Dienstag, 27. September 2011 - 07:19 Uhr
Marc-Andre ter Stegen: Borussias Keeper verlebte einen weitestgehend ruhigen Nachmittag und wurde nur einmal wirklich ernsthaft geprüft, als Esswein zum Schuss kam. Den hart geschossenen Ball lenkte ter Stegen weit genug zur Seite weg. Ansonsten bei den wenigen hohen Bällen gewohnt präsent und sicher. Als Anspielstation immer mal wieder eingebunden, wobei nur ein Schlag ins Seitenaus misslang. Darüber hinaus spielte der 19-Jährige sehr gut mit und war auch in den Situationen, in denen es eng zu werden drohte, konzentriert und schnörkellos. Mit einigen präzisen Abschlägen, vor allem auf die linke Seite, machte er das Spiel schnell. Note 2,0.
Tony Jantschke: Borussias Rechtsverteidiger musste sich mit seinem U21-Nationalelfkollegen Alexander Esswein herumschlagen. Der ist nicht nur ziemlich schnell, sondern er agierte zudem sehr ‚hoch‘ und setzte Jantschke beim Spielaufbau sehr früh unter Druck. Ruhiges Passspiel war daher kaum möglich. Umso erstaunlicher, mit welcher Konzentration Jantschke zu Werke ging. Er ließ sich nicht verrückt machen, ging kein unnötiges Risiko und letztlich unterliefen ihm trotz vieler enger Situationen nur wenige wirkliche Fehler. Der 21-Jährige spielte mit Verstand und griff im richtigen Moment zu. Vielleicht mag das alles unspektakulär aussehen, doch einfach zu spielen ist am schwierigsten. Note 3,0.
Martin Stranzl: Brauchte bei seinem Saisondebüt in der Startelf eine gewisse Zeit zur Orientierung. Ein wenig musste er im Stellungsspiel justieren. Das galt auch für den Spielaufbau, den die Innenverteidiger aufgrund des Nürnberger Drucks auf die Außenverteidiger öfter als gewohnt übernehmen mussten. Hier wurde er zu zwei Steilpässen gezwungen, die nicht ankamen. Im weiteren Verlauf der Partie wurde der Österreicher immer sicherer und war schließlich der Mann mit den meisten Ballkontakten. In den Zweikämpfen gewohnt kompromisslos. Ob am Boden oder in der Luft – die Gegenspieler knallen auf Beton. Aber Stranzl musste auch einstecken: weil sein Gegenspieler durchzog, holte er sich in der Schlussphase ziemlich heftige ‚Andenken‘ am Schienbein. Note 3,0.
Dante: Wie Nebenmann Stranzl sehr oft ins Aufbauspiel eingebunden. Hier einige Male vergeblich nach einer Anspielstation suchend, doch überwiegend mit brauchbaren Pässen. In der Defensive in allen Belangen souverän und mit gutem Stellungsspiel. Nur einmal ging mit dem Gegner im Rücken nach hinten und löste sich mit etwas Glück durch Körpertäuschungen. Vorne mit einem Freistoß, den er, wie es den Anschein hatte, Arango ‚klaute‘ und dann verzog. Nach Ecken kam er wieder nicht richtig zum Kopfball. Gegen Freiburg wäre eine gute Gelegenheit für den Brasilianer, diesbezüglich mal wieder in Erscheinung zu treten. Note 3,0.
Filip Daems: Mr. Zuverlässig vom Elfmeterpunkt und damit der Sieggarant für die Borussia. Auch wenn der Strafstoß nicht wirklich gut geschossen war und der Torwart noch seine Finger am Ball hatte, so zählt letztlich nur, dass Daems getroffen hat. Und seine Quote vom Punkt aus ist wirklich mehr als bemerkenswert. Ansonsten hinten mit gutem Verhalten im Stellungsspiel und klaren und sauberen Zweikämpfen. Vor allem im ersten Durchgang schaltete er sich einige Male bis ganz nach vorne mit ein, bekam den letzten Pass bzw. die Hereingabe aber nicht zum Mann, weil er etwas zu hastig agierte und den Überblick verlor. So übersah er nach einer guten Aktion, dass de Camargo in der Mitte einschussbereit war. Note 3,0.
Thorben Marx: Machte im Mittelfeld die Räume gut zu und agierte mit gewohnt hohem Laufaufwand. Sehr aufmerksam in der Balleroberung und im Zweikampfverhalten. Seine Passquote mit über 90% war ausgezeichnet, allerdings waren es fast ausnahmslos kurze Pässe. Den Steckpass mit Risiko spielte er nicht. Überhaupt hat man den Eindruck, als ob Marx die Bälle zum Mitspieler ‚arbeitet‘. Selten sehen seine Aktionen leichtfüßig aus. Doch seinen Job als ‚Arbeitsbiene‘ erfüllte er auch so. Note 3,5.
