Samstag, 03. September 2011 - 18:01 Uhr
Länderspielpause ist gleich Testspielzeit. Der Ligabetrieb ruht an diesem Wochenende und folglich haben fast alle Profiteams Freundschaftspiele organisiert. Zum einen, damit die nicht bei ihren Nationalmannschaften weilenden Spieler im Rhythmus bleiben, zum anderen, um den Akteuren etwas Spielpraxis zu geben, die bislang eher weniger Einsatzzeiten hatten.
Für Borussia Mönchengladbach ging es am Samstag nach Grevenbroich-Kapellen, wo der heimische SC in diesen Tagen sein 100-Jähriges Jubiläum feiert. Höhepunkt der Feierlichkeiten war das Freundschaftsspiel zwischen der Borussia und dem MSV Duisburg vor 3.000 Zuschauern im restlos ausverkauften Erftstadion.
Borussias Trainer Lucien Favre musste dabei auf eine ganze Reihe seiner Profis verzichten. Marc-André ter Stegen und Marco Reus, die verletzungsbedingt nicht zu den Nationalmannschaften reisen konnten, fehlten in Kapellen genauso wie Oscar Wendt (Schweden), Håvard Nordtveit (Norwegen), Igor de Camargo (Belgien), Tony Jantschke (U21/Deutschland), Joshua King (U21/Norwegen) und Patrick Herrmann (U20/Deutschland).
Ebenso nicht zur Verfügung standen Juan Arango (Sonderurlaub) sowie die beiden erkrankten Raúl Bobadilla und Filip Daems.
Dafür konnte Lucien Favre wieder auf Martin Stranzl zurückgreifen, der seine hartnäckige Wadenverletzung überwunden hat und das Team gleich als Kapitän aufs Feld führte. Der Österreicher bildete die Innenverteidigung vor Keeper Christofer Heimeroth mit Roel Brouwers. Dante verteidigte aus der Not geboren links, Neuzugang Matthias Zimmermann rechts. Die Aufgaben im defensiven Mittelfeld teilten sich Thorben Marx und Julian Korb, die Halbpositionen besetzten Lukas Rupp und Yuki Otsu. Und im Sturm probierten sich Mike Hanke und Mathew Leckie.
Nach einem zaghaften Beginn von beiden Seiten waren es zunächst die Duisburger, die bei hochsommerlichen Temperaturen mit einem Lupfer erstmals Torgefahr ausstrahlten (8.). Auf Seiten der Borussen war es Matthias Zimmermann, der nach knapp zehn Minuten nach Vorarbeit von Leckie knapp am gegnerischen Kasten vorbei zielte.
Etwas präziser machte es Martin Stranzl nur zwei Minuten später, als er nach einem Eckball von Otsu von der linken Seite zum Kopfball kam und die Kugel im Duisburger Kasten versenkte. Vorausgegangen war ein schöner Hackentrick von Hanke zu Korb, der sich auf der linken Seite durchtankte, ehe ein Duisburger zur Ecke klären konnte.
Nach dem Führungstreffer der Borussen verflachte die Partie zusehends. Es gab, den äußeren Umständen entsprechend, einiges an Sommerfußball zu sehen. Vor beiden Toren tat sich nicht allzu viel. Christofer Heimeroth war auf dem Posten, wenn er gefordert wurde und auf der anderen Seite hatte auch MSV-Keeper Fromlowitz kaum Probleme – auch nicht mit einem Freistoß von Mike Hanke (36.).
Bei den Borussen war natürlich interessant zu beobachten, wie sich Dante auf der Linksverteidigerposition schlug, die er ja seit seiner Zeit in Lüttich nicht mehr bekleidet hat. Ein wenig ungewohnt wirkte es schon, den Brasilianer dort zu sehen, der jedoch eher unauffällig agierte. Einmal verlor er den Ball in der Vorwärtsbewegung, ansonsten war er vor allem mit Offensivaktionen zurückhaltend.
Zur Pause blieb Dante draußen, für ihn kam Roman Neustädter, der sich im defensiven Mittelfeld einordnete. Julian Korb übernahm dafür die Position des Linksverteidigers.
Die Borussia startete gut in den zweiten Durchgang, erzielte durch Roel Brouwers auch einen Treffer, der jedoch zurecht wegen Abseits nicht gegeben wurde (50.). Drei Minuten später verpasste Hanke nach Vorarbeit von Rupp mit einem Schuss aus zwanzig Metern knapp, kurz darauf klappte es für den Ex-Schalker besser. Otsu ‚chipte‘ einen Freistoß von der rechten Seite in den Strafraum, Mike Hanke traf per Kopf zum 2:0 für den VfL (58.).
