Samstag, 20. August 2011 - 14:45 Uhr
Nach der frühen Führung der Gäste aus Wolfsburg, deutete in der 12. Spielminute noch wenig auf einen Gala-Abend der Borussia hin. »Das Gegentor darf so nicht passieren«, analysierte Thorben Marx kurz und knapp die Situation in der die Gladbacher Hintermannschaft zu zögerlich agierte und damit den Wölfen in Person von Makoto Hasebe die 1:0 Führung ermöglichte.
Doch was danach passierte, ließ viele Qualen der letzten Saison fast schon vergessen. Denn nur zwei Minuten später konnte Marco Reus nach grobem Schnitzer von Simon Kjaer zum Ausgleich einschieben. »Nach dem sinnlosen Gegentor haben wir eine gute Reaktion gezeigt, sind zurückgekommen und haben uns immer weiter gesteigert. Vor allem in den zwanzig Minuten vor und nach der Pause«, kommentierte Tony Jantschke die entscheidende Phase des Spiels.
Nach dem Ausgleich fand ausschließlich die Borussia statt und so war es nur noch eine Frage der Zeit bis das Spiel gedreht wurde. In der 32. Spielminute war es schließlich ein erneut etwas umstrittener Foulelfmeter, den Kapitän Filip Daems gewohnt souverän verwandelte. »Es war ähnlich wie in der letzten Woche gegen Stuttgart, den kann man geben«, bewertete der gefoulte Reus die strittige Szene diplomatisch und letztlich wohl auch richtig.
Mit der 2:1 Führung brachen nicht nur auf den Rängen alle Dämme, vor allem einer brachte mit seiner Leistungsexplosion die Stimmung zum Kochen. Der fast schon abgeschriebene und oft kritisierte Problemfall Raúl Bobadilla, bewies eindrucksvoll, dass er auch anders kann als oft gezeigt.
Nicht nur seine selbstlose Vorbereitung des Ausgleichstreffers durch Reus und sein Kopfballtreffer zur 3:1 Pausenführung, sondern vor allem seine kämpferische Leistung sowie zahlreiche gelungene und äußerst ansehnliche Dribblings rissen die Zuschauer von ihren Sitzen. »Ich versuche immer das Beste zu geben, in jedem Training und in jedem Spiel. Heute hat es gut geklappt. Es ist super, wenn die Fans einen so feiern. Das ist sehr emotional«, zeigte sich der Argentinier nach dem Spiel sichtlich bewegt.
Obwohl Borussias Sorgenkind in der Woche zuvor gegen Stuttgart eher unglücklich agierte, schenkte ihm Trainer Favre erneut das Vertrauen und ließ Bobadilla von Beginn an ran. Der geläuterte Rückkehrer dankte es seinem Trainer mit seiner, neben dem Bremen-Spiel in der ersten Saison, wohl besten Vorstellung im Fohlen-Dress. »Das Spiel gegen Stuttgart war nicht so gut, aber ich habe in der Woche hart gearbeitet. Im Fußball ist es wichtig in jedem Spiel Spaß zu haben und heute hatte ich sehr viel Spaß«, erklärte Bobadilla seine Glanzleistung.
Neben dem Argentinier, bewies auch wieder einmal Marco Reus wie wichtig er für die Borussia ist. Nachdem er bereits an zwei Treffern in der ersten Halbzeit maßgeblich beteiligt war, sorgte sein 4:1 für das absolute Highlight an einem Abend, an dem der Borussia so gut wie alles gelang. »Wir haben uns hinterher etwas in einen Rausch gespielt, hatten durch die Tore Selbstvertrauen. Und dann wird Fußball einfach – man denkt nicht nach und es gelingen Dinge, die vorher nicht geklappt haben«, wollte der Nationalspieler sein Traumtor nicht überbewerten.
Mit dieser Leistung und dem Traumstart mit 7 Punkten aus drei Spielen setzten die Gladbacher ein deutliches Ausrufezeichen im Kampf um einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. »Wenn wir so weiterspielen werden wir mit den Plätzen da unten nichts zu tun haben«, unterstrich Reus nach dem Spiel das neue Selbstbewusstsein der Borussen.
Demzufolge war die Tabellenführung eine Belohnung für die guten Leistungen der letzten Wochen, aber auch nicht mehr als eine Momentaufnahme. »Es ist ein schönes Gefühl. Jetzt kann man sich in aller Ruhe die anderen Spiele ansehen. Man schaut natürliche lieber jetzt auf die Tabelle, als im letzten Jahr. Aber diese Situation jetzt spielt noch keine Rolle, nach drei Spieltagen«, bemühte sich Thorben Marx um eine realistische Einordnung der Tabellenführung.
Der rasante Abstieg nach dem glorreichen 6:3 in Leverkusen in der letzten Saison dürfte jedenfalls allen Beteiligten Warnung genug sein, um nicht nach drei Spieltagen in Träumereien zu verfallen.