Dienstag, 16. August 2011 - 00:22 Uhr
Marc-André ter Stegen: Es ist schon bemerkenswert, einem so jungen Keeper eine „gewohnt“ souveräne und zuverlässige Leistung bescheinigen zu können. Bei Marc-André ter Stegen ist dies, auch ohne auf den Zug des medialen Hype aufzuspringen, angebracht. In seiner ganzen Art ist „MAtS“ für die Mannschaft ein eminent wichtiger Rückhalt und für Borussia Mönchengladbach so etwas wie der Hauptgewinn in der Lotterie. Auch gegen den VfB Stuttgart löste es der 19-Jährige, mit Ausnahme zweier leicht ‚verrutschter‘ Abschläge, ausgezeichnet. Ob aus der Nähe oder der Distanz, z.B. als er stilvoll in der Luft lag beim Hajnal-Schuss oder als er den Kuzmanovic‘ Kracher über den Querbalken lenkte. Mit welcher Selbstverständlichkeit er die Ecken herunterpflückt ist überragend. Von der Präzision seiner Pässe können sich einige Feldspieler eine Scheibe abschneiden. Ter Stegen ist ein Luxus für Borussia, an den man sich sehr gerne gewöhnt. Note 2,0.
Tony Jantschke: Der Rechtsverteidiger hatte einen enorm schweren Stand, da Stuttgart auf seiner Seite oft in Überzahl agierte und Reus diesmal nur bedingt unterstützte. So musste Jantschke oftmals in riskante ‚entweder-oder Duelle‘. Erstaunlich, dass er diese zumeist siegreich und sauber für sich entscheiden konnte. In der zweiten Halbzeit unterlief ihm ein gröberer Stellungsfehler bzw. eine falsche ‚Zwangswahl‘. Sah die Gelbe Karte in einem engen Zweikampf, die zumindest umstritten war. Nach vorne fand er kaum statt, was angesichts der Konstellation hinten nicht verwunderlich war. Beim Gegentor stand er am langen Pfosten gegen zwei Mann alleine. Vielleicht sollte Jantschke in den Situationen, wo er aufgrund der fehlenden Mitarbeit der Kollegen derart unter Druck kommt, diese auch mal verbal ‚auf Linie‘ bringen. Note 3,0.
Roel Brouwers: Stuttgart spielte in der Spitze variabel, Cacau ließ sich oft fallen und es war für die Innenverteidiger sehr schwer, wirklich Zugriff zu bekommen. Brouwers löste seine Aufgabe meist vernünftig, der eine oder andere kleine ‚Wackler‘ fiel auf, aber nicht ins Gewicht. Im Aufbauspiel risikolos, suchte er mehrmals den Weg hintenherum. Einmal schien er etwas den Überblick zu verlieren, was einen gefährlichen Fehlpass zur Folge hatte. Nach einem ‚Muss-Foul‘ gegen Cacau sah er die erste Gelbe Karte und in der Situation gegen Harnik wurde er durch Rupp in die Bredouille gebracht und hatte Pech, dass sein notwendiges Eingreifen zur Gelb-Roten Karte führte. Note 3,5.
Dante: Der Abwehrchef strahlte diesmal nicht die Souveränität aus wie noch in München. In mehreren Situationen agierte er sehr leichtsinnig mit riskanten Manövern am Ball. Die gingen letztlich zwar (so eben) gut, waren dennoch unnötig. Dazu mit einigen Ungenauigkeiten, so z.B. bei einem zu kurzen Zuspiel auf Daems. Bei mehreren Stuttgarter Chancen war er zu weit weg vom Gegenspieler oder schlichtweg verkehrt positioniert. In der zweiten Halbzeit sah es etwas stabiler aus und hier rettete der Brasilianer mit letztem Einsatz gegen Gentner. Beim Gegentor ließ er Cacau aus den Augen, was allerdings ein Stück verständlich war, weil bei Hankes Ballbesitz eigentlich schon umgeschaltet wurde und dann insgesamt die Ordnung fehlte. Note 4,0.
