Freitag, 26. August 2011 - 16:48 Uhr
Obwohl die Borussia am letzten Spieltag nach langer Zeit wieder einmal die Tabellenspitze eroberte und somit voller Selbstvertrauen am Sonntag die Fahrt nach Gelsenkirchen antritt, sieht der derzeitige Tabellenführer einem schweren Auswärtsspiel entgegen.
Nachdem die Schalker bereits am letzten Sonntag in Mainz einen 0:2 Pausenrückstand in einen 4:2 Auswärtssieg verwandelten, beeindruckte vor allem das 6:1 im Rückspiel der Europa League Qualifikation gegen den HJK Helsinki. Auch hier drehten die Gelsenkirchener einen 0:2 Rückstand aus dem Hinspiel und konnten sich somit doch noch erfolgreich qualifizieren.
Dementsprechend dürfte die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick zumindest in Sachen breiter Brust den Mannen von Lucien Favre um nichts nachstehen. Doch dieser nimmt die letzten Eindrücke seines kommenden Gegners sichtlich gelassen. »Das 6:1 war verdient. Schalke hält das Tempo hoch, sie spielen offensiv und beherrschen ein sehr intensives Pressing. Aber jede Mannschaft hat Schwächen, auch Schalke«, kommentierte der Schweizer die bisherigen Leistungen der Schalker unaufgeregt.
Mit der Last-Minute Rettung und dem nahezu perfekten Saisonstart im Rücken, verwies Favre sogar bemerkenswert deutlich auf die eigenen Stärken. »Wir sollten nicht immer nur über die Gegner reden. In der Bundesliga hat man es jedes Wochenende mit einer Top-Mannschaft zu tun. Wir wollen wieder versuchen, auswärts wie zuhause zu spielen, den Weg nach vorne suchen, aber auch gut verteidigen. Wir respektieren Schalke, aber wir haben keine Angst«, gab er die Parole für die Partie am Sonntag aus.
In der Tat gibt es für den Erfolgscoach derzeit wenig Grund an seiner Mannschaft zu zweifeln. So scheint sich sein Team von der Euphorie der letzten Wochen und Monate sowie der Euphorie der Tabellenführung nicht aus der Bahn werfen zu lassen. »Wir haben sehr gut und intensiv trainiert«, ließ Favre keine Zweifel an möglichen Nachlässigkeiten aufkommen.
Neben Nachlässigkeiten in der Einstellung, wollte der Trainer auch nichts von einer psychologischen Belastung oder gar einer Favoritenrolle für das Spiel gegen Schalke wissen. »Der Druck ist immer da, egal gegen wen wir spielen. Wir sind zwar momentan Spitzenreiter, aber das bedeutet zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison nicht viel«, wiegelte er die zahlreichen Fragen zu möglichen negativen Begleiterscheinungen der Tabellenführung ab.
Viel wichtiger erschien ihm dagegen die Rückkehr von Igor de Camargo und Roel Brouwers, die nach überstandener Verletzungspause bzw. überwundener Sperre wieder im Kader stehen. »Igor ist wieder da. Er hat diese Woche alle Einheiten mit der Mannschaft absolvieren können«, freute sich Favre über die Genesung seines Top-Torjägers.
Allerdings gilt die Rückkehr in die Starformation für den Brasilianer mit belgischem Pass als unwahrscheinlich, da man wohl kein Risiko eingehen will und mit Raúl Bobadilla nach seiner Gala Vorstellung gegen Wolfsburg eine echte Alternative zur Verfügung steht.
Anders ist die Lage bei Roel Brouwers. So darf sich der Niederländer nach überzeugenden Leistungen und abgebrummter Gelb-Rot Sperre berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Innenverteidigung machen. Denn trotz seiner guten Vertretung durch Håvard Nordtveit, gilt dieser im defensiven Mittefeld als zu wertvoll um dauerhaft in die Abwehr versetzt zu werden.
Mit dem Selbstvertrauen von sieben Punkten und der Tabellenführung im Gepäck sowie der Rückkehr de Camargos und Brouwers, wollen die Gladbacher ihren Lauf gegen die wiedererstarkten Schalker weiter fortsetzen. In der Rückrunde der letzten Saison lieferte der Gegner aus Gelsenkirchen jedenfalls den perfekten Auftakt für das Debut von Lucien Favre und seiner furiosen Aufholjagd. Sicherlich nicht das schlechteste Omen …