Dienstag, 13. September 2011 - 07:22 Uhr
Marc-André ter Stegen: Kein einfaches Spiel für den Keeper, der nur ganz selten eingreifen, dennoch die Konzentration hochhalten musste. In der Anfangsphase wirkte er bei einem Freistoß von halbrechts und einer Ecke etwas unsicher, als er zunächst raus ging, dann jedoch den Rückweg antrat. Danach bei den Standards der Lauterer präsent und mit dem gewohnten Durchsetzungsvermögen. Nach der Pause boxte er den Tiffert-Freistoß ins Seitenaus, der anschließende Einwurf brachte den Fallrückzieher, den er mit einer Weltklasseparade entschärfte. Zwar waren die Abschläge des 19-Jährigen nicht so präzise und am Ende hätte er durchaus noch etwas Tempo herausnehmen können. Doch worum es im Endeffekt geht: ter Stegen machte keine Fehler und rettete mit seiner Klasse zwei Punkte. Note 2,5.
Tony Jantschke: Hatte vor allem im ersten Durchgang im Spiel nach vorne seine Probleme, denn er erreichte mit seinen Pässen selten die Vordermänner. Da wurde zu viel ‚telefoniert‘ und dadurch war für den Gegner leicht erkennbar, was Jantschke vorhatte. Gut dagegen sein direkter und einfacher Doppelpass mit Reus. In der Defensive nicht besonders gefordert, allerdings ließ er Shechter einmal mit einem kurzen Haken zu leicht passieren. Vorne meldete er sich mit einem starken Volleyschuss nach einer abgewehrten Ecke, der leider geblockt wurde. Nach der Pause schlug er zunächst eine zu flache Flanke, dann glückte ihm jedoch die schöne Hereingabe auf Arango zum Siegtor. In der Schlussphase half er Brouwers noch, als der von Shechter düpiert wurde. Ganz cool, wie Jantschke am Ende Ball und Gegner ins Toraus laufen ließ. Note 3,5.
Roel Brouwers: Blieb dank guter Leistungen in den Vorwochen in der Startelf und hat dank der Null hinten eigentlich weiter alle Argumente auf seiner Seite. Gegen Kaiserslautern wurde er nur ab und zu von Shechter gefordert, was nicht ganz ohne Probleme abging. Am Ende hätte Shechter Brouwers fast einen Knoten in die Beine gedreht, doch Jantschke bereinigte. Ansonsten war das Stellungsspiel des Niederländers gewohnt ordentlich und er spulte das Programm routiniert ab. Klasse, wie er einmal den Gegner täuschte und den Ball zu ter Stegen laufen ließ. Die Frage für nächsten Samstag wird lauten: ist Brouwers eine Bank oder sitzt er drauf? Note 3,5.
Dante: Auch der Abwehrchef verlebte einen relativ ruhigen Nachmittag ohne wirklich brenzlige Situationen. Im Aufbauspiel war er aktiver als Nebenmann Brouwers, wobei vor allem weite Bälle im dichten Geflecht der Gäste versandeten. Dante lief einige Bälle ab und rückte oft frühzeitig eine Station nach vorne, um Anspiele in die Spitze direkt abzufangen. Er ging wenig Risiko ein und hatte auch in der Phase, als Kaiserslautern nach dem Rückstand ein wenig mehr probierte, alles im Griff. Am Ende wurde er von Krämpfen geplagt, spielte aber durch. Note 3,0.
Filip Daems: Versuchte sich vor allem im ersten Durchgang einige Male über links mit einzuschalten, doch entweder gerieten seine Hereingaben nicht druckvoll genug oder er blieb an einem Gegenspieler hängen. In solchen Situationen fehlt eine Finte oder ein Trick, mit dem er mal überraschen könnte. Im weiteren Verlauf wurden die Wege nach vorne seltener. Hinten löste er seine Aufgaben solide und ohne Kompromisse. Stark, wie er Shechter bei einem Konter nach einer Gladbacher Ecke stoppte. Note 3,0.
Thorben Marx: Rückte etwas überraschend in die Startelf. Von Beginn an merkte man ihm sein Bemühen um Direktspiel an. Auch den einen oder anderen Seitenwechsel hatte er auf Lager. Wenn es zu eng bzw. schnell wurde, ging die Präzision verloren. Dennoch war sein Passspiel solide, genauso wie seine Defensivarbeit. Er stellte gut zu, so dass er selten in das direkte Duell musste. Vor dem gegnerischen Tor tauchte er einmal gefährlich auf, als er mit einem Flachschuss nur knapp das Tor verfehlte. Mit zunehmender Spieldauer schien er der Hitze Tribut zollen zu müssen und auch er hatte mit Krämpfen zu tun. Note 3,5.
Roman Neustädter: Der Kilometerfresser im Gladbacher Mittelfeld ackerte ungeachtet der unangenehmen äußeren Bedingungen wie gewohnt. Er ist wirklich ein guter und unermüdlicher Abfangjäger. Im Kombinationsspiel oft mit guten Direktpässen, so wie die Weiterleitung mit Gegner im Rücken auf Jantschke vor dem Siegtor. Aber auch hin und wieder mit einigen fahrigen Abspielen. Wenn er mit dem Ball am Fuß läuft und Zeit zum Überlegen hat, gelingt ihm weniger. Das Erkennen der Situation, wenn er in guter Schussposition ist, fehlt Neustädter augenscheinlich. Wenn er vor dem Sechzehner Raum hat entscheidet er sich für alles, nur nicht für einen Schuss. Nach seinem erfolgreichen Freistoß im Testspiel gegen Duisburg durfte er sich nun auch in der Bundesliga versuchen – leider landete der Ball in der Mauer. Note 3,5.