Filip Daems: Stuttgart machte über seine Seite weitaus weniger als über rechts, so dass Borussias Kapitän über weite Strecken der Begegnung alles im Griff hatte. Im Luftkampf mit Harnik geriet der Belgier mal in Schwierigkeiten, ansonsten ohne größere Probleme und auch in den Laufduellen auf der Höhe. Zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einem hoch riskanten Ballverlust, der zum Glück ohne Folgen blieb. Ansonsten sehr solide und wieder mit Qualität und Nervenstärke vom Elfmeterpunkt. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Die Doppel-6 war auch gegen den VfB defensiv in Vollzeit gefordert. Stuttgart hatte nicht nur oft Überzahl, sondern variierte auch geschickt. So war es schwer, wirklich Zugriff auf die Gegenspieler zu bekommen. Nordtveit versuchte viel abzulaufen und zu stören, wobei er zeitweise gar nicht mehr nachkam, die beginnenden Brände zu löschen. Da, anders als in München, die Unterstützung fehlte, war es sehr schwierig. Bei eigenem Ballbesitz wirkt der Norweger noch etwas gehemmt im Vergleich zu Beginn der letzten Halbserie. Seine Aktionen waren ein wenig blass und ohne die letzte Überzeugung vorgetragen. So fehlte auch seinem eigentlich guten Distanzschuss der letzte Pep. Auch wenn er einige schnelle und gescheite Pässe spielte – so wie den auf Reus vor dessen Chance vor der Pause – drückt Nordtveit dem Spiel nicht seinen Stempel auf. Nach dem Platzverweis für Brouwers rückte er in die Innenverteidigung und fügte sich nahtlos ein. Note 3,5.
Roman Neustädter: Hatte wie Kollege Nordtveit an der numerischen Unterlegenheit im Mittelfeld zu knabbern. Wie gewohnt war er ständig in Bewegung und versuchte die Stuttgarter zu stören. Dabei ging er öfter sehr unorthodox hin um den Gegner zu stellen. Hin und wieder versuchte er früh zu attackieren, wo er eigentlich nur zumachen musste und lief prompt ins Leere. Irgendwie passte das Timing nicht, ob in der Luft oder bei den Zweikämpfen. Am Ball mit ein paar guten und schnellen Weiterleitungen. Wenn er die Kugel länger hielt, verlor er das Tempo und das folgende Abspiel misslang meist. Vorne konnte er sich, wegen der defensiven Vollbeschäftigung, gar nicht zeigen. Note 4,0.
Marco Reus: Wie abhängig Borussia von seiner Form ist, zeigte sich am Samstag. Obwohl er insgesamt einen schlechten Tag erwischte, war er dennoch bei allen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt. So hatte er mit seinem Lupfer zu Beginn und dem Linksschuss vor der Pause die besten Chancen, den Elfmeter holte er auch heraus. Darüber hinaus allerdings mit einer schwachen Leistung. Er konnte viele Verbindungen nicht herstellen, spielte zu kurz, ungenau oder gar nicht ab. Zudem zog er immer wieder in die Mitte, gleichzeitig vernachlässigte er seine Defensivarbeit und ließ Jantschke permanent alleine. Als Rupp kam, ging er in die Spitze, kam hier auch aufgrund der Unterzahl am Ende nicht mehr zum Zuge. Wichtig wird sein, dass die defensive Auszeit, die sich Reus genommen hat, eine Ausnahme bleibt. Note 4,5.
Juan Arango: Defensiv machte der Venezolaner auch gegen den VfB aufmerksam mit, was ‘Hintermann’ Daems zugute kam. Ansonsten der einzige Kreativakteur im Spiel nach vorne. Er leitete viele Angriffe ein, musste dann aber oft warten, weil die Anspielstationen zum Kombinationsspiel zugedeckt waren (Hanke, Reus) oder gar nicht mitspielten (Bobadilla). So verpufften mehrere gute Ansätze und Arango ließ, öfter als zuletzt, etwas resigniert den Kopf hängen. Ein Herz fasste er sich bei seinem fulminanten Schuss ans Außennetz. Seine Ballbehandlung und die Selbstverständlichkeit, mit der er Problemstellungen löst, sind absolutes Topniveau. Aber er braucht auch Mitspieler, mit denen er kombinieren kann. Note 3,5.
