Dienstag, 20. September 2011 - 07:28 Uhr
Marc-André ter Stegen: Borussias Keeper konnte trotz des Trainingsunfalls mit einer Zahnschiene spielen. Von einem Handicap bemerkte man beim 19-Jährigen nichts. Er strahlte Ruhe aus und war in den wenigen Aktionen, in denen er gefordert war, zur Stelle. Das war im ersten Durchgang bei einem Petric-Freistoß, den er im Nachfassen ‚platt‘ machte und bei drei abgefangenen Flanken, die er sicher pflückte. Vor allem vor der Pause sehr oft ins Spiel eingebunden, wenn seine Kollegen im Aufbau keine Lösung fanden. Bei seinen Pässen nach vorne wechselten sich Präzision und Ungenauigkeit ab. Es gab schon eine gewisse Streuung und nicht umsonst weist ihn die Statistik als Borussen mit den meisten Fehlpässen aus. Einer (genau in Jarolims Füße) war etwas kritisch, blieb aber ohne Folgen. Note 3,0.
Tony Jantschke: Wenn Hamburg etwas nach vorne machte, dann über die rechte Seite von Jantschke. Der wirkte im Stellungsspiel nicht immer optimal positioniert und hatte auch in den Kopfballduellen ein paar Probleme. In den direkten Zweikämpfen packte Jantschke zwei-, dreimal richtig gut und mit hervorragendem Timing zu. Nach der Pause immer souveräner, nur als Töre kam, wurde er nochmal gefordert. Die Flanke zum vermeintlichen Handelfmeter kam über seine Seite. Im Passspiel war Jantschke gewohnt sicher, vorne meldete er sich einmal mit einer Direktabnahme nach einem abgewehrten Freistoß, die er leider etwas verzog. Note 3,0.
Roel Brouwers: Erhielt wieder den Vorzug vor Martin Stranzl und hatte zunächst ein paar kleinere Schwierigkeiten. Der Niederländer musste in der Anfangsphase etwas ‚nachjustieren‘. So holte er einmal nach eigenem Ballverlust das Leder mit einer Grätsche wieder zurück. In der zweiten Halbzeit stärker, obwohl ein Ballverlust zu einem Konter führte. Im Passspiel sehr solide und im Defensivverhalten vor allem bei langen Bällen des Gegners mit absoluter Lufthoheit. Pech hatte der 29-Jährige im Anschluss an einen Arango-Freistoß, als nur eine Fußspitze zum Torerfolg fehlte. Note 3,5.
Dante: Wie Nebenmann Brouwers in der Abwehr von den harmlosen Hamburgern kaum ernsthaft gefordert. Dante erledigte seinen Job aufmerksam, rückte einige Male frühzeitig raus bzw. auf die Seite, um zu unterstützen. Im Aufbauspiel mehrmals vergeblich eine Anspielstation suchend. Kurzpässe in die Breite gelangen, als er vertikal durch die Mitte spielen wollte, wurden die Pässe abgefangen. Ab und an hatte man den Eindruck, als ob sich der 27-Jährige etwas unterfordert fühlte und so ansatzweise für etwas Nervenkitzel sorgte, wenn er am Ball war. Doch er wusste sich aus diesen Situationen heraus zu manövrieren. Note 3,5.
Filip Daems: Der HSV machte wenig über die linke Gladbacher Seite, der fallsüchtige Jarolim war dennoch ein unangenehmer Gegenspieler für Daems. Der löste die Aufgabe routiniert und ließ sich auch nicht provozieren. Nach vorne blieb Daems im ersten Durchgang sehr zurückhaltend, was sich nach der Pause änderte. Hier hatte er einige gute Antritte, u.a. bereitete er mit seinem Rückpass im Strafraum eine Reus-Chance vor. Etwas Glück hatte der Kapitän nach dem Handspiel im Anschluss an den Tesche-Kopfball. Absicht lag hier nicht vor, doch es gibt Schiedsrichter, die legen das anders aus. Note 3,0.
Thorben Marx: Wie schon gegen Kaiserslautern rückte er für Nordtveit in die Startelf. Marx machte ein solides, ordentliches und letztlich sehr unauffälliges Spiel. Er lief vorausschauend die Räume zu, musste nur selten in die Zweikämpfe, welche er fast immer für sich entschied. Im Passspiel mit zwei, drei zügigen Weiterleitungen, in der Schlussphase des ersten Durchgangs allerdings auch mit einigen Fehlpässen. Bekam einen Schlag auf die Wade und musste auch deshalb in der 66. Minute vom Platz. Note 3,5.
