Montag, 22. August 2011 - 09:22 Uhr
Marc-André ter Stegen: Das Loblied der letzten Wochen auf den jungen Keeper konnte auch im Spiel gegen Wolfsburg nahtlos weitergesungen werden. Beim Gegentor der Wölfe war Borussias Keeper ohne Abwehrchance, ansonsten vor allem mit seiner Präsenz bei hohen Bällen eine echte Bank. Er setzt seinen Körper mutig, aber keineswegs kopflos ein. Wenn er im Fünfmeterraum angegangen wird, liegt fast immer der Angreifer auf dem Boden und ter Stegen hat den Ball. Das bringt Respekt. Bei den wenigen ernsthaften Wolfsburger Versuchen stets auf dem Posten, als mitspielender Torwart wieder absolut ruhig und überlegt. Seine Pässe kommen genau und haben die nötige Fahrt. Nur ein, zwei Abschläge an die Seitenlinie gerieten etwas zu weit. Mit seinem herausragenden Reflex gegen Helmes zehn Minuten vor Schluss erlebte der 19-Jährige dann auch noch sein ganz persönliches Highlight. Note 2,0.
Tony Jantschke: Der Mann mit den meisten Ballkontakten (100) knüpfte an die stabilen und beständigen Leistungen der letzten Wochen und Monate an. Sehr sicher im Passspiel, nur wenige Fehlversuche und ohne unnötiges Risiko. Im Zweikampfverhalten weiterhin ‚schlau‘ darauf bedacht, Fouls zu vermeiden. Wenn der unbedingte Zugriff notwendig wurde, war der 21-Jährige zur Stelle. Das wäre er auch beim 3:1 gewesen, als er hinter Torschütze Bobadilla heran rauschte und den Ball wohl auch über die Linie bugsiert hätte. Wenn man bedenkt, dass Jantschke erst seit ein paar Monaten ‚richtiger‘ Bundesligaspieler ist, so ist seine Abgeklärtheit umso bemerkenswerter. Note 2,5.
Håvard Nordtveit: Rückte für die fehlenden Stranzl bzw. Brouwers in die Innenverteidigung und löste diese Aufgabe, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Sein einziger Fehler unterlief ihm in seinem eigentlichen Hoheitsgebiet vor der Abwehr, als er sich beim Kopfball verschätzte und so das Wolfsburger Tor einleitete. Ansonsten agierte der Norweger jedoch ausgesprochen konzentriert und auch im Luftkampf mit richtig gutem Timing. Sein Stellungsspiel war einwandfrei, ebenso sein Passspiel. Wie als 6er spielte er auch aus der Innenverteidigung klare und präzise Bälle. Einfach schnörkellos und gut. Note 2,5.
Dante: Der Brasilianer hatte keine Probleme, sich mit Nordtveit auf einen neuen Nebenmann einzustellen. Beide harmonierten, wobei Dante deutlicher als im Duett mit Stranzl der ‚Chef‘ war. Er löste die Situationen ob gegen Helmes, Mandzukic oder später Lakic problemlos. Einzig beim Gegentor, als er sich zu Helmes orientierte, konnte er dessen Wechsel auf den langen Pfosten nicht verhindern. Ansonsten souverän und auch mit Dribblings, mit denen er die Gegner narrte. Dies jedoch längst nicht mit dem Risiko wie schon erlebt, so dass er sich diese Aktionen bei seiner Klasse auch erlauben konnte. Note 2,5.
Filip Daems: Borussias Kapitän zeigte erneut vom Elfmeterpunkt seine Nervenstärke und verwandelte ganz sicher. Überhaupt war es eine auffällige Partie des Linksverteidigers, der sich gleich mehrfach beherzt nach vorne einschaltete, sich dabei allerdings einige Male festlief. Da fehlten im schlicht die Lösungsmöglichkeiten gegen mehrere Wolfsburger. Beim Gegentor ließ er Träsch in seinem Rücken etwas zu viel Raum, so dass dieser den Ball auf Hasebe ablegen konnte. Ansonsten war Daems jedoch hoch aufmerksam und zeigte bei einem Wolfsburger Konter gegen Hasebe ein Super-Tackling. Auch in der zweiten Halbzeit mit sehr gut getimten Grätschen, starkem Stellungsspiel und überlegtem Zweikampfverhalten. Note 2,5.
Thorben Marx: Startelfdebüt für den Ex-Herthaner, weil Nordtveit als Innenverteidiger benötigt wurde. Marx löste seine Aufgabe so, wie man es von ihm erwarten darf: Mit einer unspektakulären, aber eminent fleißigen Leistung. Er war der laufstärkste aller Borussen (12,84 km), hatte jedoch deutlich weniger Ballkontakte als Nebenmann Neustädter. Marx sorgte für die defensive Balance, lief die Lücken zu und beschränkte sich ansonsten auf wenige Aktionen. Auch wenn er ab und an den Ball einen Tick zu lange hielt, so spielte er doch einige ganz feine Pässe in die Tiefe. Note 3,0.
Roman Neustädter: Borussias Dauerläufer musste sich mit seiner Laufleistung (12,25 km) knapp seinem Kollegen Marx geschlagen geben, was wohl auch daran lag, dass Neustädter ein paar Minuten des Spiels verpasste. Nämlich als er nach dem schmerzhaften Kopfballduell mit Hasebe einen Cut erlitt und ‚getackert‘ werden musste und später nach einem fiesen Tritt von Josue in den Rücken an der Außenlinie liegen blieb. Neben diesen unfreiwilligen Auszeiten war Neustädter jedoch sehr präsent und bot eine starke Leistung. Dabei profitierte er sicher auch davon, dass der Gegner im Gegenteil zu den ersten beiden Saisonspielen diesmal im Mittelfeld keine Überzahl hatte. So war es für Neustädter defensiv übersichtlicher, einzig beim Gegentor fehlte ihm der letzte Schritt um Hasebe noch am Abschluss zu hindern. Im Spiel nach vorne gab es mehr Räume, die er sehr gut nutzte. Er beteiligte sich an sehr vielen Kombinationen und wusste auch im Direktspiel zu gefallen. Klasse sein Zuspiel auf Arango vor dem 4:1. Bis in die Schlussphase hinein war Neustädter ein unermüdlicher Antreiber. Note 2,0.