Yuki Otsu hätte wenig später erhöhen können, scheiterte jedoch an Fromlowitz. Nichts zu halten hatte der Duisburger Keeper allerdings in der 69. Minute. Nach einem Foul an Rupp an der Strafraumgrenze zirkelte Roman Neustädter den fälligen Freistoß wunderbar in den rechten oberen Winkel des Duisburger Tores zum 3:0.
Alles klar also für die Borussia, die zwölf Minuten vor Schluss noch eine kurze Schrecksekunde zu überstehenden hatte. Martin Stranzl fiel über den aus seinem Tor heraus eilenden Christofer Heimeroth und fasste sich ans Knie. Doch der Österreicher stand wieder auf und spielte noch eine Minute mit, ehe die geplanten Wechsel folgten. Marcel Ewertz, Moritz Göttel und Christoph Zimmermann, sonst in der U19 aktiv, ersetzten Thorben Marx, Mike Hanke und Martin Stranzl.
Letzterer machte nicht nur wegen seines Treffers ein sehr ordentliches Spiel und dürfte am nächsten Samstag im Bundesligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern seine Saison-Premiere geben.
Der MSV Duisburg nutzte die Umstellungen bei den Borussen und markierte durch den eingewechselten Daniel Reiche noch den Ehrentreffer, der Heimeroth mit einem sehenswerten Lupfer überwand. In den letzten Minuten war der Zweitligist aktiver, doch es blieb beim klaren und verdienten 3:1-Sieg für die Gladbacher Borussia.
Martin Stranzl gab direkt nach dem Spiel Entwarnung hinsichtlich der Kollision mit Heimeroth. »Es ist nichts, alles in Ordnung«, sagte er. Und auch sonst sieht es beim Österreicher gut aus. »Wichtig ist, dass der Muskel gehalten hat«, freute er sich. Einen Stammplatz für Kaiserslautern forderte er freilich nicht ein. »Das entscheidet der Trainer. Bei uns zählt das Kollektiv«, gab er artig zu Protokoll.
Das Spiel gegen den MSV ordnete Stranzl richtig ein. »Es war eine bessere Trainingseinheit um im Rhythmus zu bleiben oder Spielpraxis zu bekommen. Ab und zu haben wir gut kombiniert und die Standardsituationen provoziert, aus denen wir die drei Tore gemacht haben«.
Dass Roman Neustädter als Freistoßschütze glänzte, war eigentlich nicht geplant, wie Stranzl verriet. »Hanke sollte schießen, aber die Mauer stand nicht so gut. Da haben wir Roman gerufen und der hatte keine Zeit, groß zu überlegen … «.
Etwas mehr Zeit zum Überlegen hatte in den letzten Wochen Neuzugang Yuki Otsu, der bislang noch keine Rolle im Profiteam spielte. »Er hat sich gut bewegt«, lobte Lucien Favre den Japaner für sein Engagement in Kapellen. »Wie alle anderen eigentlich auch, was bei diesem Wetter nicht so einfach war«.
Yuki Otsu jedenfalls möchte alsbald auch in der Bundesliga seine Qualitäten unter Beweis stellen. »Ich kann immer in der ersten Mannschaft spielen«, zeigte er sich überzeugt. »Zwei Tore vorzubereiten ist nicht schlecht, aber ich möchte natürlich auch selbst treffen«. Die Kommunikation sei nicht so einfach, räumte er ein, Heimweh verspüre er aber nicht. Und nachdem er gegen den VfL Wolfsburg die Atmosphäre im Borussia-Park erlebt hat, will er mehr. »Das war enorm, so kenne ich das aus Japan nicht«. Vielleicht war ja Kapellen der Schritt für Yuki Otsu in Richtung große Bühne Bundesliga …
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth - Zimmermann, Brouwers, Stranzl (79. C. Zimmermann), Dante (46. Neustädter) – Marx (79. Ewertz), Korb - Rupp, Otsu – Hanke (79. Göttel), Leckie
MSV Duisburg: Fromlowitz – Pliatsikas, Berberovic (60. Reiche), Kern, Brosinski (65. Exslager) – Gjasula (70. Kunt), Soares (60. Bollmann), Wolze, Bajic – Domovchiyski (65. Shao), Jula
Tore: 1:0 Stranzl (12.), 2:0 Hanke (58.), 3:0 Neustädter (69.), 3:1 Reiche (81.),
Zuschauer: 3.000 im Erftstadion Kapellen