Roman Neustädter: Sicherte sich auch in Hamburg den Titel des laufstärksten Borussen. Wie gehabt arbeitete er intensiv, schloss viele Passwege und fing Bälle frühzeitig ab. Wenn er in direkte Zweikämpfe musste, allerdings oft unterlegen. Im Spiel nach vorne zunächst unauffällig, drehte er zu Beginn der zweiten Halbzeit auf und spielte (endlich) mehrere zügige Steilpässe. Er bot sich immer wieder gut an und lief zwischen die Mannschaftsteile des HSV, um als Verbindungspunkt herzuhalten. Weiterhin unverständlich ist seine Zurückhaltung am gegnerischen Strafraum – er ist oft zu zaghaft und lässt selbst beste Schussgelegenheiten ungenutzt. Da muss er einfach noch viel mehr aus sich herausgehen. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Kam aufgrund des Ausfalls von Mike Hanke und der Versetzung von Marco Reus in die Spitze zu seinem Startelfdebüt. Zu Beginn mit zwei auffälligen Szenen, als er den ersten Angriff einleitete und die erste Ecke herausholte, später noch mit der guten Ablage zum Schuss von Reus (dem einzigen im ersten Durchgang). Herrmann tauschte schon früh mit Arango die Seiten und litt im weiteren Verlauf unter dem wenig zwingenden Offensivspiel der Borussen. Zwar versuchte Herrmann es mit einigen Sprints, doch letztlich kam er nicht in Position. Obwohl der Einsatz stimmte, blieb er im Zweikampf (zu) oft zweiter Sieger. Seine Auswechslung nach 66 Minuten war nachvollziehbar. Note 4,0.
Juan Arango: Der Matchwinner von letzter Woche konnte dem Spiel zunächst seinen Stempel nicht aufdrücken. Nur sehr wenig ging nach vorne, auch der Seitentausch mit Herrmann brachte keine nennenswerte Verbesserung. In Sachen Laufleistung und defensiver Mitarbeit war der Venezolaner wie seit Monaten mehr als ordentlich dabei. In der zweiten Halbzeit legte er auch in der Offensive zu. Seine herein gedrehten Freistöße von rechts waren brandgefährlich und einer führte letztlich zum Siegtor. Er spielte einige feine Pässe (u.a. auf Daems im Strafraum), hätte allerdings selbst mindestens einen Treffer beisteuern müssen. Gleich vier gute Gelegenheiten vergab er, besonders der ‚Freischuss‘ am Elfmeterpunkt gegen Drobny war eine 100%ige. Zum Glück reichte es auch so für Borussia. Note 3,0.
Marco Reus: Übernahm für den verletzten Hanke die Rolle des hängenden Stürmers und hatte dort einige Anlaufschwierigkeiten. Die Räume waren dicht, da der HSV quasi mit drei zentralen defensiven Mittelfeldspielern agierte, die Reus ohne Rücksicht auf Verluste und oftmals überhart attackierten. Der schwache Schiedsrichter schützte Reus nicht, für den es kein Durchkommen gab. Er wollte dann etwas erzwingen, was aber mehrmals mit Ballverlusten endete. Der Frust war bis auf die Tribüne spürbar und außer einem Distanzschuss nach Herrmann-Ablage hatte Reus keine gefährliche Offensivaktion. Das änderte sich nach der Pause, als er von Beginn an hellwach und an fast allen gefährlichen Angriffen beteiligt war. Zweimal setzte er de Camargo und Arango mustergültig ein, dann hatte er nach dem Führungstreffer die Möglichkeit, selbst zu erhöhen, scheiterte jedoch an Drobny. Und auch Arangos weitere Großchance bereitete Reus, der nach der Einwechslung von Bobadilla wieder auf rechts spielte und sich dort sichtlich wohler fühlte, vor. Reus sah die Gelbe Karte wegen Meckerns, was sicherlich vermeidbar, aufgrund der etwas einseitigen Regelauslegung des Schiedsrichters allerdings auch ein stückweit verständlich war. Note 3,0.
Igor de Camargo: Bot in Hamburg wieder ein typisches ‘Igor-Spiel’. Über weite Strecken des ersten Durchgangs komplett abgetaucht und insgesamt mit den wenigsten Ballkontakten aller Borussen, die 90 Minuten dabei waren. Dabei betrieb de Camargo auch in Hamburg wieder einen enormen Aufwand, nur Neustädter und Reus liefen mehr als er. So ackerte der gebürtige Brasilianer viel und wurde vor allem vom grobschlächtigen Rajkovic oftmals am Limit attackiert. Dass er sich nicht beirren lässt und ein Vollblutstürmer ist, bewies er nicht nur beim Tor des Tages, sondern auch bei seiner Schusschance kurz nach der Pause, als Drobny glänzend reagierte. Note 3,0.
Raúl Bobadilla: Kam unmittelbar vor dem Führungstor und übernahm dann die Rolle der zweiten Spitze. Hier präsentierte er sich sehr beweglich, wich auf die Seiten aus. Flankte gut zu einer Chance von Arango, legte zudem schön per Hacke auf Reus im Strafraum ab. Am Ball ruhig und mit dem Auge für den freien Mitspieler, dazu mit viel Einsatz in den Offensivzweikämpfen. Ein durchaus gelungener Auftritt des Argentiniers. Ohne Note.
Håvard Nordtveit: Ersetzte den angeschlagenen Marx und war ohne Anlaufzeit direkt im Spiel. Der Norweger wirkte sehr spritzig, konzentriert und sicher. In dieser Verfassung gewiss mehr als nur eine Option für das Nürnberg-Spiel. Ohne Note.
Martin Stranzl: Kam in der Nachspielzeit um noch an der Uhr zu drehen, bestritt in den wenigen Sekunden noch ein erfolgreiches Kopfballduell. Ohne Note.