Mittwoch, 24. August 2011 - 11:03 Uhr
Borussia Mönchengladbach ist in diesen Tagen in aller Munde. Die Tabellenführung, die unerwartete Glanzleistung von Raúl Bobadilla, der unwiderstehliche Wirbelwind Marco Reus oder der geniale Fußballer Juan Arango sind neben den Lobeshymnen auf Trainer Lucien Favre die Spieler, die im Fokus stehen.
Ein anderer bleibt in der öffentlichen Betrachtung etwas am Rande, dabei ist die Geschichte von Tony Jantschke ganz eng mit dem Aufschwung der letzten Monate verbunden. Nur in den ersten beiden Spielen unter Lucien Favre gehörte Tony Jantschke nicht zur ersten Elf. Am 23. Spieltag der vergangenen Saison gegen Hoffenheim beorderte Favre den damals 20-Jährigen als Rechtsverteidiger in die Startformation. Seit diesem Tag ist Tony Jantschke Stammspieler, die Borussia verlor nur drei von achtzehn Pflichtspielen (jeweils 0:1) und kassierte nie mehr als ein Gegentor pro Partie.
Bereits nach seinem ersten Auftritt konnten Jantschke die Attribute attestiert werden, die auch heute noch Gültigkeit haben. „Schon erstaunlich, mit welchem Selbstverständnis der 20-Jährige bei seinem Startelfdebüt in dieser Saison agierte“, hieß es in der TF-Einzelkritik. „Bei der Ballannahme erkennt man, dass er Vertrauen in seine fußballerischen Qualitäten hat. Im Zweikampfverhalten ruhig und ohne Risiko, aber entschlossen und auch im Luftkampf überzeugend. Er hatte stets ein Auge auf das Gesamtbild und spielte intelligent und bemerkenswert routiniert“.
Diese Bewertung bestätigte Tony Jantschke in den folgenden Einsätzen mit einer anerkennenswerten Selbstverständlichkeit. Er spielt nicht spektakulär, sondern schlau. Jantschke verteidigt sauber, versucht, den Gegenspieler abzudrängen, den Flankenversuch zu blocken. Die ‚Blutgrätsche‘ packt er nur dann aus, wenn es gar nicht mehr anders geht. So kommt er fast ohne Foulspiel aus und die gefährlichen Freistoßhereingaben des Gegners sind deutlich weniger geworden.
Tony Jantschke gerät nicht in Panik, löst vieles fußballerisch und ist ein echter Gewinn für die Mannschaft, selbst wenn in seinem Offensivspiel noch einiges an Luft nach oben besteht.
Trotz seiner erst 21 Jahre hinterlässt er einen routinierten und regelrecht abgezockten Eindruck. Auch abseits des Rasens zeichnet ihn eine angenehme Unaufgeregtheit aus. Den Hype um die Übernahme des ersten Tabellenplatzes quittierte er mit leichtem Kopfschütteln. »Es ist relativ sinnlos, nach dem dritten Spieltag über die Tabellenführung zu reden«.
Bemerkenswerter ist für Tony Jantschke eher, wie geschlossen sich die Mannschaft präsentiert. »Gegen Wolfsburg fehlten mit Martin Stranzl und Roel Brouwers zwei Innenverteidiger mit riesiger Erfahrung. Und dann kommt Håvard Nordtveit und spielt das, als ob nie was gewesen wäre«.
»Das ist es, was uns auszeichnet, was uns stark macht«, so Jantschke weiter. »Jeder weiß, was er zu machen hat und fügt sich perfekt ein. Wir haben einen Plan und den setzen wir um, egal gegen wen es geht«.
Am Sonntag geht’s in die Schalker Arena, wo es die nächste harte Nuss zu knacken gibt. »Das wird ein interessantes Spiel«, weiß Jantschke. Dass die Borussen als Spitzenreiter anreisen, hat damit nichts zu tun. »Nach drei Spielen ist noch niemand Meister geworden oder abgestiegen. Wir wollen eine ordentliche Saison spielen und sind auf einem guten Weg. Nicht mehr und nicht weniger«.
Tony Jantschke versteht es, den Ball flach zu halten. Auf und neben dem Platz.