Montag, 26. September 2011 - 07:12 Uhr
Als Schiedsrichter Knut Kircher die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Nürnberg abpfiff, atmete Lucien Favre tief durch. Wieder gewonnen, wieder mit 1:0 – zum dritten Mal in Folge. Was auf dem Papier nach gnadenloser Effizienz aussieht, ist in Wirklichkeit das genaue Gegenteil.
»Wir waren weder in Hamburg noch gegen Nürnberg effizient«, erklärte Lucien Favre. »Wir hatten so viele Torchancen, mehrere alleine vor dem Torwart. Die müssen wir machen. Es ist bedauerlich, dass wir nur ein Tor durch einen Penalty erzielt haben«.
Tatsächlich war der Sieg des VfL gegen den Club aus Nürnberg alles andere als ein typisches 1:0, das noch dazu durch einen diskussionswürdigen Elfmeter erreicht wurde. »Alleine in der ersten Halbzeit hatten wir vier gute Torchancen«, erklärte Favre und fügte an: »Das waren keine Standards, sondern erspielte Chancen«.
Dies war umso erstaunlicher, als dass die Gäste es den Borussen alles andere als leicht machten. »Es war sehr hart«, sagte Favre. »Nürnberg hat es uns extrem schwer gemacht«. Die Franken griffen früh an, die Außenspieler setzten sehr zeitig Druck auf Borussias Außenverteidiger und unterbanden so einen ruhigen Spielaufbau.
Durch die ständigen Drucksituationen fehlte im Aufbauspiel oft die Präzision, was zu Ballverlusten führte. Doch hier konnte Nürnberg kaum profitieren, weil die Borussen ausgezeichnet umschalteten und ihrerseits direkt wieder Zugriff auf den ballführenden Gegner bekamen. So entwickelte sich über weite Phasen zwar ein intensives Spiel, bei dem die Nürnberger allerdings ohne jegliche Durchschlagskraft in der Offensive blieben.
Im Gegensatz zu den Borussen, die vor allem von den individuellen Fähigkeiten des Duos Marco Reus und Juan Arango profitierten. »Marco ist unglaublich«, schloss sich auch Lucien Favre den Lobeshymnen auf den „Roadrunner“ an. »Vor dem Elfmeter war es ein fantastisches Solo. Du sitzt auf der Bank und fragst dich, wo so ein Spieler herkommt. Fantastisch«.
Die Sololäufe von Reus sind eine echte Waffe, wobei Favre noch Luft nach oben sieht. Unter anderem dann, wenn die Wege für Reus nicht so weit sind und er Kraft und Konzentration zum Abschluss hat. »Für ihn wäre es vielleicht als Stürmer einfacher«, sinnierte Favre.
»Aber auch Juan Arango ist sehr wichtig«, hob der Trainer ebenso den zweiten ‚Künstler‘ seiner Elf hervor. »Er macht es ganz anders als Marco, aber er ist sehr gut«.
Allein die beiden hätten Nürnberg abschießen können oder sogar müssen, dazu ließen ferner Roman Neustädter und Raúl Bobadilla ausgezeichnete Gelegenheiten ungenutzt. Die Borussen ließen viel zu viel liegen, doch reichte es zum Sieg, weil Filip Daems vom Elfmeterpunkt – wenn auch mit etwas Glück – erneut traf. »Zehn Elfmeter in Folge ist nicht einfach«, sagte Favre. »Er kann von mir aus weiter bis zwanzig machen, wenn er will«.
Mit seinem Treffer sicherte Filip Daems der Borussia auch nach dem 7. Spieltag einen Champions-League-Platz. Eine Tatsache, die Lucien Favre trocken kontert. »Es wäre total unseriös darüber zu sprechen, dass wir ein Spitzenteam sind. Ich schaue nicht auf die Tabelle, die Spieler können machen was sie wollen. Aber ich träume nicht, ich bin realistisch. Ich konzentriere mich auf Freiburg. Wir haben noch enorm viel zu tun und es gibt überhaupt keinen Grund für eine Euphorie«.
Und so wird Lucien Favre nicht müde, seine mahnende Worte zu wiederholen. »Wir dürfen nicht vergessen, wo wir vor drei Monaten waren. Die gleiche Mannschaft hat nur mit viel Mühe den Klassenerhalt erreicht. Wir müssen am Boden bleiben«. Und einfach weiter punkten.