Marco Reus: Wurde von Kaiserslautern als Borussias gefährlichster Spieler ausgemacht und oft gedoppelt oder gar von drei Gegenspielern aufgefangen. So kam er kaum zu seinen gefürchteten Antritten. Einmal holte er einen Freistoß heraus, dann spielte er einen guten Doppelpass mit Jantschke. Dazu hatte er eine gute Torchance nach Hanke-Pass, als er am Fünfmeterraum noch geblockt wurde. Dass Reus zudem durch die Verletzungspause die letzte Spritzigkeit fehlte zeigte sich bei seinem Sololauf kurz vor der Pause, als ihm auf den letzten Metern Mut und Kraft verließen. Nach der Pause konnte er sich kaum in Szene setzen und war am Ende platt. Note 4,0.
Juan Arango: Der fußballerische Ökonom. Er nahm sich Auszeiten wenn es ging und war da, wenn es nötig wurde. Arango sprintete nur dann, wenn er sich sicher war, den Ball zu holen. Und bei diesen Sprints war er tatsächlich unglaublich spritzig – um gleich darauf wieder in scheinbare Lethargie zu verfallen. Seine technischen Feinheiten haben immer eine Funktion, selbst die Hackentricks. Blitzsauber sein Schuss aus nicht einfachem Winkel ins kurze Eck zum Tor des Tages. Stark auch sein Distanzschuss in der Schlussphase, den Trapp noch zur Ecke lenkte. Aber er war nicht nur der Künstler, sondern auch aufmerksam im Spiel nach hinten. Und vor allem intelligent. Der Venezolaner war schlau im Zweikampf und am Ende noch schlauer im Zeitspiel bzw. im kreieren von Situationen, die Zeit und Ruhe brachten. Auch wenn nicht alles gelang, so ragte Arango gegen Kaiserslautern nicht nur wegen seines Tores heraus. Note 2,0.
Mike Hanke: Kein guter Tag für Borussias hängende Spitze. Ihm unterliefen eine Vielzahl von Fehlpässen und er fand kaum Bindung. Dass er nicht der Schnellste ist, weiß man. Doch gegen Kaiserslautern ließ er auch die Handlungsschnelligkeit vermissen und sich mehrfach einfach den Ball abluchsen. Da wirkte er schläfrig, phasenweise abwesend. Zweimal versuchte er es mit Fernschüssen zu erzwingen, was misslang. Dennoch stand Hanke an der Basis der zwei besten Möglichkeiten vor der Pause. Einmal mit tollem Doppelpass vor Marx' Distanzschuss und mit einem richtig feinen Pass in den Lauf von Reus vor dessen Chance. Da Hanke auch nach der Pause nicht wirklich in die Spur fand, nahm Favre ihn nach einer Stunde richtigerweise vom Feld. Note 4,5.
Igor de Camargo: Ließ gleich zu Beginn tanzend zwei Lauterer aussteigen, kam dann nicht richtig zum Abschluss. In weiteren Verlauf der ersten Halbzeit blieb er das Phantom ohne Tor. Irgendwie blieb er ohne Bindung, obwohl er viel Laufarbeit verrichtete. Doch im Gegensatz zu Arango machte de Camargo viele vergebliche Wege. Nach der Pause und vor allem nach der Führung hatte er mehr Aktionen, in denen er nach Übersteigern zum Flanken kam. Nach Hankes Auswechslung musste sich de Camargo fallen lassen, da haperte es zunächst in der Abstimmung mit Bobadilla. Am Ende wurde es ein echter Kraftakt für ihn, aber er biss sich – trotz der einen oder anderen Behandlungspause – durch. Note 4,0.
Raúl Bobadilla: Ersetzte Hanke nach einer Stunde und ging in die vorderste Spitze. Als „One-Man-Forchecker“ ging er wie wild auf die ballführenden Lauterer, die sich davon tatsächlich verwirren ließen. Mit Körpereinsatz holte er zwei, drei Freistöße und für Amedick eine Gelbe Karte heraus. Als Kombinationsspieler ohne Aktion. Dafür mit der großen Chance zum 2:0, als er den Ball mit viel Einsatz eroberte, dann aber kläglich vergab. Warum er in dieser Situation mit dem Außenrist schoss, bleibt wohl sein Geheimnis. Zum Glück war der Fehlschuss letztlich nicht spielentscheidend. Ohne Note.
Håvard Nordtveit: Seine Nichtberücksichtigung für die Startelf lag wohl in einer Kombination aus der schwachen Leistung auf Schalke sowie dem Länderspiel begründet. Nach seiner Einwechslung fiel er kaum auf, einzig mit der Gelben Karte für eine Grätsche im Mittelfeld. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Kam in der Schlussphase und konnte sich nicht beweisen, da nicht mehr viel nach vorne ging. Einmal dribbelte er über rechts, spielte dann jedoch einen Fehlpass. Ohne Note.