Montag, 19. September 2011 - 07:29 Uhr
Es gab Zeiten, da war Borussia Mönchengladbach für viele Bundesligisten ein willkommener Aufbaugegner. Besonders wenn es irgendwo kriselte, kam ein Gastspiel der Elf vom Niederrhein gerade recht. In den letzten Jahren brachte der VfL als dankbarer Punktelieferant so manches schlingernde Schiff unfreiwillig wieder auf Kurs.
Doch die Zeiten haben sich geändert, und zwar gewaltig. Heute ist Borussia Mönchengladbach eine der am unangenehmsten zu spielenden Mannschaften in der Liga. »Das ist nicht mein Problem«, sagte Borussias ‚Baumeister‘ Lucien Favre auf die Bemerkung hin, dass es schwer ist, gegen sein Team etwas zu holen.
Für den angeschlagenen Hamburger SV war es ein Problem – und zwar ein unlösbares. Denn obwohl die Borussen im ersten Durchgang alles andere als eine fußballerische Glanzleistung ablieferten, war der HSV über 95 Minuten fast komplett chancenlos.
»Es war sicher ein verdienter Sieg«, resümierte Lucien Favre. »Aber die erste Halbzeit war überhaupt nicht gut. Zu niedriges Tempo, zu wenig Kombinationen und zu viele technische Defizite«, hatte der Schweizer bei seinem Team ausgemacht. Da dies auch auf den HSV zutraf, war es 45 Minuten lang ein ziemlich unansehnliches Spiel. Oder, wie es Lucien Favre ausdrückte: »Es war ein 0:0, mehr nicht«.
In der Pause fand der Schweizer die richtigen Worte, denn vom Wiederanpfiff an agierte sein Team zielstrebig in Richtung Hamburger Tor. »Die Mannschaft hat die erste Halbzeit korrigiert und es gut gemacht«, stellte der Coach zufrieden fest. »Wir hatten fünf, sechs klare Torchancen und machen leider nur ein Tor nach einem Standard«.
Warum leider? »Weil wir viele Möglichkeiten hatten, nach schönen Kombinationen zu einem Torerfolg zu kommen«, erklärte Favre. Tatsächlich hätte seine Mannschaft den HSV auseinandernehmen können, ja eigentlich müssen. So blieb es vom Ergebnis her eng bis zum Schlusspfiff, tatsächlich geriet man jedoch nie ernsthaft in Gefahr.
»Wir waren hinten nur zweimal am Limit«, bestätigte Favre. »Die Mannschaft war stabil, das ist sehr wichtig«.
Und diese Stabilität, gepaart mit der erstaunlichen Mutlosigkeit der Hamburger, reichte letztlich zum zweiten Auswärtssieg, mit dem sich die Borussia in der Spitzengruppe festsetzt. Für Lucien Favre ist und bleibt es eine Momentaufnahme.
»Alles ist relativ, das sieht man am Tabellenplatz des VfL Bochum, der in der Relegation noch ein ebenbürtiger Gegner war. Oder am 1. FC Köln, der in Leverkusen 4:1 gewinnt. Jedes Spiel ist eng und wir müssen seriös weiter arbeiten«.
Mit dieser Einstellung sind sie in Mönchengladbach in den letzten Wochen und Monaten gut gefahren und es gibt keinen Grund daran etwas zu ändern. Borussia ist schwer zu knacken und alles andere als der Aufbaugegner vergangener Tage. Das ist ein wirklicher Entwicklungsschritt …