Mittwoch, 31. August 2011 - 15:08 Uhr
Es war der Fangesang schlechthin, den die Freiburger Anhänger im Dezember letzten Jahres ihrem Ex-Spieler Mo Idrissou so ausdauernd entgegen schmetterten. „Idrissou spielt Champions-League – auf PS3 – die ganze Nacht, von zwölf bis acht“ skandierten die Breisgauer beim ungefährdeten 3:0 Sieg über Borussia. Hintergrund war eine angebliche Aussage von Idrissou zu seinen Freiburger Kollegen, dass er ohnehin weg gehe und künftig Champions-League spiele.
Als er nun nach Freiburg zurückkehrte, war er als Tabellenletzter mit Gladbach von diesem kühnen Traum weiter entfernt denn je und musste den beißenden Spott über sich ergehen lassen.
Und es ist fraglich, ob der mittlerweile 31-Jährige Kameruner sich seinen Wunsch von Europas Eliteklasse noch erfüllen kann, wechselt er doch aktuell noch eine Liga tiefer. Auf den letzten Drücker ist Mo Idrissou mit Eintracht Frankfurt einig geworden und heuert, wie schon zuvor Karim Matmour und Bamba Anderson, beim Aufstiegsfavoriten der zweiten Liga an.
Bereits frühzeitig hatte die sportliche Leitung von Borussia Mönchengladbach dem Stürmer zu verstehen gegeben, dass er in der neuen Saison keine Rolle mehr spielen würde. Eine Entscheidung, die in ihrer Deutlichkeit zumindest aus sportlicher Sicht einige Fragezeichen aufwirft. Mo Idrissou war in der abgelaufenen Saison zwar nicht überragend, hatte jedoch nicht zuletzt mit seinem goldenen Tor gegen Borussia Dortmund seinen Anteil am Klassenerhalt.
Als laufstarker Offensivspieler, der mit seiner Spielweise für den Gegner immer unberechenbar ist, hätte Mo Idrissou durchaus auch in der neuen Spielzeit eine Rolle bei Borussia spielen können. Zumal er auch defensiv mitarbeitet und mit seiner Kopfballstärke bei gegnerischen Standards eine Menge ‚abräumt‘.
Allerdings gilt Idrissou als nicht besonders aufnahmewillig, wenn es um taktische Anweisungen geht. So kann seine unorthodoxe Spielweise einen Trainer schon mal zur Weißglut bringen. Ein weiterer Faktor ist die Person Mo Idrissou abseits des Platzes. Er plappert meist munter und unbedacht drauflos und liefert damit den Boulevardmedien permanent druckreifes Material.
In Mönchengladbach war man sich dessen von Anfang an bewusst, doch es gelang nicht, den „wilden Mo“ einzufangen und medial auf Linie zu bringen.
Und da ist ja noch die angebliche, von Idrissou gegenüber der BILD-Zeitung bestätigte, Klausel im Vertrag, wonach sich das Arbeitspapier bei einer bestimmten Anzahl von Einsätzen automatisch um ein Jahr verlängert und eine dicke Gehaltsaufbesserung mit sich gebracht hätte. Auch dies könnte ein Grund dafür sein, dass man in Mönchengladbach das „Gesamtpaket Idrissou“ lieber heute als morgen loswerden wollte.
Fakt ist, dass sich Mo Idrissou ab sofort der Frankfurter Eintracht anschließt, die Borussia sein Gehalt spart und möglicherweise einem bösen Fallstrick im Vertragswerk ausweicht.
Borussia Mönchengladbach gibt einen Profi ab, mit dem man es nicht ganz leicht hat, vor allem wenn er nicht zum Stammpersonal gehört. Sie verliert mit Mo Idrissou aber unzweifelhaft auch sportliche Qualität. Selbst wenn es bei Mo für die Champions-League nicht mehr reichen wird.