Juan Arango: Spielte nur in der Anfangsphase auf links, tauschte dann mit Reus die Seite und blieb fortan auf rechts. Auch auf der ungewohnten Position mit einer starken Leistung. Sowohl in der Rückwärtsbewegung, als auch im Spiel nach vorne. Mit seiner Ballsicherheit und der außergewöhnlichen Ruhe, mit der er enge Situationen löst, ragte der Venezolaner heraus. Er probierte viel (gab mit 6 die meisten Torschüsse aller Spieler ab) und war an den meisten Direktkombinationen beteiligt. Zwar gelang nicht alles, doch der geniale Außenristpass auf Reus zum 4:1 war alleine das Eintrittsgeld schon wert. Das war ganz großes Kino. Note 2,0.
Marko Reus: Letzte Woche noch kritisiert wegen seines etwas nachlässigen Defensivverhaltens, begann er diesmal gleich mit einem Ballgewinn ganz tief in der eigenen Hälfte. Tauschte früh die Position mit Arango und blieb für den Rest des Spiels auf der linken Seite. Gegen den unerfahrenen Schulze spielte er seine Schnelligkeit aus und stellte seinen Gegenspieler mit den unwiderstehlichen Antritten immer wieder vor Probleme. Beim Ausgleich lief Reus aufmerksam mit und vollendete locker, dazu holte er den Elfmeter raus, indem er seinen Gegenspieler zu dessen ungeschickten Eingreifen nötigte. Mit den Toren im Rücken spielte sich Reus nach der Pause in einen regelrechten Rausch und krönte seine Leistung mit dem keinesfalls einfachen Abschluss zum 4:1. Danach war er vielleicht im Gefühl des sicheren Sieges ein bisschen leichtsinnig und nicht mehr so aufmerksam im Spiel nach hinten. Doch nach solch einer Leistung und bei diesem Spielstand war das zu verzeihen. Note 1,5.
Mike Hanke: Man wird dem Ex-Schalker nicht gerecht, würde man den Stürmer nur an seinen Toren messen. Denn da ging Mike Hanke auch gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Wolfsburg leer aus. Ein Schuss ans Außennetz, als der Ball etwas versprang und natürlich die 100%ige Chance, als er nach Bobadilla-Hereingabe aus vier Metern das Kunststück fertig brachte, das Leder über den Querbalken zu bugsieren, sind für einen Angreifer sehr bescheiden. Dennoch war Hanke für das Spiel seiner Mannschaft enorm wertvoll. Mit klugen Direktpässen stand er an der Basis der Elfmetersituation und des 4:1, sowie vielen weiteren gelungenen Kombinationen. Hinter allem, was er versuchte, steckte eine Idee und hatte Hand und Fuß. Technisch ist Hanke ganz stark und eigentlich ist er der Beweis dafür, dass ein Fußballprofi nicht per se schnell sein muss. Er arbeitete viel, belegte im internen „Kilometer-Ranking“ den vierten Platz und verdiente sich einige Fleißkärtchen. Und dennoch wird es Zeit, dass er auch mal wieder als Vollstrecker in Erscheinung tritt. Note 3,0.
Raúl Bobadilla: In seiner ersten Aktion versprang dem Argentinier der Ball und es schien, als wäre es wie immer. Doch dann rutschte Kjaer aus und ab diesem Moment änderte sich für Raúl Bobadilla alles. Er reagierte hellwach und legte dann selbstlos für Reus vor. Nach dieser Szene war der Stürmer nicht mehr wieder zu erkennen. Er eroberte die Bälle indem er seinen Körper geschickt einsetzte, spielte gradlinig und ohne Schnörkel. Keine Pirouetten, sondern zielgerichtete Aktionen. Ganz stark seine Vorarbeit zu Hankes Großchance, aber auch die Aktion nach der Pause, als er einen Gegenspieler aussteigen ließ und direkt abzog. Sein Tor war nicht sonderlich schwer, doch er war da, wo ein Stürmer in diesem Fall hin muss. Erst im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte drohte er ein, zwei Mal in alte Verhaltensmuster zu verfallen. Am Ende dann ziemlich platt und rechtzeitig ausgewechselt. Insgesamt eine herausragende, weil komplett unerwartete Leistung von Bobadilla. Bleibt zu hoffen, dass es nicht nur die alljährliche Eintagsfliege war. Note 1,5.
Mathew Leckie: Zeigte beim Kurzeinsatz seine immense Schnelligkeit. Gleichzeitig wurde deutlich, dass er noch sehr hektisch agiert. Ein gewisses Potential ist fraglos vorhanden. Ohne Note.
Joshua King: Kam zu seinem Bundesligadebüt für wenige Minuten. Sein erster Ball versprang ihm, er korrigierte die Situation, indem er das Leder zurückholte. Darüber hinaus mit ein paar Antritten, die durchaus neugierig machen. Körper, Athletik und Schnelligkeit bringt der junge Norweger mit. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Durfte in den letzten Minuten die Jubelarien im Borussia-Park als Feldspieler genießen. Ohne Note.