keine Bundesligaminute absolviert hatte, wurde vor allem in den ersten Minuten der Partie deutlich. »Es fehlten vielleicht ein paar Prozent im physischen Bereich und im Timing, doch das kommt automatisch bei mehr Spielpraxis«, gestand er nach dem Spiel durchaus selbstkritisch.
Aufgrund der unterschiedlichen Spielweise von Wendt und Daems hatte vor allem der Rest Mannschaft in der Anfangsphase einige Probleme, die zuletzt so gut funktionierende Kompaktheit auf den Platz zu bringen. »Mit Oscar habe ich schon ein paar Mal zusammen trainiert. Es ist ein bisschen anders, weil er die Position viel offensiver interpretiert als Filip«, schilderte Abwehrchef Dante die aus seiner Sicht aber nicht über zu bewertende Problematik.
In Folge einer schwachen Anfangsphase, in der die Borussia große Schwierigkeiten mit dem aggressiven Zweikampfverhalten und dem frühen Pressing der Freiburger hatte, fiel auch der unglückliche aber nicht unverdiente Führungstreffer für die Gastgeber. Nachdem Jantschke eine Hereingabe in den Strafraum nicht entscheidend klären konnte und Johannes Flum bei seinem Distanzschuss nicht gestört wurde, war es Thorben Marx der den eigentlich harmlosen Schussversuch unhaltbar ins eigene Tor abfälschte. »Ich weiß nicht wer den Ball abgefälscht hat, das ist mir im Nachhinein auch scheißegal. Wir haben die Situation beim Gegentor einfach verschlafen«, ärgerte sich Torhüter ter Stegen über das unnötige Gegentor.
Nach schwacher erster Hälfte zeigte die Mannschaft von Lucien Favre nach dem Wechsel ein anderes Gesicht und kam auch aufgrund der schwindenden Freiburger Kräfte zu zahlreichen Möglichkeiten. Doch die schlechte Chancenverwertung in dieser Saison begleitete die Borussia auch im Breisgau. So waren es vor allem Marco Reus und Igor de Camargo, die mehrfach aus aussichtsreicher Position vergaben. »Ich ärgere mich sehr, weil wir in der zweiten Halbzeit sehr gut waren. Da waren wir etwas aggressiver, haben mehr nach vorne gespielt, uns mehr bewegt und Chancen herausgespielt, die wir aber leider nicht genutzt haben«, haderte Dante mit der am Ende unverdienten Niederlage.
Trotz des Misserfolgs im Breisgau und dem kommenden schweren Heimspiel gegen Leverkusen, will man sich bei der Borussia aber nicht aus dem Konzept bringen lassen. »Aufarbeiten, abhaken und dann geht der Blick wieder nach vorne. Es wäre schlecht, wenn uns dieses Spiel gleich aus der Bahn werfen würde«, zeigte sich Routinier Martin Stranzl gelassen. Allerdings mahnte sein Kollege Dante auch zur Selbstkritik: »Unser Saisonstart war gut, trotzdem müssen und dürfen wir jetzt nicht an große Ziele denken. Wir müssen uns auf Leverkusen konzentrieren, das ist ein sehr schwerer Gegner. Deshalb müssen wir schauen was wir nicht so gut gemacht haben und es in zwei Wochen besser machen«.
Alles in Allem stellt die zweite Saisonniederlage keinen Beinbruch dar, doch sie zeigt auch, dass sowohl in der Defensive als auch in der Offensive nicht alles Gold ist, was vermeintlich glänzt. Vor allem die Chancenverwertung ist ein Punkt, an dem gearbeitet werden muss.