Roman Neustädter: Erneut der Borusse mit der größten Laufdistanz. Wie sein Nebenmann Marx mit viel Aufwand und sehr gut bei der Balleroberung. Neustädter war sehr griffig und störte die Nürnberger nach deren Ballgewinnen direkt wieder. Vor allem in der Schlussphase stark, als er aufkeimende Gefahr schnell erkannte und frühzeitig ein Kombinationsspiel der Gäste unterband. Im Passspiel mit großer Genauigkeit und ohne Flüchtigkeitsfehler. Ausbaufähig weiter die Kreativität am Ball – es fehlen die zündenden Ideen und überraschenden Aktionen. Dafür zeigte er sich vor dem gegnerischen Tor energischer als gewohnt. Verpasste mit einem Schuss knapp, dazu ein Fallrückzieherversuch und zwei Kopfbälle. Note 3,0.
Marco Reus: Ohne Frage der Mann des Spiels. Er bereitete fast alle Torchancen vor, entweder für sich selbst oder andere. Großartig der Alleingang, mit dem er Arangos beste Möglichkeit kreierte. Er selbst hatte drei klare Chancen, die er zwar liegen ließ, sie jedoch nicht fahrlässig vergab. Mal fehlten Zentimeter, mal war der Torwarthandschuh dazwischen. Es ist unglaublich, wie er immer wieder aus dem Nichts auftauchte und dann sofort für Alarmstufe Rot sorgte. Sein enormes Tempo mit sagenhafter Handlungsschnelligkeit macht 90% der eigenen gefährlichen Aktionen aus. Reus löst in der gegnerischen Abwehr mit seiner Explosivität eine Panik aus wie ein Knallfrosch im Altenheim. Holte so den Elfmeter heraus. Ein Reus mit Lauffreiheit – und die hatte er - ist ganz schwer zu verteidigen. Note 1,5.
Juan Arango: Während Reus auf der einen Seite mit seinem Tempo glänzte, gefiel Arango mit wunderbarer Ballbehandlung und sauberen Direktpässen, welche ihm selbst in engen Situationen gelangen. Seine Technik ist schlichtweg herausragend. So spielte er mehrere feine Bälle und rückte auch selbst gut nach. Vergab allerdings die Großchance, die er von Reus aufgelegt bekam. Ein solch verunglückter Schuss ist für einen so guten Fußballer wie Arango sehr ungewöhnlich. Beim Freistoß an der Strafraumgrenze von Dante ‚verdrängt‘, was Arango etwas frustriert zur Kenntnis nahm. In der Arbeit nach hinten, wie unter Favre gewohnt, aufmerksam, vor allem im Kopfballspiel sehr gut. Note 2,5.
Mike Hanke: War diesmal vor allem der Mann, der dafür sorgte, dass Reus sich seine Freiheiten nehmen konnte, ohne dass die Ordnung verloren ging. Denn Hanke rückte sofort auf rechts, wenn sich Reus nach vorne orientierte. Das war intelligent und funktionierte prima. Nicht optimal war Hankes Passspiel, denn es unterliefen ihm ein paar zu leichte Fehler. Die versuchte er dann gleich selbst wieder mit viel Einsatz wett zu machen. Hanke spielte gewohnt mannschaftsdienlich und kombinierte auch flott mit. Nach einer guten Stunde wurde er von Bobadilla abgelöst. Note 3,5.
Igor de Camargo: War sofort da mit einem Kopfball am kurzen Pfosten, der aufs Tornetz gelenkt wurde. Herausragend, wie er bei vielen Kombinationen als direkte Weiterleitstation fungierte. So hatte er wesentlichen Anteil an den Großchancen von Reus und Neustädter und auch die Riesenmöglichkeit für Bobadilla bereitete der Belgier mustergültig vor. Ebenso brachte er als Doppelpass-Partner Reus in die Situation, die zum Elfmeter führte. De Camargo selbst arbeitete ungemein und nicht von ungefähr legte er hinter Neustädter die längste Laufstrecke zurück. Note 2,5.
Raúl Bobadilla: Wie gewohnt nach seinen Einwechslungen sehr engagiert und mit großem Willen. Brachte die Gegenspieler ein paar mal gehörig in Bedrängnis und sorgte so für Unruhe. Leider scheiterte er, wie schon gegen Kaiserslautern, frei vor dem Torwart. Zuletzt versuchte er es mit dem Außenrist, diesmal misslang ein schlapper Heber. Er muss lernen, dass auch einfach erzielte Tore zählen. Ohne Note.
Håvard Nordtveit: Kam in den letzten zwei Minuten für Thorben Marx, als noch etwas Zeit herausgeholt werden sollte. In Szene setzen konnte sich der Norweger nicht mehr. Ohne Note.