Mike Hanke: Spielte als zweiter ‚echter‘ Stürmer und weniger hängend als in München. Bekam allerdings nur wenige Anspiele, zudem war es in der Mitte extrem eng. Ein Zusammenspiel mit Bobadilla fand gar nicht statt. Einmal spielte sich Hanke selbst frei, sein folgender Distanzschuss war dann nicht platziert genug. Im Verlauf der ersten Halbzeit tauschte er mit Reus und verweilte auf rechts, was jedoch weder defensiv noch offensiv Impulse brachte. Später dann wieder mittig, doch nun wieder etwas tiefer agierend als zu Beginn. Hanke unterlief der Fehler vor dem Ausgleich, als er sich gegen Kvist freispielen wollte und den Ball verlor. Er wollte nicht foulen, hätte es im Nachhinein besser doch gemacht. Note 4,0.
Raúl Bobadilla: Im Dezember 2010 spielte der Argentinier zuletzt für Borussia. Ein paar Monate in Griechenland und sechs Wochen Training unter Lucien Favre später spülte ihn die Verletzung von Igor de Camargo wieder in die Startformation. Sicher gilt es zu berücksichtigen, dass es für ‚Boba' nicht einfach war, ohne Matchpraxis in eine von der Spielanlage her veränderte Mannschaft zu kommen. Dennoch bleibt unter dem Strich der Eindruck, als ob die Zeit seit damals stehen geblieben ist. Bobadilla versuchte sich mit Einzelaktionen, Zirkus-Pirouetten, Scheuklappendribblings‘ und ging übermotiviert in die Zweikämpfe (gegen den Torwart oder mit dem Ellenbogen voran im Luftkampf). Als Kombinationsspieler keine Option, sein taktisches Verständnis suchte man auch diesmal vergebens. Lucien Favre bemerkte anschließend, Bobadilla müsse noch »enorm viel lernen«. Der Eindruck, dass er dazu bereit bzw. in der Lage ist, drängte sich zumindest gegen Stuttgart nicht auf. Note 5,0.
Lukas Rupp: So kann es gehen. Ein eigentlich richtiger und längst überfälliger Wechsel zur Unterstützung von Jantschke bzw. der Auffüllung des rechten Raums ging letztlich nicht auf. Beim Gegentor war Lukas Rupp am langen Pfosten etwas zu weit weg um noch eingreifen zu können, dazu wählte er trotz mehrerer Optionen vor ihm den Weg nach hinten und leitete so mit seinem zu kurzen Kopfball ungewollt den Platzverweis für Brouwers ein. Neben diesen Szenen zeigte sich der Youngster bemüht, konnte aber nicht einschneidend auf sich aufmerksam machen. Ohne Note.
Mathew Leckie: Kam für Hanke und fing damit an, mit dem Ball in voller Fahrt über die Seitenlinie zu laufen. Der junge Australier wirkte etwas nervös und leicht kopflos, was auch die Wahl von Lucien Favre erklären mag, Bobadilla anstatt Leckie in die Startelf zu setzen. Obwohl sich Leckie bei zwei, drei Dribblings festrannte, schien sich die Nervosität dann etwas zu legen. Seine enorme Schnelligkeit zeigte er gegen Ende bei einem Sprint, als er eine Ecke herausholte. Ohne Note.
Thorben Marx: Kam nach dem Platzverweis für Brouwers und übernahm die 6er-Position von Nordtveit, der nach hinten rückte. Mit geordnetem Direktspiel wusste Marx zu gefallen. Als er sich, wohl auch herausgefordert durch das Raunen im Publikum, an der rechten Außenbahn in ein 1:1-Duell wagte, verzettelte er sich. Ohne Note.