Sonntag, 18. September 2011 - 14:48 Uhr
Nachdem Trainer Lucien Favre bereits im letzten Heimspiel gegen Kaiserslautern mit der Aufstellung von Roel Brouwers und Thorben Marx überraschte, war es gegen den HSV die Nominierung des jungen Patrick Herrmanns mit der der Schweizer für Verwunderung sorgte.
Herrmann, der erst in der Mannschaftsbesprechung am Morgen vor der Partie von seiner Aufstellung erfuhr, erhielt aufgrund eines »Bauchgefühls« seines Trainers und »guten Trainingsleistungen« den Vorzug vor Raúl Bobadilla. Doch weder dem jungen Herrmann noch seiner ansonsten unveränderten Mannschaft wollte im ersten Durchgang viel gelingen.
»Wir waren in der ersten Halbzeit einfach nicht gut, haben zu viele einfache Bälle verloren und viel zu hektisch gespielt. Das war sicherlich nicht so geplant«, brachte Thorben Marx, der erneut den Vorzug vor Håvard Nordtveit erhielt, die anfangs eher mäßige Leistung seiner Mannschaft auf den Punkt. Obwohl die Hamburger nahtlos an die schlechten Darbietungen in dieser Saison anknüpften, ließen die Borussen vor allem das Selbstbewusstsein eines Tabellendritten zunächst vermissen. »Wir haben uns zu wenig zugetraut«, befand auch Marco Reus, der mit seinem Distanzschuss für das einzige offensive Ausrufezeichen in den ersten 45 Minuten sorgte.
Doch wie schon gegen den 1. FC Kaiserslautern, war es die zweite Halbzeit in der die Borussen das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Dabei schien vor allem die Halbzeitansprache Favres gefruchtet zu haben. »Der Trainer hat in der Pause gesagt, dass wir anders auftreten sollten. Er bleibt sachlich und findet die richtigen Worte. Dann haben wir es besser gemacht, den Gegner nicht aufgebaut und direkt Chancen kreiert«, erklärte Reus die Leistungsexplosion in der zweiten Hälfte.
Nachdem zuvor die Hamburger Drobny und Rajkovic noch die Führung durch de Camargo und Arango verhindern konnten, war es in der 66. Minute schließlich eine Standardsituation die der Borussia die Führung bescherte. Nach einem gut getimten Freistoß Juan Arangos, lief de Camargo seinem Bewacher im Rücken davon und sorgte für den Treffer des Spiels.
Im Anschluss an den Führungstreffer verpasste es die Borussia aber erneut, die zahlreich vorhandenen Großchancen zu nutzen und den Sack endgültig zuzumachen. »Aufgrund unserer Leistung in der zweiten Hälfte müssen wir das zweite Tor machen. Dann wäre das Spiel gelaufen gewesen, aber man kann nicht alles haben. So mussten wir warten bis zur letzten Sekunde«, war für Kapitän Daems am Ende nur der Sieg entscheidend.
So blieb der überwiegend harmlose HSV im Spiel und hätte mit seiner einzig nennenswerten Offensivaktion und ein bisschen mehr Glück einen Elfmeter bekommen können. Nach guter Vorarbeit von Töre und dem Kopfball von Tesche, stand die Hand von Filip Daems einem Treffer der Hamburger im Weg. »Ich bekomme ihn in der Luft gegen meine Hand, aber es ist nicht so, dass meine Hand absichtlich zum Ball geht. Vielleicht kann man den pfeifen, vielleicht nicht«, bewertete Daems die Szene diplomatisch.
Da keine unmittelbare Absicht erkennbar war und der Belgier den Ball klar mit dem Bein spielen wollte, blieb in dieser Situation der Pfiff, des ansonsten schwachen Schiedsrichters Peter Sippel, zu Recht aus. Doch gerade diese Szene scheint sinnbildlich für den neuen Erfolg der Borussia zu sein, da in der vergangenen Saison noch gerade solche Szenen stets zu Ungunsten der Gladbacher ausgelegt wurden. »Der HSV ist jetzt in einer Situation, in der wir uns in der Vorsaison befanden. Wenn man da drin steckt ist es schwer da unten wieder rauszukommen«, zeigte Borussias abstiegserfahrener Linksverteidiger ein wenig Mitgefühl für den Gegner.
Am Ende eines durchschnittlichen Bundesligaspiels fand die Partie mit der Borussia einen gerechten Sieger, auch wenn in den spielentscheidenden Situationen eine Portion Glück von Nöten war. »Natürlich brauchen wir hin und wieder ein wenig Glück, aber das erzwingen wir uns auch«, sah Marco Reus die Leistung seiner Mannschaft dadurch aber nicht geschmälert. Neben dem Glück ist vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit zum Erfolgsrezept der Gladbacher geworden und somit auch Igor de Camargos Devise für die kommenden Spiele: »Jeder weiß was wir wollen, wir wollen füreinander kämpfen. Es war ein Sieg des Kollektivs«.