Mittwoch, 07. September 2011 - 08:20 Uhr
Wer sich an die letzte Winterpause zurück erinnert und sich dabei noch einmal die Aussagen des Sportdirektors Max Eberl vor Augen führt, der würde wohl die abgeschlossene Kaderzusammenstellung der Borussia als fragwürdig und Max Eberl als unbelehrbar bezeichnen. Noch im vergangenen Winter musste eben dieser eingestehen, dass vor allem den Spielern aus der zweiten Reihe, die aufgrund des großen Verletzungspech verstärkt in den Vordergrund rückten, die nötige Erfahrung und somit auch die Bundesligatauglichkeit fehlte.
Blickt man nun am Ende der Transferperiode auf die Verpflichtungen für die aktuelle Spielzeit, sucht man vergeblich nach wirklich namhaften Verstärkungen. Oscar Wendt hat immerhin Champions-League gespielt, eher unbekannte Spieler wie Lukas Rupp, Matthias Zimmermann, Joshua King, Yuki Otsu und Mathew Leckie bringen keine Bundesligaerfahrung mit und dürften der Kategorie „Perspektivspieler“ angehören.
Dementsprechend schienen Lucien Favres wiederholt über die Medien vorgetragenen Wünsche nach weiteren Neuverpflichtungen Wasser auf die Mühlen aller Kritiker des Sportdirektors. Doch nach vier Spieltagen und überraschenden sieben Punkten auf dem Konto, sind die kritischen Stimmen im Umfeld der Borussia ruhiger geworden.
Auch wenn bislang keiner der sechs Neuzugänge den Sprung in die Startelf schaffte, so sind es vor allem Eberls „Vorgriffe“ aus dem Winter, die zum Klassenerhalt verhalfen und die Mannschaft somit wieder zurück in die Erfolgsspur führten. Mit Martin Stranzl und Harvård Nordtveit wurden die dringend benötigten Stabilisatoren für die Defensive gefunden und obwohl Mike Hanke bis dato erst einen Treffer für die Borussia erzielen konnte, ist der von Lucien Favre zum Vorlagengeber umfunktionierte Stürmer ebenfalls nicht aus der Startelf wegzudenken.
Neben den drei Neuzugängen aus der Winterpause hat die Borussia durch Marc-André ter Stegen im Verlauf der Rückrunde die „Baustelle Tor“ geschlossen und mit dem jungen Keeper quasi einen weiteren Top-Neuzugang bekommen.
Soweit ist Rückkehrer Raùl Bobadilla noch nicht. Doch der Argentinier, der unter Lucien Favre einen Neuanfang probiert, darf nach seinem Auftritt am dritten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg zumindest als Hoffnungsträger gelten.
Dagegen haben die Neuverpflichtungen aus dem Sommer derzeit eher den Status eines Ergänzungsspielers inne. Dabei ist ihr wahres Leistungsvermögen bzw. ihr Potenzial aufgrund mangelnder Einsätze nach so kurzer Zeit schwer zu bewerten. Aber sowohl Matthew Leckie als auch Lukas Rupp bei ihren Kurzeinsätzen und zuletzt auch Yuki Otsu im Testspiel, konnten einen kleinen Vorgeschmack auf ihr Können geben. Aufgrund der aktuellen Verletzungsprobleme von Marco Reus und der ansprechenden Leistung Otsus beim Test gegen den MSV Duisburg, könnte der Japaner sogar bereits am Wochenende eine Alternative für Lucien Favre sein.
Dagegen stehen Matthias Zimmermann, Joshua King und vor allem Oscar Wendt noch hinten dran. Während Zimmermann und King durch ihre Ausbildung oder Verletzung einen Großteil der Vorbereitung und somit den Anschluss an die Mannschaft verpassten, konnte der Schwede zwar die gesamte Vorbereitung absolvieren, doch an Mannschaftskapitän Filip Daems führt nach dessen starken Leistungen derzeit kein Weg vorbei. Und da der Champions-League erprobte schwedische Nationalspieler, anders als von Favre eigentlich bevorzugt, nur auf die eine Position fixiert scheint, bleibt momentan nur der Platz auf der Bank für den erfahrensten Sommereinkauf.
Sicherlich hätte dem Kader noch ein erfahrener Mittelfeldspieler gut zu Gesicht gestanden, doch offensichtlich ließ der finanzielle Spielraum nicht mehr zu. Zurecht verweist Max Eberl auf die Tatsache, dass wichtige Leistungsträger wie Reus oder Dante gehalten werden konnten. Mit den Volltreffern aus dem Winter und der recht stattlichen Anzahl im Sommer geholten Perspektivspielern, verfügt Lucien Favre auch ohne einen Last-Minute-Zugang über eine vernünftige Mischung um das Saisonziel zu erreichen. Und das ist, dem überraschenden Start zum Trotz, auch weiterhin ein gesicherter Platz im Mittelfeld.