Freitag, 19. August 2011 - 22:20 Uhr
Notgedrungen bot Borussias Trainer Lucien Favre im dritten Ligaspiel die dritte Startformation auf. Verzichten musste der Schweizer auf den gesperrten Roel Brouwers (Gelb-Rot) sowie die immer noch verletzten Martin Stranzl und Igor de Camargo.
Neu in die Mannschaft rückte Thorben Marx, der im Mittelfeld neben Roman Neustädter die Position von Håvard Nordtveit übernahm. Der Norweger spielte dafür in der Innenverteidigung neben Dante, Kapitän Filip Daems und Tony Jantschke komplettierten die Viererabwehrkette auf den Seiten.
Neben dem Duo Neustädter & Marx spielten Juan Arango (links) und Marco Reus (rechts) im Mittelfeld, während Mike Hanke und erneut Raúl Bobadilla das Stürmerpaar gaben.
Auf Seiten des VfL Wolfsburg beorderte Trainer Felix Magath Neuzugang Thomas Hitzlsperger in die erste Elf – nach einer Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft.
Die Partie startete recht zerfahren, beide Teams hatten ihre Spielanteile, richtig durchsetzen vermochten sie sich in der Anfangsphase allerdings beide nicht. Bemerkenswert war somit nur ein Kopfballduell der schmerzhaften Art zwischen Neustädter und Hasebe, das der Wolfsburger gewann. Neustädter zog sich einen Cut zu und musste behandelt werden.
Und Hasebe war auch in der 13. Minute obenauf. Nach einem eigentlich harmlosen Angriff der Wolfsburger bereinigten die Borussen die Aktion nicht klar genug. So gab es einen relativ simplen Seitenwechsel der Wölfe, Träsch legte zurück auf Hasebe, der aus 16 Metern ziemlich humorlos zum 0:1 einnetzte.
Die Borussen mussten sich einmal kräftig schütteln, kamen zwei Minuten später jedoch schon wieder in die Spur. Simon Kjaer rutschte zwanzig Meter vor dem Tor aus, Raúl Bobadilla reagierte hellwach. Der Argentinier lief mit dem Ball am Fuß in den Strafraum, legte gut quer auf den mitgelaufenen Marco Reus, der nur noch einschieben musste.
Die prompte Ergebniskorrektur tat dem Spiel der Borussen gut, während sich Wolfsburg verunsichert zeigte. Nach gut 25 Minuten hatten die Gladbacher deutliches Übergewicht, was sich dann auch in Chancen ausdrückte. Zunächst war es Bobadilla, der nach Doppelpass mit Reus aus 17 Metern abzog, jedoch nicht genug Druck hinter den Ball bekam, so dass Benaglio parieren konnte (27.). Noch in derselben Minute war Hanke über rechts durch und versuchte es aus relativ spitzem Winkel. Der Schuss des Ex-Wolfsburgers klatschte ans Außennetz.
Borussia war nun das überlegene Team und ging eigentlich folgerichtig auch in Führung. Nach einem schönen und direkt vorgetragenen Angriff über Hanke ging Reus, der fast ausnahmslos über die linke Seite kam, im Strafraum ins Laufduell mit dem frisch eingewechselten Schulze. Reus wollte den Ball um den Wolfsburger herumlegen, was ihm zwar gelang, doch die Kugel war eigentlich unerreichbar. Doch der Abwehrmann hielt Reus, der zu Fall kam und Schiedsrichter Schmidt entschied auf Elfmeter. Wie schon in der Vorwoche gegen Stuttgart verwandelte Filip Daems sicher – diesmal präzise und flach in das von ihm aus gesehene rechte untere Eck (32.).
Die Führung brachte den Fohlen weitere Sicherheit, während die Wölfe zusehends die Orientierung verloren. Schon in der 41. Minute hätte Mike Hanke zwingend auf 3:1 erhöhen müssen, als er nach schöner Einzelleistung des auffälligen Bobadilla das Kunststück fertig brachte, die Kugel aus fünf Metern über das leere Tor zu bugsieren.
Dennoch durften die Borussenfans noch vor dem Halbzeitpfiff zum dritten Mal jubeln. Nach einer Ecke von Arango von der rechten Seite verlängerte Wolfsburgs Schäfer das Leder mit dem Hinterkopf vor das eigene Tor. Dort stand Raúl Bobadilla völlig blank und nickte die Kugel aus vier Metern zum 3:1 Pausenstand in die Maschen (44.)
Und die Borussen kamen, beflügelt durch die Erfolgserlebnisse, mit Schwung aus der Kabine. Arango verfehlte mit einem Freistoß von der rechten Seite das Ziel nur knapp (47.).
Und es ging in hohem Tempo weiter. Bobadilla zwang Benaglio nach Reus Hereingabe mit seinem Schuss aus zwölf Metern zu einer tollen Parade (50.), drei Minuten später wehrte Benaglio einen Neustädter-Schuss mit starkem Reflex ab. Und noch in der gleichen Minute ‚flipperte‘ der Ball durch den Strafraum der kopflos wirkenden Wolfsburger – Josué lenkte einen Arango-Schuss per Kopf an den eigenen Pfosten.
Borussia war auch in der Folgezeit das klar bestimmende Team, berauschte sich teilweise an sich selbst und wurde ab und an ein wenig nachlässig in den eigenen Aktionen. Just in diese Phase hinein sorgte Marco Reus für den vierten Treffer der Gastgeber. Vorausgegangen war ein wunderbarer Spielzug, Neustädter passte auf Arango auf der rechten Seite, der die Kugel mit einem überragenden Schlenzer an den langen Pfosten zog. Dort bugsierte Marco Reus das Leder geschickt ins kurze Eck – ein Super-Tor! (67.) und natürlich die Entscheidung im Borussia-Park.
Der Rest der Partie war besseres Auslaufen, mit ein paar Chancen der Borussen – so verpasste Hanke knapp (75.). Nur Lucien Favre wollte sich von der allgemeinen Feierstimmung nicht anstecken lassen und wurde sogar fuchsteufelswild an der Seitenlinie, als seine Mannen arg nachlässig wurden und Patrick Helmes eine 100%ige Torchance gestatteten. Doch Marc-André ter Stegen bewahrte sein Team mit einem tollen Reflex vor dem Anschlusstreffer (80.).
Die letzten zehn Minuten waren dann tatsächlich Party-Pur im Park. Mathew Leckie und erstmals Joshua King kamen noch zu Kurzeinsätzen, Raúl Bobadilla wurde unter Riesenapplaus ausgewechselt – sogar der fürs TV als Experte auf der Tribüne sitzende Ex-Coach Ewald Lienen applaudierte kräftig. Für 24 Stunden steht Borussia Mönchengladbach an der Tabellenspitze …
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Nordtveit, Dante, Daems – Marx, Neustädter – Reus (88. Herrmann), Arango – Hanke (86. King), Bobadilla (81. Leckie)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Zimmermann, Herrmann, Rupp, Wendt
VfL Wolfsburg: Benaglio - Hasebe, Kjaer, Russ , M. Schäfer - Träsch, Josué (84. Knoche) – Salihamidzic (23. Schulze), Hitzlsperger - Helmes , Mandzukic (58. Lakic)
Tore: 0:1 Hasebe (12.), 1:1 Reus (15.), 2:1 Daems (32./FE), 3:1 Bobadilla (44.), 4:1 Reus (67.)
Gelbe Karten: Hanke – Russ, Schulze
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 43.224