Montag, 12. September 2011 - 07:23 Uhr
Die Rollen im fast vollen Borussia-Park waren am Samstag klar verteilt. Der Gast aus Kaiserslautern ließ die Heimmannschaft anrennen und hoffte, dass sich die Borussen beim ständigen Anlaufen eine blutige Nase holen würden. Fast wäre der Plan der Pfälzer aufgegangen.
»Es war eine Mauer«, sagte Borussias Trainer Lucien Favre anschließend. »Sie waren sehr gut organisiert, es war extrem schwer gegen diese Mannschaft zu spielen«.
Dabei hatte sein Team eigentlich sehr vielversprechend angefangen. »Die ersten 12, 15 Minuten waren sehr gut«, lobte der Coach. Doch dann wurde es immer zäher und seine Spieler drohten zeitweise zu verkrampfen. »Wir haben zu kompliziert und zu viel durchs Zentrum gespielt. Die Spieler haben nach Lösungen gesucht, waren ein wenig nervös und auch nach Ballgewinnen nicht kompakt genug«.
Tatsächlich schaffte man es zu selten, die Gäste wirklich unter Druck zu setzen. »Gerade in solchen Phasen darfst du den Rhythmus nicht verlieren. Aber wenn du unnötige Ballverluste hast, schwindet dein Vertrauen«, analysierte Favre, der Kaiserslautern sogar bescheinigte, im ersten Durchgang besser gewesen zu sein.
Das war allerdings etwas zu viel an Bescheidenheit, denn die Gäste waren an diesem Nachmittag nur in der Arbeit gegen den Ball erstligatauglich. Ansonsten war es mehr als unterdurchschnittlich, was die Pfälzer auf den Platz brachten, wobei die Borussen ihnen vergleichsweise viele Standardsituationen gestatteten. »Wir haben unnötige Fouls gemacht. Das waren zu viele«, bestätigte Favre.
In der zweiten Halbzeit konnte sich sein Team stabilisieren und die Angriffe mit etwas mehr Struktur vortragen. »Wir haben besser gespielt, mehr über außen und mit höherem Tempo«, erklärte Favre. Und nach knapp einer Stunde erlöste Juan Arango seinen Trainer und alle Borussen mit dem Tor des Tages. »Es war eine gute Flanke von Tony Jantschke und ein super Tor von Juan Arango«, freute sich der Schweizer.
Der eingewechselte Raúl Bobadilla hätte bei seiner Riesenchance alles klar machen können, doch der Argentinier bugsierte einen ‚Freischuss‘ per Außenrist am Tor vorbei. Dennoch wollte Favre seinen Schützling nicht an die Wand nageln. »Nächstes Mal wird er so eine Gelegenheit nutzen. Wichtig war, wie er sich diese Torchance kreiert hat. Schade für ihn und für uns, aber das 1:0 hat ja gereicht«, ließ er Gnade walten. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass auf die Offensivkräfte arbeitsreiche Tage zukommen werden. »Ich werde spezifisch arbeiten mit den Stürmern«, kündigte er an, nachdem auch Mike Hanke und Igor de Camargo nicht wirklich überzeugen konnten.
Überrascht hatte der Trainer mit der Nominierung von Thorben Marx (für Håvard Nordtveit) und Roel Brouwers (trotz der Genesung von Martin Stranzl). »Martin hat zehn Tage trainiert, es fehlten noch die letzten 5% und Roel hat bisher gut gespielt«, erläuterte der Trainer. »Es ist auch ein Signal – wir brauchen alle Spieler«.
Doch weder Brouwers noch Marx dürfen sich ihrer Stammplätze sicher sein. »Wir werden sehen, was in Zukunft ist«, ließ Favre alles offen.
Dass sich am Ende mehrere Spieler mit Krämpfen plagten, wird sich in der Zukunft wohl nicht wiederholen. »Das hatte viel mit der Hitze zu tun. Mittwoch hatten wir 12 Grad und heute war es unglaublich heiß. Das war sehr unangenehm – angenehm war der Sieg«.
Und das war es, was letztlich zählte. »Nach der unglücklichen Niederlage gegen Schalke wollten wir unbedingt sofort wieder einen Sieg erreichen. Das ist auch wichtig für den Kopf«, freute sich Favre. »Nach 90 Minuten ist der Erfolg verdient, aber es war sehr schwer und sehr eng«.
Dass der VfL nun nach dem 5. Spieltag bereits soviel Punkte auf dem Konto hat, wie in der gesamten letzten Hinrunde, ist für den Trainer kein Grund zur Euphorie. »Wir haben zehn Punkte. Darüber freue ich mich, aber es sind eben auch nur zehn Punkte. Wir müssen weiter hart arbeiten, an der Technik, der Ballannahme und dem Tempo«.
Und so weicht der Schweizer Perfektionist keinen Deut ab von seiner Prognose vor der Saison. »Ich habe gesagt, dass es extrem schwer wird und wir von Beginn an um jeden Punkt kämpfen müssen«, so Favre. »Das macht die Mannschaft bislang gut«. Nicht mehr, aber auch nicht weniger …